Von Joachim Chwaszcza

Die Gipfelsaison ist eröffnet, am Mount Everest drängeln sich die Expeditionen. Wer sich dem Berg nähern will, kann inzwischen sogar einen gewissen Komfort erwarten.

Es ist der dritte von zwölf Wandertagen im Land der Sherpa am Fuße des Everest, und dank der hochmodernen Hightech-Trekkingstiefel, die man sich im Sportgeschäft hat aufschwatzen lassen, sind die Blasen an den Füßen bereits im fortgeschrittenen Stadium.

Anzeige

Draußen schneit es seit gut zwei Stunden. Triefend nasser Pappschnee. Alles ist matschig und durchtränkt. Es fühlt sich an, als würde es immer kälter. Aber nur draußen.

In der Komfortlodge in Tashinga inmitten monumentaler Kulisse auf 3500 Metern Höhe ist das Zimmer solar temperiert und trocken. Aus dem Speisesaal duftet es verführerisch nach Kaffee und Apfelkuchen, und der gusseiserne Bullerofen schafft mit Yakdung ein rauchfreies Raumklima. Der Akku vom Laptop lädt sich auf, die nächste Straße ist fünf bis sechs Tagesmärsche entfernt.

Was erst einmal verwunderlich bis verrückt wirkt, ist eine logische Entwicklung, die am Matterhorn, in Zermatt und im Wallis schon seit langem nachvollziehbar ist. Man will das Matterhorn sehen, und die Walliser waren so freundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, mit Luxus und Raclette.

Zwar hat Namche Bazar, anders als die Schweizer Vorbilder, den Sprung in die finanzielle Unabhängigkeit noch nicht geschafft, doch selbst in Nepal, diesem armen, gebeutelten Land zwischen den beiden Großmächten China und Indien, hat sich in den vergangenen 30 Jahren etliches verändert.

Einige Komfortlodges wurden in der Region bereits in Betrieb genommen, die medizinische Versorgung ist besser als in der Hauptstadt, und Internet und Disco gehören zum Alltag.

Selbst der Jetset ist manchmal da, als Bergsteiger verkleidet oder im Helikopter. Schon lang kann man bequem von Kathmandu aus nach Lukla fliegen, statt tagelang bergauf zu wandern.

Der Flug in der alten klapprigen Twin Otter dauert knapp 45 Minuten. Hinzu kommt, dass es ein reiner Sichtflug im Wolkenchaos ist, und der Pilot im 15 Grad Winkel bergauf auf einer prickelnd kurzen Landebahn landen muss. Wie viele von den Maschinen und Hubschraubern abgestürzt sind, darüber gibt es keine offizielle Statistik. Es sind gewiss nicht wenige.

Gleichzeitig ist es heute durchaus möglich, ohne Schlafsack durchs heilige Land der Sherpas an den Fuß des Everest zu gelangen. Es ist nicht nur deshalb die nachhaltigere Variante, weil Tourismus eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine Nepals ist, sondern weil auch das Bergerlebnis und die kulturelle Erfahrung stimmen.

Seit den Tagen der Pioniere hat sich die Infrastruktur gewandelt. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek titelt eine Nepalstory mit "Trekking not required". Klassisches Bergtrekking mit early morning tea und nassem Schlafsack im durchweichten Zelt ist am Aussterben.

Dafür ist die Versorgung mit Zimmern und Verpflegung inzwischen nahezu perfekt. So sitzt man im warmen Glaspalast und trinkt Tee, während der Blick über Berggiganten wie Ama Dablam, Lhotse und Everest schweift. Es gibt Yaksteak statt Powerriegel und ein Glas Rotwein statt einem Iso-Getränk.

Den Abend verbringt man gepflegt am Bullerofen, während eine heiße Bettflasche das Federbett vorwärmt. Der volkswirtschaftliche Aspekt spricht sogar für Lodges. Beim Zelttrekking wird alles aus Kathmandu eingeflogen, Lodgetrekking basiert auf der örtlichen Infrastruktur. Das Geld bleibt in der Region.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die Lodge auf dem Schicksalsberg
  2. Die Lodge auf dem Schicksalsberg
  3. Die Lodge auf dem Schicksalsberg
Leser empfehlen