Kolumne Das können wir von Kaliforniern lernen

Schöner leben mit Kaliforniens "Way of Life"

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Unsere Autorin hat sich in zwei Jahren zehn Dinge vom kalifornischen "Way of Life" abgeschaut.

Von Beate Wild, San Francisco

Nicht nur das Jahr 2015 ist vorbei, auch meine Zeit in San Francisco. Nach knapp zwei Jahren in der Stadt am Golden Gate ziehe ich nach New Orleans, Louisiana. Das nächste Jahr werden kreolisches Essen, Bluesbands, Jazzclubs und "Big Easy" den kalifornischen "Way of Life" ablösen. Was diesen ausmacht und was wir uns von Kaliforniern abschauen können:

Bleib gelassen

Erdbeben gibt es in Kalifornien ständig. Allerdings sind die meisten so schwach, dass man sie oft gar nicht mitbekommt. Und wenn man etwas merkt, ist es nur ein schwaches Zittern, ganz kurz, dann ist es schon wieder vorbei. Trotzdem schwebt über der gesamten Westküste ständig das Damoklesschwert "Big One": ein gewaltiges Beben, das alles dem Erdboden gleichmachen wird. Dass es kommt, ist keine Frage. Nur wann, weiß keiner. Trotzdem ist dies kein Grund für Kalifornier, allzu nervös zu werden. Sie akzeptieren die drohende Naturkatastrophe und bleiben gelassen. Freilich schaffen sie sich ein Survival-Kit mit Essensvorräten an, hängen keine schweren Bilder übers Bett und stellen in den Regalen alles ganz nach hinten. Und die, die in Küstennähe wohnen, wissen, welche Tsunami-Evakuierungsroute sie im Notfall nehmen müssen. Und bis zum Ernstfall: Immer schön cool bleiben.

Kleider machen keine Leute

Im Englischen gibt es das Sprichwort: "Don't judge a book by its cover", beurteile kein Buch nach seinem Umschlag. Außerhalb von Bibliotheken heißt das: Bewerte Menschen nicht nach ihrem Äußeren. Kleidung, das weiß man in Kalifornien nur zu gut, sagt nichts über die Größe des Geldbeutels aus. Nicht jeder Anzugträger ist reich. Er könnte auch ein mies bezahlter Google-Busfahrer sein. Und nicht jeder im grauen T-Shirt und Kapuzenpulli ist ein Obdachloser, Tagedieb oder arbeitsloser Hippie. Vielleicht ist es Mark Zuckerberg oder ein anderer Tech-CEO. In Kalifornien laufen Milliardäre gerne im "casual outfit" durch die Gegend. Und im Hoodie, da ist jeder gleich.

Glaube an dich und deine Träume

Kalifornien lebt den "amerikanischen Traum". Alle wissen: Nach oben kommt nur, wer sich anstrengt. Geschenkt wird einem nichts. Wer einen Traum hat im Leben, sollte alles ihm Mögliche tun, um ihn zu verwirklichen, so das Credo. Wer fest an sich glaubt, kann es zum Millionär bringen - auch wenn er von ganz unten kommt. Zuletzt eindrucksvoll bewiesen hat das Jan Koum, der Gründer von WhatsApp. Er ist im Alter von 16 Jahren aus der Ukraine nach Kalifornien gekommen. Laut Forbes-Liste 2015 beträgt sein Vermögen heute etwa 7,7 Milliarden US-Dollar. Bei den Frauen gilt unter anderem Sheryl Sandberg als Vorbild. Die Facebook-Managerin ist geschätzte 1,2 Milliarden Dollar reich und hat das Buch "Lean In" geschrieben, in dem sie Frauen auffordert, sich in ihre Karrieren reinzuhängen. Damit hat sie noch ein paar Extra-Dollar verdient.

Plaudere dich durchs Leben

Im Vergleich zu uns eher maulfaulen und oft distanzierten Deutschen sind Amerikaner Smalltalk-Götter. Stets begrüßen sie einen freundlich, fragen immer, wie es geht und zeigen Interesse an ihrem Gegenüber. Nur oberflächliches Getue? Kann sein, muss aber nicht. Hauptsache, man kommt leicht mit Leuten ins Gespräch und findet schnell Anschluss. Wer steht schon gerne auf einer Party allein mit seinem Getränk herum und starrt verlegen Löcher in die Luft? In Kalifornien wird man sofort in eine Konversation verwickelt. Das Schönste daran: Wenn man sich selbst einen Ruck gibt, so offen auf eine wildfremde Person zugeht und sie einfach anspricht, wird man garantiert nicht blöd angeschaut oder unfreundlich abgewiesen. Das lockere Plauschen gehört hier einfach dazu.

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Zum Surfen ist es nie zu kalt

Viele Europäer haben eine völlig falsche Vorstellung von Kalifornien, was die Badequalitäten des Pazifik betrifft. Die Westküste hat zwar unzählige schöne Strände, doch das Beach-Life ist weit weg vom Copacabana-Feeling. Das Wasser des Pazifik ist kalt, in der Regel zwischen 15 und 18 Grad Celsius. Nur in Ausnahmefällen werden mal 20 Grad oder mehr erreicht. Doch was ein echter Kalifornier ist, lässt sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht abhalten. Die Strände von San Diego über Los Angeles bis San Francisco sind voller Surfer. Am Ocean Beach in San Francisco ist etwa der Sänger Chris Isaak ("Wicked Game") einer von ihnen. Die Wellen sind fantastisch - und wozu gibt es dicke Neoprenanzüge? Die einzigen, die dieses Lebensgefühl nachvollziehen können, sind vermutlich die Surfer in München. Wer sich in den Eisbach traut, hält die Temperaturen im Pazifik locker aus.