Einen, maximal zwei Sprünge absolviert er pro Tag. Früher ist er bis zu sechs Mal gesprungen, wie Nando heute, aber der ist ja auch zehn Jahre jünger. Cuadrito hat Löcher in den Trommelfellen beider Ohren, er hat sich das Schlüsselbein gebrochen, die Schulter, beide Handgelenke und drei Finger, als er die Faust beim Eintritt ins Wasser einmal auch nur leicht geöffnet hatte. Von Schürfwunden, Prellungen oder Quetschungen nicht zu reden, auch nicht von den Beulen, wenn man nicht genug Spannung in den Körper bringt und es einem die Arme gegen den Kopf schlägt.

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Andere leiden unter Spätfolgen.

Raúl García etwa, der vor ein paar Jahren verstorbene Veteran, ist noch mit über 70 Jahren gesprungen, selbst als er schon unheilbar krank war. "Parkinson, vielleicht gibt es da einen Zusammenhang", mutmaßt Cuadrito.

Die zweite Show, diesmal mit Cuadrito als Hauptspringer: Er geht durch die Außenanlagen des Hotels. Es besteht aus rund hundert Bungalows, die wie Waben in den Klippen kleben. Hinter einer Bungalowreihe führt eine von Gummibäumen überwucherte Steintreppe in die Klippen. Cuadrito öffnet ein verrostetes Tor und steigt über ein paar Felsbrocken hinunter zur Gebetsäule zu Ehren der Jungfrau von Guadelupe. Deren Rahmen ist gespickt mit Glühbirnen.

Die Kulisse ist gigantisch, vom La Perla über die Menschenmenge auf den Aussichtplattformen bis hinüber zur Straße, die sich auf der anderen Seite der Bucht einen Hügel hinauf erstreckt. An der Leitplanke stehen Schaulustige, sie sehen sich das Spektakel von weitem und vor allem gratis an.

Ein Blick von der Absprungstelle hinunter in die Quebrada. Unten schlagen die Wellen wütend an die Felsen. Ein dunkler Abgrund. Kaum vorstellbar, dass Menschen hier freiwillig hinabspringen. Viereinhalb Meter ist das Wasser dort unten tief. Das ist nicht viel, schließlich kommen die Klippenspringer mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde angerauscht.

"Du musst den Sprung mit den Wellen synchronisieren", erläutert Cuadrito, "und sofort nach dem Eintritt ins Wasser eine Wende machen, um dem Riff auszuweichen."

Diesmal ist Ricardo als Erster dran. Vom Sockel aus 25 Metern Höhe. Nando und Kevin springen synchron, die holandesa, den anderthalbfachen Rückwärtssalto. Alle Augen richten sich nun auf Cuadrito. Er kniet vor der Marienfigur nieder, verharrt eine Minute im Gebet, bekreuzigt sich, küsst sie. Man merkt, wie schwer ihm der Moment fällt. Cuadrito geht zur Kante, strafft den Körper, breitet die Arme aus und springt.

Eine halbe Stunde später sitzt er wieder neben der Kasse. Die Zukunft? Er ist pessimistisch.

Überall auf der Welt kriselt es, auch in Mexiko. Aber sich deshalb einen anderen Job suchen? Für Cuadrito kommt das nicht in Frage: "Ohne diesen Cocktail aus Angst und Anspannung vor dem Sprung kann ich nicht leben. Und der Adrenalinausstoß, wenn du abhebst, ist einfach gigantisch."

Informationen

Anreise: Hin- und Rückflüge nach Mexico-Stadt mit Air France, Lufthansa oder Mexicana kosten zwischen 450 und 700 Euro.

Klippensprung: Die Shows der Klippenspringer finden täglich um 12.30, 19.30, 20.30, 21.30 und 22.30 Uhr statt, an Wochenenden auch außer der Reihe. Der Eintritt kostet 35 Pesos. Den besten Blick hat man von der unteren Aussichtsterrasse. www.clavadistasdelaquebrada.com

Weitere Auskünfte: Mexikanisches Fremdenverkehrsamt, Tel.: 0080011112266

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(SZ vom 23.07.2009)