Karibik Vierzehn Stunden im offenen Meer

Ein Bootsausflug wurde zum Überlebenskampf im Meer.

(Foto: kipfal / photocase.com)

Wie im Katastrophenfilm: Bei einem Bootsausflug vor der Küste von St. Lucia erleiden die Geschwister Dan und Kate Suski Schiffbruch. Also schwimmen sie los. Vierzehn Stunden lang durch den Atlantischen Ozean. Hilfe kommt nicht.

Verschollen auf offener See - was für viele Reisende wie ein Albtraum klingt oder ein besonders ausgefallener Hollywood-Katastrophenfilm, ist für Dan Suski und seine Schwester Kate wahr geworden.

Der 30-jährige IT-Experte aus San Francisco und die 39-jährige Architektin aus Seattle verbrachten gemeinsam den Urlaub im Osten der Karibikinsel St. Lucia und hatten für einen Tag ein Fischerboot samt Besatzung gemietet.

Als sie gerade dabei waren, einen einhundert Kilo schweren Speerfisch zu bändigen, den sie soeben aus dem Meer gezogen hatten, versagte die elektrische Versorgung an Bord. Es knisterte und knallte, schreibt die Huffington Post.

Zum technischen Ausfall kam der wilde Seegang hinzu. Wellen schwappten über das Boot herein, es füllte sich mit Wasser. Der Kapitän setzte gerade noch einen Hilferuf über Funk ab, bevor er den Suskis Rettungswesten zuwarf und sie aufforderte, über Bord zu springen.

"He said, 'Jump out! Jump out!'" erzählte Kate später am Telefon der Nachrichtenagentur AP.

Nur wenige Minuten später ging das Boot unter und neben den US-Geschwistern schwammen der Kapitän und sein Bootsmann im offenen Meer, dreizehn Kilometer vor der Küste. Eine Stunde lang. Aber es kam keine Hilfe.

Kate wurde irgendwann unruhig und trieb die Gruppe an, zu schwimmen. "Lasst uns schwimmen, lasst uns schwimmen. Wenn sie kommen, finden sie uns schon. Wir können nicht einfach hierbleiben", erzählte sie später der Nachrichtenagentur AP. Durch die hohen Wellen waren sie bald von der Bootscrew getrennt und schwammen allein durch den Ozean.

Einen Rettungshubschrauber und ein Suchflugzeug konnten die Suskis zwar am Himmel sehen, aber sie kehrten wieder um. Sie hatten die Geschwister nicht gefunden. So schwammen die beiden weiter. Bis es dunkel wurde.

"There's this very real understanding that the situation is dire," so Kate Suski. "You come face-to-face with understanding your own mortality ... We both processed the possible ways we might die. Would we drown? Be eaten by a shark?"

Das, was den Suski-Geschwistern passiert ist, ist allerdings so ungewöhnlich nicht. Vor Jahren bereits wurde ein Pärchen auf Tauchgang am australischen Great Barrier Reef vergessen und anschließend wohl von Haien aufgefressen. Die Geschichte wurde verfilmt und die Bilder aus genau diesem Film, "Open Water", konnte auch Dan Suski in diesen Stunden einfach nicht aus seinem Kopf kriegen. Vor lauter Angst war Kate stets kurz davor, sich zu übergeben, erzählte sie später.

Vierzehn Stunden waren die beiden durch den Atlantik geschwommen, als sie schließlich Land entdeckten. Aber die Küste war viel zu felsig - unmöglich, hier an Land zu gehen. Wie die Huffington Post berichtet, versuchte Dan noch, seine Schwester zu überzeugen, es doch zu versuchen. Aber sie war überzeugt: "Das werden wir nicht überleben."

Also schwammen sie weiter, bis sie einen sandigen Abschnitt ausmachten. Endlich Land unter den Füßen! Vor Erschöpfung wären Dan und Kate am liebsten am Strand liegengeblieben, aber es war mitten in der Nacht und sie waren völlig unterkühlt. Im Landesinneren deckten sie sich mit Gras zu, legten sich eng zusammen und versuchten so, warm zu bleiben.

Am nächsten Morgen streiften sie über die Insel, aßen unreife Mangos und grüne Bananen, die "wahrscheinlich schlechtesten und besten zugleich in meinem Leben", erzählte Dan. Schließlich fanden sie einen Bauern, der ihnen Wasser und Cracker gab und die Polizei verständigte. Dabei hatten die Suskis fast noch Glück im Unglück: Der Kapitän und sein Bootsmann mussten neun Stunden länger im offenen Meer ausharren. Sie wurden erst nach 23 Stunden gefunden.

Im Krankenhaus der Insel konnte der Arzt Kate Suski nicht einmal Blut abnehmen, so dehydriert war sie. Ihre Rettung nennt der Tourismusminister von St. Lucia ein Wunder, die Marinebehörden der Insel veranlassten eine Untersuchung, was genau den Schiffbruch verursacht haben könnte. Marineoffizier Sgt. Finley Leonce sagte der Huffington Post zufolge, sie hätten bereits mit dem Kapitän gesprochen und dass die Polizei keine kriminellen Motive hinter dem Vorgang vermute.

Ein Angestellter des Bootsverleihs "Reel Irie" wollte sich am Donnerstag nicht zu der Causa äußern, ließ aber ausrichten, er sei dankbar, dass es allen gutgehe. Auch die Geschwister Suski sind dankbar. Trotz Dehydrierung, schlimmer Sehnenentzündungen und Aufschürfungen an Füßen und Rücken geben die beiden niemandem die Schuld.

"We are so grateful to be alive right now," sagt Kate Suski. "Nothing can sort of puncture that bubble."