Bedrohte Sehenswürdigkeit Tempel von Angkor

Der Baum als Schutz: Bauwerk in Ta Prohm.

(Foto: Kike Calvo/AP)

Bäume und Wurzeln schienen die berühmten Urwaldbauten in Kambodscha zu erdrücken, also wurde gefällt und gestutzt. Trotzdem - oder gerade deswegen - bröckeln die Tempel weiter.

Von Monika Maier-Albang

Sie sehen malerisch aus, die Würgefeigen, deren Wurzeln sich über die Mauern von Ta Prohm ergießen - und es dabei zu erdrücken drohen. Weshalb man die Urwaldriesen aus den meisten Tempeln von Angkor in Kambodscha entfernt hat. So wie andere Bäume.

Das stellte sich als Fehler heraus, hatte doch das dichte Blätterwerk über all die Jahrhunderte, in denen die Tempel der Khmer-Könige in Vergessenheit geraten waren, die fein gearbeiteten Reliefs vor der Verwitterung geschützt. Ohnehin ist es ja immer eine Abwägung, wie viel man eingreift, wenn historische Stätten auch aus dem Morbiden ihren Charme ziehen. Und Angkors Zauber beruht in Tempeln wie Ta Prohm oder Preah Khan auch auf Riesenwurzeln zwischen Steinhaufen.

Zudem müssen die Abbilder der Tempeltänzerinnen, die Apsaras und Devatas, gerettet werden. Viele der Tempel in Kambodscha sind aus Sandstein, der im feuchtheißen Klima und durch Fledermauskot porös wird - und nun durch Spezialmörtel erhalten werden soll. Dass immer mehr Touristen kommen - Experten gehen von vier Millionen pro Jahr aus - tut dem Unesco-Weltkulturerbe ebenfalls nicht gut.

Die Hotelpools verbrauchen so viel Wasser, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Auch die Kontrollen sind teils lax, da schleift schon mal ein Rucksack am Relief vorbei. Der Kölner Restaurierungsexperte Hans Leisen, seit Jahrzehnten in Angkor tätig, zieht denn auch ein nüchternes Fazit: "Das ist ein Projekt, das nie enden darf. Und trotzdem können wir den Verfall nur verlangsamen."