Italien Wasser marsch in Florenz

Touristen sitzen im März 2016 in Florenz auf der Piazza della Signoria.

(Foto: dpa)

Mit Sandwich und Cola auf den schönsten Plätzen sitzen wie an einer zweitklassigen Raststätte? Gegen solches Banausentum der Touristen bringt der Bürgermeister von Florenz nun Putztruppen in Stellung.

Von Oliver Meiler

Florenz ist eine schöne Stadt, gesegnet mit viel Kultur und prächtigen Kirchen, mit fein gezeichneten Plätzen und Palästen. Was da nicht alles zusammenkommt an Erinnerungswertem und Hochrespektablem. In der Basilika Santa Croce zum Beispiel, einem gotischen Bau, liegen Michelangelo, Machiavelli und Galileo Galilei bestattet - alles Söhne der Toskana, deren Namen noch immer stolz in die Welt tönen. Doch hat Florenz auch die Touristen, die es verdient?

Der junge Bürgermeister Dario Nardella, ein Sozialdemokrat, hat sich vorgenommen, jenen Besuchern Manieren beizubringen, die sich im hehren Rahmen seiner Stadt nicht angemessen aufführen, ihn gewissermaßen profanieren mit ihrer Aufwartung. Am meisten stören ihn die, die sich am Mittag mit Sandwich und Bier oder Cola vor die Kirchen oder auf die Gehsteige der hübschen Gassen setzen, als wäre die Stadt eine zweitklassige Raststätte.

Nardella wies die städtische Reinigungsbehörde deshalb an, immer am Mittag die Kirchentreppen und Piazze zu putzen - und zwar mit viel Wasser. Damit sich die Banausen einen nassen Hosenboden holen, wenn sie da herumhocken. In der Sommerhitze verdunstet das Wasser natürlich schnell, da braucht es mehr. Besonders umweltfreundlich ist die Methode also nicht. Doch wenn damit dem "Biwakieren" gewehrt wird, wie die Italiener es nennen, wenn sie Picknick meinen, dann ist es das wert. Aus gesamtästhetischen Gründen.

Es gibt aber auch Kritiker, die Nardellas Methode für brachial halten. Und denen ruft der Bürgermeister zu: "Gemach, wir werden die Touristen ja nicht mit Hochdruckreinigern und Hydranten bespritzen." Erfreut sind die Restaurant- und Barbesitzer: Endlich geht mal einer vor gegen diese Unmode der "Panini to go", die ihre Einnahmen schmälert und stattdessen die vielen Kebab-Läden, Mini-Markets und schamlos teuren Ess-Kioske fördert.

Nicht noch mehr Touristen!

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Es ist ein ständiger Kampf, die Eleganz zerfranst. Alle Kulturstädte Italiens leiden unter der Kombination aus Massentourismus und Billigkultur. Auf Venedigs Piazza San Marco ist es schon länger verboten, sich einfach hinzusetzen und zu essen. Die Stadt beschäftigt Ordnungshüter, die des frivolen Treibens einigermaßen Herr werden sollen, was bei dem Ansturm nicht einfach ist: Das kleine Venedig zählt mittlerweile dreißig Millionen Besucher im Jahr und denkt über eine Kontingentierung der Gäste nach. Vielleicht braucht man bald ein Ticket für die Piazza San Marco.

Rom hat ähnliche Probleme. Vor der Fontana di Trevi stehen die Menschen oft so eng an eng, dass alle Kontrolle versagt. Unlängst gelang es zwei Herrschaften, sich ungehindert nackt auszuziehen und unter dem Gejohle der Umstehenden durch das spätbarocke Brunnenbecken zu schwimmen.

Nun überlegt sich die Stadtverwaltung, das Stehenbleiben zu verbieten: Passieren, schauen und ciao. Im Gehen, das könnte ein willkommener Nebeneffekt sein, ist es schwieriger, die obligate Münze ins Wasser zu werfen - rücklings, mit geschlossenen Augen, über die linke Schulter. Nach einer alten Legende garantiert der zielsichere Wurf eine baldige Rückkehr in die Stadt. Möge er dann und wann misslingen.

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