Interview München, Hauptstadt Deutschlands?

In vielen Ländern gilt München als Inbegriff Deutschlands. Tourismusbotschafter in aller Welt werben für die Stadt. Zwei von ihnen erklären, warum Brasilianer und Chinesen München so sehr lieben.

Von Interview: Johanna Lischke

3,5 Millionen Übernachtungen zählte die bayerische Landeshauptstadt 2004. Damit das so bleibt, werben seit einigen Jahren Tourismusbotschafter in aller Welt für München: Wir haben zwei von ihnen, Giovanni Lenard aus Sao Paolo und Albert An Huisheng aus Peking interviewt.

München; ddp

Biergarten und Drindl gefallen überall auf der Welt.

(Foto: Foto: ddp)

SZ: Ist München bei Ihnen überhaupt bekannt?

An Huisheng: Wo denken Sie hin? Manche Leute glauben sogar, dass München die Hauptstadt von Deutschland ist. Die geographischen Kenntnisse sind nicht so groß bei uns. Man kennt aber Bayern München, Frankfurt und die deutschen Autos. Doch es wird selten differenziert oder geographisch zugeordnet.

Lenard: Ich habe auch auf meiner Visitenkarte stehen: "München, Hauptstadt von Bayern", damit das nicht verwechselt wird. Die Leute kennen München eher als Berlin. Und das Image von München ist durchwegs positiv. Eigentlich sollte ich Geld dafür bezahlen müssen, dass ich München repräsentieren darf. Nie kam jemand und hat Kritik über München geäußert oder schlechte Erfahrungen gemacht.

SZ: Zur Fußball-WM werden 20.000 brasilianische Fans in Deutschland erwartet. Fürchten Sie nicht, dass der eine oder andere auch mal unzufrieden ist?

Lenard: Im Gegenteil. Fußball spielt für Brasilien eine sehr große Rolle - wie auch für die Münchner. Die Weltmeisterschaft 2006 ist natürlich derzeit ein wichtiges Thema für uns. Das wird einen echten Boom geben. Schon jetzt bewerbe ich München mit dem Schwerpunkt WM 2006.

SZ: Wie gehen Sie dabei vor?

Lenard: Wir verteilen Info-Material über München - zum Beispiel auf Reisemessen - und machen Mailing-Aktionen an Medien. Zudem arbeiten wir mit dem Goethe-Institut und der Deutschen Zentrale für Tourismus zusammen, um die Touristen zu erreichen.

SZ: Sie sprachen davon, dass Ihre Landsleute Deutschland nur mit ein paar Klischees verbinden - liegt das nicht auch daran, dass Sie selbst Klischees verbreiten?

Lenard: Ich suche nicht nach Klischees, sondern nach Verbindungen zwischen Brasilianern und Münchnern: Fußball zum einen und große Feste natürlich. Wir haben den Karneval in Rio, München hat das Oktoberfest.

SZ: Ein schräger Vergleich.

Lenard: Die Brasilianer, die nach Deutschland kommen, sehen, glaube ich, die Traditionen in beidem. Sie interessieren sich für das ursprüngliche Bayern. Also auch für die Christkindlmärkte oder den Papst. Es gibt sogar schon brasilianische Reiseveranstalter, die Papstreisen arrangieren - ein paar Tage nach Bayern, ein paar Tage nach Rom und ein paar Tage nach Polen. Viele Brasilianer sind ja katholisch.

SZ: Warum kommen Chinesen überhaupt nach München, wohl nicht wegen des Papstes?

An Huisheng: Nein, der Papst ist ziemlich weit weg für uns Chinesen. Touristen aus China wollen in München ausgiebig einkaufen - viele, die hierher kommen, sind ja auch Geschäftsreisende. Die interessieren sich besonders für das BMW-Museum und das Deutsche Museum. Die Urlauber wollen aber auch das Oktoberfest sehen - das ist auch in China sehr bekannt.

SZ: Welche Münchner kennen Ihre Landsleute?

Lenard: Die Älteren vielleicht Gerd Müller. Dann wird es schon sehr dünn.

An Huisheng: Konkret fällt mir niemand ein. Meine Landsleute wissen eher, welche chinesischen Fußballspieler in Deutschland spielen.