Insel St. Helena Ist das der nutzloseste Flughafen der Welt?

Der neue Flughafen auf St. Helena.

(Foto: dpa)

Napoleons Verbannungsort St. Helena war bis jetzt nur mittels fünftägiger Schiffsreise erreichbar. Nun eröffnet der Airport - nach acht Jahrzehnten Planung und vielen Pannen.

Von Bernd Dörries

Es gibt Orte, da kommt die Geschichte nur einmal vorbei, und die Orte werden die Geschichte nie wieder los. "Dieser verfluchte Fels", soll Napoleon gesagt haben, als er 1815 das erste Mal St. Helena sah, die Insel, auf die ihn die Briten verbannt hatten. Fast sechs Jahre lebte er dort, wenn man es leben nennen kann, es war wohl eher ein Ringen mit seinem Schicksal und diesem Ort. "Was ist schon Sankt Helena? Das ist lediglich ein Gegenstand, über den man sich immer beschweren kann." Vieles, was Napoleon Bonaparte damals so von sich gab, schien eher schon für die Nachwelt bestimmt zu sein als für die Gegenwart. Und so denkt die Nachwelt bei St. Helena bis heute an einen ziemlich miserablen Ort.

Einen Ort, den Napoleon aber zumindest auf die Landkarte gesetzt hat, 2000 Kilometer bis zur Küste Angolas, 3000 Kilometer bis nach Brasilien, es gibt wohl kaum einen abgeschiedeneren Flecken. Letztlich lebt man dort heute noch in einer Art Verbannung; als einer der letzten Orte ist er nicht mit dem Flugzeug zu erreichen. Sondern nur mittels fünftägiger Schiffsreise. Was sich nun ändern soll. Am Samstag landet aller Wahrscheinlichkeit nach die erste Linienmaschine aus Johannesburg auf dem neuen Flughafen.

Acht Jahrzehnte lang wurde er geplant, fünf Jahre gebaut, er sollte schon mehrere Male eröffnet werden. Im Sommer 2016 wollte Prinz Edward das neue Zeitalter auf dem britischen Überseegebiet einleiten, die Einweihung musste verschoben werden, weil Piloten die tückischen Scherwinde nicht in den Griff bekamen, sich manche weigerten, die Insel überhaupt anzufliegen. Nun werden kleinere Maschinen eingesetzt. Der verfluchte Fels. Die britische Presse gab dem Projekt schnell den Beinamen "nutzlosester Flughafen der Welt". Etwa 300 Millionen Euro hatte es gekostet, ganze Berge abzutragen und eine Bahn zu bauen, die wie ein Flugzeugträger aussieht.

Fast 70 000 Euro pro Insel-Bewohner kostet das Ganze den britischen Steuerzahler. Der Flughafen ist die letzte Mitgift für das tragische Überbleibsel des Empire. In den vergangenen 15 Jahren sank die Bevölkerungszahl um ein Drittel auf 4000 Bewohner. Diese arbeiten vor allem in der Verwaltung und auf Kaffeeplantagen - sonst gibt es wenig zu tun. Alle drei Wochen landete das Postschiff an, und jedes Mal bestieg ein halbes Dutzend "Saints" das Boot und kehrte nie zurück.

Der Flughafen soll Touristen bringen und ein bisschen Aufschwung, auf eine Insel, deren Charme sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Mondlandschaften und grüne Täler. "Es wird ein neues Kapitel in der Geschichte von St. Helena", sagt Gouverneurin Lisa Phillips. Neue Hotels wurden eröffnet, der erste Handymast installiert und etliche Rückkehrer gesichtet. Manche Bewohner fragen sich aber auch, was aus der Insel wird, ob die neuen Zeiten die alte Gemeinschaft und ihre viel geschätzte Solidarität durcheinanderbringen werden. Andererseits wird St. Helena wohl nie eine Insel des Massentourismus sein, nur etwa 30 000 Touristen sind angepeilt. Für den ersten Flug sind noch Tickets erhältlich.

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