Welch eine andere Welt drei Stunden später in Chile, als wir den windigen, einsamen Grenzübergang auf 4500 Metern inmitten von Schneeschauern tatsächlich erreicht haben, Eusebio und allen Andengöttern sei Dank.
(© Foto: Joachim Jacobs)
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Auf der chilenischen Seite geht es nun mit einem modernen Bus steil den Berg hinunter, auf einer breiten, geteerten Straße mit leuchtenden Linien und Notbremsspuren. Mit einem Fahrer, der innerhalb eines Ortes an jeder Ecke anhält, nach links und rechts schaut und höflich Fußgänger über die Straße winkt. Willkommen in der Zivilisation!
Brummender Touristenort
"Ja, Chile ist in allem besser!" Sergio, der mit uns im Bus sitzt, überschlägt sich fast vor Begeisterung. Das Jahr über arbeitet der etwa 40-jährige Chilene als Spanischlehrer im französischen Lille, in den Sommerferien reist er durch seine Heimat. "Bolivien ist das ärmste, unterentwickeltste Land Südamerikas! In Chile ist alles viel organisierter, europäischer. Alles ist hier besser: die Straßen, das Essen, der Wein - ihr werdet sehen!"
Im Wüstenstädtchen San Pedro de Atacama auf nur noch 2400 Metern prallen wir dann allerdings so hart auf die Zivilisation eines brummenden Touristenortes, dass wir den Wechsel von Kälte zu Wärme, von herber Bergeinsamkeit zu professioneller Geschäftigkeit kaum verkraften.
Ja, es ist schön hier, die Felsformationen der Wüstenlandschaft sind atemberaubend, die Menschen freundlich, die Kellner in den fast durchwegs teuren und vorzüglichen Restaurants bestens geschult.
Doch auf den Straßen von San Pedro ist neben den Touristenhorden kaum ein Einheimischer zu sehen. Die unzähligen Hotels sind in der Hochsaison fast ausgebucht, belegt insbesondere mit italienischen und französischen Gruppen der älteren Mittel- und Oberschicht; mit anspruchsvollen, stylish gekleideten Touristen, die angenervt "bloß nicht schon wieder Lomo" (also Rinderlende) essen wollen.
Da kommt zum ersten Mal - jetzt schon? - wieder Sehnsucht nach Bolivien auf.
Reisetipps: Der Südwesten mit der Salzwüste Uyuni gehört zu den kargsten und beeindruckendsten Landschaften Boliviens. Von Uyuni und Tupiza aus kann man mehrtägige Jeep-Touren buchen. In Chile kann man von San Pedro de Atacama aus zahlreiche Ausflüge in die umgebende Wüstenlandschaft machen, zum Beispiel ins Valle de la Luna. Sehr zu empfehlen ist dort auch der nächtliche Besuch einer Sternwarte, da der Himmel besonders klar ist (www.spaceobs.com).
Hinweis: Die Geschichten dieser Serie wurden im Juli und August recherchiert. Damals war die politische Lage in Bolivien bereits angespannt, jetzt hat sie sich jedoch sehr verschärft. Vor einer Reise empfiehlt es sich daher, die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu lesen (www.auswaertiges-amt.de).
Antje Weber, 40, war zehn Jahre lang Redakteurin der Süddeutschen Zeitung. Seit 2006 lebt sie in Quito in Ecuador und berichtet als freie Autorin aus Südamerika.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Im Bann der Anden (VI) Im Nachtbus zum Höhenrausch 06.10.2008
- Im Bann der Anden (V) Auf der Straße des Todes 29.09.2008
- Im Bann der Anden (IV) Der geballte Charme der Cholitas 22.09.2008
- Die Spielregeln Was man vorher wissen sollte 12.03.2010
- Flumserberg in der Schweiz 1550 Höhenmeter Genuss 09.01.2012
- Die Spielregeln Gipfelkreuz-Quiz: Was man vorher wissen sollte 10.06.2009
- Im Bann der Anden (VIII) Die Koch-Avantgarde von Lima 20.10.2008
(sueddeutsche.de/dd)
Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
Träumen, planen, reisen
Auch ich kann die SZ nur für diese gesamte Reportage-Serie beglückwünschen.
Selbst mit der besten Vorbereitung gehören *Grenzerfahrungen* zu einem solchen Südamerika Trip. Aber dass macht es ja gerade so wunderbar!
Ich selber habe die hier beschriebene Tour zwar so nicht gemacht, mich aber letztes Jahr von Carracas bis La Paz bewegt und einige Momente erlebt bei denen mir das Herz in die Hose gerutscht ist.
Lieber Kermitos, vieleicht haben Sie / hast Du genau diese Tour anders erlebt, aber wenn Sie/Du keine ähnlichen Erfahrungen zwischendurch auf Ihrem/Deinem Südamerika Trip gemacht hast, dann haben Sie /hast Du was verpasst!
Seien es nun die einspurigen Strassen wo auf der einen Seite die Felswand gerade nach oben und auf der anderen Seite gerade nach unten geht, die Fahrer die Dank Coca-Blättern solche Pisten tatsächlich die ganze Nacht durchfahren ohne irgendetwas zu essen oder zu trinken oder die Kleinbusse in denen 12 Sitzplätze untergebracht sind, in denen in Europa höchstens 6 Plätze wären und in denen es in unseren Breiten im Gegensatz zu Südamerika auch eine Beschränkung für Gepäck gäbe...
Und die Autorin schreibt doch auch wie schnell sie Bolivien wieder vermisst hat. Obwohl es doch auch/sogar in Bolivien überlaufen Touristen-Orte gibt. Copacabana am Titicaca-See zum Beispiel...
Übrigens fand ich auch die Titicaca Reportage SUPER, auch wenn ich auch dass anders erlebt habe.
das die SZ solchen Reportagen Raum gibt. Ich kenne Land und Leute gut und freue mich über jede Berichterstattung.
An Kermitos: Ich weiß aus Erfahrung, dass verschiedene Leute zuweilen ganz verschiedenen Erfahrungen machen können. (Was ich alles über die Einreise in die USA gehört hatte. Oder über die Verhältnisse in der Türkei.)
An die SZ-Online-Redaktion: Ich finde es nicht gut, dass Sie Artikel auf mehrere Seiten verteilen und diese mit Bemerkungen wie "Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie/ warum/ was...." miteinander verbinden. Das erinnert mich ans Prvatfernsehen: "Gleich geht's weiter!". Bei ZEIT-Online kann man übrigens anklicken, wenn man einen Artikel auf einer Seite lesen möchte. Was spricht hier dagegen?
Mit freundlichen Grüßen
Vorweg: Ich habe die beschriebene Tour in der anderen Richtung, also von San Pedro de Atacama nach Uyuni im Juli 2007 gemacht - Ich weiß also wovon ich rede.
Natürlich war diese Tour abenteuerlich - aber keineswegs lebensgefährlich. Wie überall in Südamerika sollte man sein Transportmittel oder Reiseunternehmen mit viel Bedacht wählen - Fahrer und Fahrezeug sollte man sich vorher genau anschauen - wer soetwas nicht macht, braucht danach keine angstgefüllten Reiseberichte schreiben sondern sollte lieber mal einen Einstiegsreiseführer lesen um sich den regionalen Gegebenheiten anpassen zu können.
Aus diesem Reiseführer könnte man dann auch den Hinweis entnehmen, dass die Tour durch die Salar de Uyuni nur mit polartauglichem Schlafsack angetreten werden sollte, das hätte die bibbernde erste Nacht erspart. Und vor allem hätte man dann auch Zeit gehabt die schönheit der Natur wirklich zu genießen - und die Liebe der Bolivianer zu ihren Anden zu erleben.
Ich habe die Bolivianer ganz und gar nicht als unsozial erlebt. Überall sind wir freundlich aufgenommen worden, gerade auch in den ärmsten Andenregionen. Unser Fahrer, der die Uyunitour mit seiner Frau als Köchin bestritt, saß jeden Abend mit uns am Feuer oder Ofen um sich über Gott und die Welt mit uns zu unterhalten.
All das hätte man erleben können - und selbst wenn man auf Grund der schlechten Auswahl des Reiseunternehmens soviel Pech hatte, dann hätte man doch nicht gleich die ganze Gegen zerreißen müssen.
Aber wer in San Pedro nicht in der Lage ist Einheimische zu treffen (die es auf jeden Fall gibt, bei zugegebner Maßen vielen Touristen) oder günstig zu Essen der erscheint mir eh nicht prädestiniert dafür über Reisen in Lateinamerika zu schreiben.
Am traurigsten macht mich aber, als treuen SZ Leser, dass so ein unterirdische Qualität unter dem SZ Label veröffentlich wird!