Von Antje Weber

Nur weg aus dem kalten Hochland Boliviens, hin zu tieferen Lagen, wo das Klima milder ist und sogar Wein reift. Doch dann stoppt eine Straßensperre den Nachtbus.

Im Grunde war die Idee, nach Tarija zu fahren, ziemlich unausgegoren. Tarija - eine verschlafene Provinzstadt im Süden Boliviens, eine Stadt, die kaum ein Tourist besucht, der nicht über die nahe Grenze nach Argentinien weiterreisen will.

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Warum also Tarija? Ganz einfach: weil es im Hochland in La Paz und Potosí scheußlich kalt war. In Tarija dagegen herrscht mildes Klima; guten Wein sollte es dort geben und vorzügliche Steaks.

Doch der Weg zum Wein war weit, sehr weit. Nur Nachtbusse fahren von Potosí nach Tarija. Laut Reiseführer brauchen sie zwölf bis 15 Stunden. Als wir allerdings mit Rucksack und Ticket abends am Busbahnhof stehen, inmitten von Menschentrauben, Gepäckbergen und Duftschwaden pinkelnder Hunde, winkt die Busangestellte nur ab: "Heute geht gar nichts. Der Bus ist wegen einer Straßenblockade gar nicht angekommen."

Also noch ein Tag im über 4000 Meter hohen, kalten Potosí, in dem Luxusgüter wie Heizungen rar sind: Kälte hält man hier einfach aus, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel die Knochenarbeit in den nahen Minen.

Am nächsten Abend also der zweite Versuch, das schöne Tarija anzusteuern. Unser Bus nennt sich "Semi-Cama", was nichts anderes bedeutet, als dass man den Sitz ein bisschen zurückkippen und dem hinteren Nachbarn damit direkt gegen die Kniescheibe stoßen darf - ganz abgesehen von den enorm großen Taschen, Tragetüchern, kleinen Kindern oder Hunden, die auf so einem Sitz noch Platz finden müssen.

Toiletten gibt es in einem solchen Bus natürlich nicht; gehalten wird im Schnitt alle drei Stunden, wenn sich ein paar Fahrgäste mit Taschen, Kindern und Hunden in der staubigen Mitte von Nirgendwo aus dem Bus herauszwängen und andere hinein.

Wir sind die einzigen Touristen in diesem Bus, die einzigen Weißen inmitten coca-kauender Indígenas. Ein ungewohntes Gefühl - aber wollten wir nicht genau das?

Ganz sicher jedoch wollten wir unser Gepäck nicht mitten in der Nacht ausladen und durch ein Dorf schleppen, in dem gerade Autoreifen brennen. Doch es hilft nichts: Wir sind in eine Straßenblockade geraten. Blockaden mit Reifen, Steinen und Baumstämmen gehören in Bolivien noch mehr als in Peru zum Alltag, und im immer wieder eskalierenden Konflikt zwischen dem indígenageprägten Hochland mit Präsident Evo Morales und den europäischstämmigen, reichen Tieflandbewohnern sind sie häufiger denn je.

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