Von M. Hummel

Allen betroffenen Kunden verspricht die Bahn kulante Erstattungs-Regelungen. Viele Reisende erfahren aber viel zu spät von den Fahrplanänderungen.

Nach dem Ausfall von 70 ICE-T-Zügen steht die Bahn in dieser Woche vor einer besonderen Belastungsprobe. Auf den betroffenen Strecken (siehe Grafik) müssen nach Angaben eines Sprechers zwei Drittel der Züge durch bereits überprüfte ICE-T-Fahrzeuge und Intercity-Züge mit teilweise verringertem Platzangebot ersetzt werden.

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Auf diesen Strecken müssen Bahnreisende mit Behinderungen rechnen (einfach auf die Lupe klicken). (© Grafik: SZ)

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Darüber hinaus will die Bahn weitere Züge einsetzen. Der Ersatzfahrplan soll noch bis zum kommenden Freitag gelten. Ein Drittel der Züge falle aus.

Den Fahrgästen wird deshalb empfohlen, sich vor Antritt der Reise über die Hotline der Bahn oder das Internet zu informieren. Die Züge, welche die Werkstätten nach der Überprüfung ihrer Achsen auf Risse hin wieder verlassen, würden sofort an den neuralgischen Punkten Frankfurt/Main, Berlin und Leipzig eingesetzt. Die zusätzlichen technischen Überprüfungen würden mit Hochdruck vorangetrieben. Alle verfügbaren DB-Mitarbeiter und Anlagen seien rund um die Uhr im Einsatz.

Zu Einschränkungen wird es in dieser Woche auf den Linien Hamburg-Berlin-Leipzig-München, Wiesbaden-Frankfurt-Leipzig-Dresden, Stuttgart-Singen-Zürich und Dortmund-Koblenz-Mainz-Frankfurt-Nürnberg-Passau-Wien kommen. "Wir versuchen, die Anschlüsse zu erreichen und die Reisenden nicht auf dem Bahnsteig stehenzulassen", sagte ein Sprecher.

Umtauschen oder erstatten lassen

Betroffenen Fahrgästen bietet die Bahn Kulanzregelungen an: Wer seine Reise nicht antreten konnte, kann die Fahrkarte bis zum 30. November 2008 kostenlos umtauschen oder erstatten lassen. Bei DB-Zeitkarten gibt es anteilig Geld zurück. Reservierungen, die nicht genutzt werden können, erstattet die Bahn nach eigenen Angaben ebenfalls kostenlos.

Wenn anstelle eines ICE mit einem Intercity gefahren werden musste, wird der Differenzbetrag ausgezahlt. Bei Angeboten wie den Sparpreisen, dem "Dauer-Spezial" oder bei Gruppenfahrten wird die Zugbindung aufgehoben, wenn Fahrgäste den gebuchten Zug nicht nutzen konnten.

Überfüllte Ersatzzüge

Am Wochenende verlief der Verkehr nach Angaben der Bahn weitgehend stabil, was der Fahrgastverband Pro Bahn bestätigte. Wegen der am Sonntag traditionell stärkeren Nachfrage waren die Ersatzzüge aber teilweise völlig überfüllt.

Auf der Strecke Frankfurt-Passau-Wien fuhren statt zwölf ICE-T-Zügen sechs ältere Modelle. Die übrigen seien zum Teil durch Regionalzüge ersetzt worden. Auf der Linie Hamburg-Nürnberg-München fiel jeder zweite Zug aus.

Auf der Strecke Berlin-Leipzig-München ist es laut DB zu Verspätungen bis zu einer halben Stunde gekommen, auf den Verbindungen zwischen Frankfurt/Main und Leipzig seien es bis zu 15 Minuten gewesen. Daher müssten in Leipzig Fahrgäste Richtung Dresden in einigen Fällen mit überfüllten Zügen rechnen.

Volle Bahnsteige gab es in Frankfurt und Berlin, wo nicht alle Reisenden mitgenommen werden konnten. Der übrige Fernverkehr verlaufe planmäßig. Die Fahrgäste hätten verständnisvoll reagiert und sich rechtzeitig informiert.

Kritik an Informationspraxis der Bahn

Der Fahrgastverband übte Kritik an der Informationspraxis der Bahn. Im Internet sei nicht zu erkennen, welcher Zug ausfalle und welcher neu eingesetzt werde. Und auf den Bahnhöfen habe die Bahn zwar das Personal verstärkt und sei um gezielte Durchsagen bemüht, es fehlten aber Aushänge.

Die Bahn sagt dazu, man habe die Änderungen nicht so schnell in den Internet-Auftritt einfügen können, das geschehe derzeit. Ebenso verhalte es sich mit Aushängen, die am Freitag nicht so schnell hätten gedruckt werden können. Man habe sich mit handschriftlichen Informationen beholfen.

Für telefonische Informationen ist rund um die Uhr eine kostenlose Service-Hotline unter 08000 99 66 33 geschaltet. Kunden aus dem Ausland können sich bei der Service-Hotline +49 1805 33 44 44 informieren. Im Internet sind Angaben über geänderte Fahrpläne und Ersatzzüge unter www.bahn.de/aktuell zu finden unter der Rubrik "ICE-Überprüfung".

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(SZ vom 27.10.2008/dd)