Sie gab Stamm fast 70 Jahre nach Simenon Anstoß für seinen Roman "Ungefähre Landschaft", der ein großartiges Bild liefert von der Trostlosigkeit, welche die scheinbar endlose Polarnacht in den Menschen hervorruft. Sie ist der Schauplatz für den norwegischen Klassiker "Die Lofotfischer", Johan Bojers autobiographische, von hartem Realismus und zärtlicher Nostalgie zugleich erfüllte Liebeserklärung an die Lofoten, wo er als junger Mann die Hölle der Winterfischerei im 19. Jahrhundert durchlebte.
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(© Grafik: SZ)
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Vielleicht tut man Simenon Unrecht, wenn man behauptet, ihn habe diese Landschaft kaltgelassen. Doch es ist klar, dass der Mensch ihn ungleich mehr interessierte - 1932 hatte er seinem entsetzten Verleger erklärt, von nun an keinen der unwahrscheinlich erfolgreichen Maigret-Krimis mehr zu schreiben, sondern sich auf ernsthafte Romane zu konzentrieren, in denen er das wahre Wesen des "nackten Menschen" ergründen wollte.
Thema und Szenerie, das gab er offen zu, interessierten ihn dabei nicht, jede Geschichte hätte an fast jedem Ort der Welt spielen können. Seine frühen Abenteuergeschichten hatte er mit dem Larousse neben der Schreibmaschine verfasst; die kurzen Lexikoneinträge genügten ihm als Recherche über Land und Leute.
Und so wie der Autor haben auch seine Polarlys-Passagiere keinen Blick für die Schönheit Nordnorwegens. Zu beschäftigt sind sie, mit dem Mord, miteinander und mit sich selbst. Die Landschaft, die es vermag, Passagiere stundenlang verzückt auf dem Panoramadeck ausharren zu lassen, lässt Simenon höchstens als stimmungsverstärkende Kulisse dienen.
"Gemütskrank" könne sie einen machen, schreibt er einmal aus der Sicht Kapitän Petersens; ansonsten liegt die Landschaft ebenso im Ungefähren wie die Hintergründe des Mordfalls in Kabine18.
Allein die Lofotfischer beschreibt Simenon eindrücklich: "Unförmige Gestalten", die, in vier oder fünf Schichten Kleidung gehüllt, ihre Netze auf dick vereiste Fischkutter ziehen und die später im Gewimmel und im penetranten Geruch der Fischerdörfer auf den Lofoten "glitschige Stapel von Kabeljau" aufschichten. "Das war bunt, das war lebhaft, aber nicht hektisch. Es war fröhlich, aber mit einem Bodensatz nordischer Schwere."
Offensichtlich vermochten von allen Sinnesreizen auf einer Schiffsfahrt entlang der Küste Norwegens nur die Lofotfischer den Schriftsteller zu beeindrucken. Jedenfalls befand er nicht viel anderes für würdig, es in seinem "Polarlys"-Roman zu verewigen.
Der Mordfall klärt sich schließlich in Honningsvåg auf, und das eher durch Zufall als dank der Ermittlungen Kapitän Petersens. Der ist froh, nun endlich zum geregelten Tagesablauf an Bord zurückkehren zu können. Honningsvåg, zwischen Hammerfest und Kirkenes gelegen, ist ein bedeutender Fischereihafen und das Tor zur Barentssee.
Dreieinhalb Stunden hat die Crew zum Be- und Entladen, dreieinhalb Stunden haben das dänische Ehepaar, die englischen Junggesellinnen und der deutsche Besserwisser, durch das Städtchen zu spazieren, in dem es außer dem Nordkap-Museum nicht viel zu sehen gibt. Danach geht die Fahrt weiter.
Damals wie heute, plangemäß, jeden Tag zur gleichen Zeit.
Informationen
Anreise: Direktflug nach Bergen von Frankfurt mit Lufthansa ab 165 Euro. Von München über Amsterdam mit KLM ab 210 Euro. Alternativ: Flug nach Oslo (mit Lufthansa direkt von Frankfurt ab 165 Euro, von München ab 240 Euro) und landschaftlich reizvoll weiter mit der Bergenbahn nach Bergen, ab 199 NOK (ca. 22 Euro, einfache Fahrt).
Pauschalen: 12-tägige Reise Bergen-Kirkenes-Bergen ab 1635 Euro, Abfahrt täglich. 15-tägige Themenreise Literatur Kiel-Kirkenes-Kiel (mehrere Lesungen ortsbezogener Literatur an Bord) ab 2595 Euro pro Person, Vollpension, Zwei-Bett-Innenkabine.
Abfahrt: 5. Oktober 2009
Literatur: Georges Simenon: "Der Passagier der Polarlys". Diogenes 1986 (Original: "Le Passager du Polarlys". Fayard 1932). Nur noch im Antiquariat erhältlich.
Weitere Informationen: Hurtigruten GmbH, Kleine Johannisstraße 10, 20457 Hamburg, Tel.: 040/37 69 30, Fax: 040/36 41 77, info@hurtigruten.de
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(SZ vom 3.9.2009/kaeb)
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