In Eile schrieb der 1903 geborene Lokalreporter von Mitte der zwanziger Jahre an seine Bücher, getrieben, gehetzt gar, zeitweise jede Woche eins. In den 50 Jahren seines literarischen Schaffens brachte er es schließlich auf mehr als 500 Werke - "ich bin ein Literaturarbeiter", sagte er einmal.

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Der belgische Schriftsteller Georges Simenon (undatiertes Archivfoto), Autor hunderter Romane mit Milliardenauflage, rasender Reporter, Frauenheld und Weltreisender starb vor 20 Jahren am 4. September 1989 im schweizerischen Lausanne. (zu (© Foto: dpa)

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Schöne Worte und Phrasen waren ihm zuwider; für seine schnörkellose Sprache wurde er von den einen zu den größten Autoren seiner Zeit gezählt, andere sagten ihm Nachlässigkeit nach.

Eher nebenbei machte ihn seine Produktivität schon um 1930 zu einem der meistgelesenen Krimiautoren Europas. Simenon selbst dachte in anderen Kategorien. Er schrieb, um sich den Lebensstandard leisten zu können, den er für angemessen hielt: nach einem Jahr ein eigener Wagen mit Chauffeur, nach zweien die erste Yacht.

1929 ließ er ein zweites Boot bauen, die Ostrogoth, auf der er in den kommenden drei Jahren Europa bereiste und Bücher schrieb. Auch die norwegische Küste soll er mit dem kleinen Boot hinaufgefahren sein; ob er auch auf der damaligen Polarlys reiste, lässt sich heute kaum mehr nachvollziehen.

Der Komfort an Bord, wie er ihn in "Der Passagier der Polarlys" beschreibt, wird ihm gelegen haben: die Kapitänsdinner, der Whisky im Rauchsalon, die Gesellschaft junger Damen wie Katia, die in Aufreizendes gehüllt mit den Mitreisenden flirten.

Auf der heutigen, der dritten Polarlys, hätte sich Simenon, der Lebemann, Trinker und Frauenheld, wohl zu Tode gelangweilt. Heute trinkt man sein Bier im familienfreundlichen Bistro, zum Rauchen geht man aufs Außendeck.

Für eine Kriminalgeschichte wie jene Simenons, die filmnoirgleich zwischen Klasse und Klischee changiert, wären auch die heute auf der Reise gebotenen Zerstreuungen wohl kaum ein angemessener Rahmen. Bei Nils Urban Erickson, dem Bordkommunikator, kann man Ausflüge buchen und sich dann zum Beispiel wie das dänische Ehepaar, in wollene Umhänge gehüllt, bei einem Wikingerspektakel auf den Lofoten wiederfinden.

Interessierte führt Nils auch auf die Brücke, zum Kapitän, der Kjell Inge Jensen heißt, mindestens so verschlossen ist wie Simenons Petersen und noch schweigsamer als die Landschaft, die er von seinem Steuersitz aus sehen kann. Auf festlichen Dinnern, wie sie Petersen allabendlich mit seinen rätselhaften Passagieren einnimmt, würde er sich wohl mehr als fehl am Platze fühlen.

Kapitän Jensen ist mit seinen Offizieren in einer Ecke des gemütlichen Speisesaals zu finden, etwas abseits der Passagiere, die hin und wieder verstohlen nach den respekteinflößenden Uniformen schielen.

Die wahre Attraktion auf einer Hurtigruten-Reise ist die Landschaft. Die Route führt durch die Fjorde und Schären Norwegens. Wer aus dem Fenster blickt - und das tun die meisten Passagiere viele Stunden am Tag - entdeckt zwar nur wenig Abwechslungsreiches, und das in großen zeitlichen Abständen: Fjordöffnungen ziehen vorbei, eine Möwe schlägt träge die Flügel, eine Boje schaukelt auf den sanften Wellen, hin und wieder liegen farbenfrohe Häuschen an einem Ufer verstreut wie willkürlich dahingeworfene bunte Würfel.

Doch gerade in dieser Eintönigkeit der "tageweiten, verlassenen Landschaft", wie sie der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm nannte, liegt der Reiz: Im Gegensatz zum Schiffspersonal vergisst der Passagier bald die Zeit.

Die Umgebung ist wie geschaffen als Refugium für Schriftsteller; sie ist inspirierend, wie es nur eine Landschaft sein kann, die überirdische Schönheit mit einer Ahnung von Unheil vereint.

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  1. Mord an Bord
  2. Sie lesen jetzt Bier statt Whisky, und zum Rauchen nach draußen
  3. Hölle der Winterfischerei
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