In seiner letzten Kolumne beschäftigt sich unser Autor mit der Frage nach dem richtigen Satz zum Abschied. Und plädiert für einen Schnaps zu dieser Gelegenheit.
In Kyoto, so erzählt man sich, gibt es ein sagenhaftes Hotel, das jeder ernsthafte Hotelgenießer besucht haben muss, bevor sein Eintrag im Gästebuch des Lebens wieder verblasst. Es soll luxuriös sein, ohne einen einzigen Kronleuchter zu haben, perfekten Service bieten, ohne dass man je einem Angestellten einen Auftrag geben muss, es soll vollkommen riechen, schmecken und fühlen, so schwärmen all jene, die schon mal dort waren.
In einem wunderbaren Hotel in Japan soll es speziell geschultes Personal für die Gästeverabschiedung geben - das wird wohl eine Ausnahme bleiben. (© Foto: iStock)
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Wenn man diesen Olymp der Gastlichkeit wieder verlässt, tritt eigens zu diesem Zweck anwesendes Winkpersonal mit dem Gast vor die Tür, verabschiedet sich in vollendeter Form und - winkt. Ein märchenhaftes Winken muss das sein, grazil und herzlich und voller Restwärme für den Scheidenden. Die Angestellten sind gehalten, fünf Minuten zu winken. Auch wenn der Gast nach dreißig Sekunden mit dem Taxi um die Ecke biegt, winken sie diese fünf Minuten hinter ihm her. Traumhaft, oder? Kann man sich ein sanfteres Entschwinden vorstellen?
Jenseits von Kyoto freilich ist das Abschiednehmen dem banalen Auschecken gewichen. Es beginnt stets mit der schwierigen Frage, ob man es schafft, vor der knallharten Check-out-Uhrzeit zu frühstücken und danach noch mal auf dem Zimmer die Zähne zu putzen - ohne dass dort schon die Staubsauger-Patrouille rumsteht. Meistens schafft man es.
Was sagt man am Ende?
Was sich hingegen schwieriger darstellt, ist ein angemessener Dialog mit den Menschen an der Rezeption. Als leicht sentimentaler Gast möchte man doch gerne ein bisschen Extra-Aufmerksamkeit zum Abschied, es muss ja nicht gleich Winken sein. Aber so ein klitzekleines Bedauern, wäre das nicht drin?
Was sagt man also, um sein bevorstehendes Nicht-Dasein stilvoll anzudeuten? "Ich checke aus." klingt wirklich seltsam, als wäre man eine Rakete, die im Frachtterminal abgefertigt wird.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie das Personal an der Rezeption dem Hotelgast die Verabschiedung leichter machen könnte.
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Träumen, planen, reisen
Lieber Herr Scharnigg,
lassen Sie sich nichts einreden ;-) Ich fand Ihre Serie extrem unterhaltsam, meine Kollegin und ich haben zum Teil Tränen gelacht!! Wir hätten uns über eine Fortsetzung sehr gefreut, hat es uns doch so manchen Arbeitstag versüsst...
LG
macht mir da keine Probleme, ein neutral-freundlich-knappes:"Ich hätt dann gern meine Rechnung bittschön" oder etwas ähnliche in Englisch oder Italienisch (mehr kann ich nicht bieten) und das war's dann.
Man meint ja der Autor reisst sich von seiner geliebten Frau los um in den Krieg zu ziehen oder zumindest als Einhandsegler Kap Horn zu umrunden. Ob die Herrschaften im Hotel mir jetzt nachtrauern ist mir auch egal, im Zweifel ist's dem Personal doch auch Wurscht wenn der Geizhals von 307 auszieht (hauptsache er hat bezahlt und der Fernseher steht noch auf dem Zimmer).
Aber wenn man seine Wochenenden liebsten in interessanten Hotelzimmern mit Bad oder Dusche verbringt und vom Verfassen derartig komischer Artikel für die SZ leben muss sieht man das vielleicht anders, verklärt eben.
Letzter Artikel? Ich nehm Sie beim Wort ;-)
... die mir viel Spaß gemacht hat und endete, wie der Verfasser ein typisches Auschecken beschreibt: Ein bißchen holprig und orientierungslos.
Aber das Tawaraya-Ryokan scheint es nicht zu sein:
http://www.travelintelligence.com/hotels/1529/Asia/Japan/Kansai/Kyoto/Nakagyo-ku/Tawaraya-Ryokan-hotel/review.html
"Wink-Personal" - Cooler Beruf.