Skigebiet Hochkönig Currys und Klassiker

Mit sportlichen Herausforderungen allein kann man heutzutage keine Besucher mehr anlocken. Die Gastgeber der Region Hochkönig setzen auf hochwertige Produkte. Die Strategie zahlt sich aus.

Von Katja Riedel

Der Hochkönig ist ein schroffer Fels, es ist der südlichste Berg der Berchtesgadener Alpen. Ein eher harter Klotz, der romantisch leuchten kann, wenn ihn die Sonne anstrahlt. Er prägt die Gegend um die Gemeinden Maria Alm, Dienten und Mühlbach, und weil es so schön passt, heißt die ganze Region nach ihm. Die royalen Insignien Krone und Thron passen auch gut zu jenem eher hochwertigen Tourismuskonzept, mit dem die Region im Salzburger Land punkten will. Und dieses dreht sich nicht nur um Skifahren im Winter und Wandern im Sommer, es dreht sich um die fünf Sinne und um den Genuss.

Seit das Skifahren beim Nachwuchs an Attraktivität eingebüßt hat und die Besucherzahlen stagnieren, reicht es nicht mehr, als Ferienregion nur mit den steilsten und längsten Pisten zu werben. Seither geht es stärker um das Drumherum. Beim Hochkönig gehört zu diesem Drumherum eine Sage. Denn unter dem Gletscherrest liegt jener Sage zufolge die "Übergossene Alm" verborgen. Einst sollen die Bewohner dieser Alm so wohlhabend und die Alm so nahrhaft gewesen sein, dass sie die Wege mit Käserädern pflasterten und die Fugen mit Butter abdichteten, die Kühe sollen goldene Hornüberzüge und silberne Glocken getragen haben. Doch der Wohlstand stieg den Bewohnern offenbar zu Kopf, jedenfalls zeigten sie sich gegenüber Fremden knauserig. Die Rache des Berggeists folgte auf dem Fuß, und die einst so fruchtbare Alm verschwand unter einer gewaltigen Haube aus Schnee und Eis. Ein Mythos, der sich in der sogenannten kleinen Eiszeit des Mittelalters zwischen 1500 und 1850 gebildet haben dürfte. Heute ist der Gletscher nur noch rudimentär vorhanden.

Genuss im Gebirge: Dessert in der Tiergartenalm.

(Foto: Katja Riedel)

Käseräder und Buttertöpfe haben sich die heutigen Bewohner, zumal die Gastronomen unter ihnen, jedoch erhalten. Und sie knausern nicht damit, sondern bieten allerhand kalorienreiche Leckereien auf ihren Hütten und Sonnenterrassen an. Drei besonders zertifizierte Genusshütten gibt es im Skigebiet Hochkönig, in denen je drei offene österreichische Weine serviert werden müssen, es keine Selbstbedienungstabletts gibt und auf der Karte regionale Speisen aus ebenso regionaler Produktion stehen müssen. Ganz billig ist das nicht, aber Hochkönig versteht sich auch als Region, in der die Gäste sich das Wohlfühlen durchaus etwas kosten lassen. Hüttenwirte haben zuletzt stark investiert. In An- und Umbauten, in neue Speisekarten, auf denen auch Thaicurrys, Salate und Filets stehen, neben den Hüttenklassikern rund um das Thema Bratwurst, Spaghetti und frittierte Kartoffelstäbchen.

Auch im Tal haben sich die Hoteliers an diese Ausrichtung angepasst. Etwa in Maria Alm, wo die Wirtsfamilie das Traditionshotel Eder samt Wellnessbereich auf hochmodernes Vier-Sterne-Niveau umgerüstet hat. Altholz, Felle, Leder, Stein und Glas sind die Grundmaterialien, die in dem renovierten Hotel verbaut sind. Der Pool ist 25 Meter lang, ein Glastunnel führt durch den Speisesaal, und wer den Kopf kurz vor der Wende nach rechts dreht, kann draußen gegen Abend goldbraune Hendl beim Dauerdrehen im Grill bewundern. Ein Gefühl, als sei der Hotelgast ein Fisch im Aquarium (Zimmer ab 109 Euro, sieben Kategorien, es gibt aber auch verschiedene Pauschalen zu allen Jahreszeiten).

Auf der Piste, in der Loipe Die aktuellen Schneehöhen in den Alpen bei Schneehoehen.de.

Wer als Tagesfahrt von München aus eine Tour zum Hochkönig plant, sollte reichlich Fahrzeit einkalkulieren - etwas mehr als zwei Stunden dauert die Anreise, die über Siegsdorf auf Bundesstraßen führt. Bergblicke und Pisten, die selbst bei absoluter Schneearmut noch gut befahrbar bleiben, lohnen sich aber. Auch, wenn die Umweltbilanz eines solchen Tagestrips natürlich mindestens fragwürdig ist.

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