Von Stefan Ulrich

Wer einen Urlaub an der Küste Italiens plant, sollte sich nicht nur auf Hitzestiche einstellen: Giftige Algen und Quallen vermiesen den Sprung ins ohnehin zu warme Wasser.

Danilo besitzt eine Oase im Viertel. Leise summen die Klimageräte in seinem Friseursalon und verströmen Kühle. Der Raum ist überfüllt mit Kunden. Wer hier warten darf, der wartet gerne in diesen Wochen des Gran caldo, der großen Hitze in Rom.

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"Wir lieben ja die Sommerwärme, aber das hier ist wirklich zu viel", seufzt eine Römerin im korrekten Kostüm. Seit allzu langer Zeit steigt das Thermometer Tag für Tag auf 35, 36, 37 Grad; in anderen Städten, Mailand zum Beispiel, ist es noch schlimmer.

"Da draußen ist Afrika"

Die Temperaturen lägen deutlich über der Norm, melden die Meteorologen. Auch die Nächte kühlen nicht ab. Regen bleibt aus, Flüsse versiegen, die Landwirtschaft darbt.

Danilo, der Friseur, tritt kurz hinaus auf die Via San Lucio, schnappt nach Luft, kehrt zurück, schüttelt den Kopf: "Da draußen ist Afrika."

Eigentlich könnten die Römer ja ans Meer fahren, um sich zu erfrischen, es ist nur eine halbe Autostunde entfernt. Doch auch das Meer fiebert. Sein Wasser ist drei bis vier Grad wärmer als um diese Jahreszeit üblich.

Vor der Küste Latiums hat es 28 Grad, zwischen Sizilien und Sardinien stellenweise 30 Grad - mit steigender Tendenz und hässlichen Folgen. Schaumiger Algenschleim und Quallen suchen etliche Strände heim und verschrecken die Besucher.

In Fregene etwa, dem trendigen Seebad der jungen Römer mit seinen Boutiquen, Fischlokalen und Beach-Diskotheken ist die Zahl der Strandgäste in dieser Woche abrupt um 40 Prozent eingebrochen.

Wo normalerweise schon mittags kaum noch ein Plätzchen im "Gilda on the Beach" und den anderen Strandbädern zu finden ist, sind nun viele Liegestühle aufeinandergestapelt und die Sonnenschirme eingeklappt. "Keiner will noch schwimmen, und alle reden nur noch von den Killeralgen", klagt der Besitzer einer Badeanstalt.

Achille Serra, der Präfekt von Rom, meint: "Den ganzen August wird man nicht baden können." So werde die Saison der Perle an Latiums Küste, wie sich Fregene gerne rühmt, zerstört. Etlichen anderen Badeorten geht es nicht besser. Der wirtschaftliche Schaden ist groß.

Auf zu fernen Ufern!

Um die Tourismuswirtschaft bangt denn auch Mario Canapini, der Bürgermeister der Gemeinde Fiumicino, zu der Fregene gehört. Am Donnerstag musste er das Badeverbot an seiner Küste von sieben auf neun Kilometer ausweiten.

Dabei hat der Christdemokrat sich zunächst energisch gegen eine Sperrung gestemmt und sich ein kurioses Gerangel mit der links regierten Region Latium geliefert. Die Folge: Wegen sich widersprechender Verschmutzungs-Daten wurde zunächst vor zwei Wochen ein Verbot verhängt, dann wieder aufgehoben und Anfang der Woche erneut eingeführt.

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