Heimlicher Dorf-Nachbau in China "Es ist alles ein bisschen skurril"

Chinesische Touristen machten besonders eifrig Fotos im Alpen-Idyll Hallstatt und notierten sich sogar die Maße der Balkone - bis die Einwohner und Bürgermeister Alexander Scheutz misstrauisch wurden. Und tatsächlich: In der wohlhabenden Provinz Guangdong entsteht eine exakte Kopie des Ortes.

Interview: Thomas Körbel

Alexander Scheutz hat das Privileg, Bürgermeister des Alpenland-Idylls Hallstatt zu sein, das zum Weltkulturerbe der Unesco zählt. Doch nun hat er herausgefunden, dass ein chinesisches Bauunternehmen den österreichischen 800-Seelen-Ort Hallstatt samt dem Hallstättersee nachbauen will - und dafür offensichtlich heimlich sein Dorf vermessen hat. In der wohlhabenden Provinz Guangdong soll eine exakte Kopie des Ortes entstehen.

Ein Dorf ist süß-sauer

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SZ: Herr Scheutz, die Chinesen haben Hallstatt ausspioniert. Sind Sie sauer?

Alexander Scheutz: Nein, nur überrascht, dass die Planungen hinter unserem Rücken liefen. Die Chinesen haben mich zwar vor einem Monat angesprochen aber ich wusste nicht, dass ihr Projekt schon so weit fortgeschritten ist.

SZ: Wie haben Sie davon erfahren?

Scheutz: Eine Hallstätter Hotelbesitzerin hatte vor 14 Tagen eine Chinesin zu Gast, die ununterbrochen an ihrem Laptop gearbeitet hat. Einmal hat sie die Frau darauf angesprochen, warum sie denn im Urlaub so viel arbeiten müsse. Die meinte: Ah, das mache ich gerne und es betrifft auch Hallstatt. Dann hat sie ihr ganz detaillierte Pläne des Ortes gezeigt. Vom Marktplatz und von ihrem Hotel. Die Maße der Häuser und selbst der Balkone waren dort angegeben. Die Hallstätterin war schockiert, hat heimlich die Daten kopiert und ist damit gleich zu mir gekommen.

SZ: Heimlich?

Scheutz: Ja, sie hat die Chinesin gefragt, ob sie sich die Bilder mal auf dem PC anschauen darf. Die Chinesin hat ihr einen USB-Stick gegeben, den sie dann sofort kopiert hat.

SZ: Ganz schön ungeschickt von der Chinesin.

Scheutz: Ja, es ist alles ein bisschen skurril. Das ist so dilettantisch, dass man meint, dahinter könnte Absicht stecken.