Einen Tag vor dem Treffen mit dem Kurdenführer Ali Bapir kam es mit seinem Sekretär Mostafa zu folgendem Dialog: "Welche Zimmernummer hat Ali Bapir?" - "Room number nine eleven." - "Which number?" - "Nine eleven!" In Mostafas braunen Augen war kein Zwinkern, kein Aufleuchten zu erkennen. Nicht eine sichtbare Regung oberhalb seines buschigen schwarzen Bartes.

SZ Magazin

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Das "Grand Hotel Azadi" in Teheran ist das beste Haus am Platz. Hier residierten Joschka Fischer und die deutsche Nationalmannschaft. Heute treffen sich dort radikale Palästinenser, chinesische Geschäftsleute und getarnte Prostituierte. Ein Besuch im Krisenzentrum des Iran.
Von Martin Ebbing

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Im Hotel "Azadi" im Norden Teherans findet die alljährliche Konferenz "zur Unterstützung des Befreiungskampfes Palästinas" statt. Ein Treffen für Kämpfer der palästinensischen Sache aus aller Welt, um Kontakte zu knüpfen, Gedanken auszutauschen. Und für den Iran regelmäßig eine gute Gelegenheit, sich als eine der führenden islamischen Nationen im Nahen und Mittleren Osten zu profilieren.

Karwatten sind verpönt

Mostafa erscheint zum verabredeten Zeitpunkt in der Lobby. Im Hotelcafé sitzt Leila Khaled, zusammen mit zwei Afrikanern. Leila Khaled entführte 1969 eine Linienmaschine auf dem Weg von Rom nach Athen, ihre zweite Flugzeugentführung scheiterte 1970. Sie gilt als Heldin der palästinensischen Befreiungsbewegung.

Khaled und ihre Begleiter sitzen auf den grünen Sesseln, dem Bereich, der für Raucher reserviert ist. Die Decken der Hotellobby verzieren längliche Ornamente, die daran erinnern, dass man sich trotz der Marmorvertäfelung und Spiegelsäulen im Orient befindet. Geübte Augen hätten das auch an den weit offen stehenden Hemden der Kellner erkannt, denn Krawatten sind hier inzwischen verpönt.

Auch Ali Bapir ist zu dem Kongress eingeladen und Mostafa geleitet den Reporter in den neunten Stock. Ali Bapirs Sekretär hat ein gutes Jahr in Mannheim gewohnt, bevor die Behörden seinen Asylantrag ablehnten und ihn abschoben. Doch seine Sprachkenntnisse sind gut genug, dass er den Reporter gestern als Deutschen erkannte: Er lud ihn kurzerhand zu seinem Chef ein.

"Nine eleven" ist nur der Warteraum. Ali Bapir, ein kleiner gedrungener Mann mit freundlichem Blick, empfängt seine Gäste in 912. Das Zimmer ist für seine Größe spärlich möbliert: ein Doppelbett, eine Anrichte aus dunklem Holz, auf der ein Fernseher thront.

Al-Jazeera meldet soeben den Durchbruch bei den Verhandlungen über die Bildung einer Regierung in Bagdad. Im Hintergrund eine Sitzgruppe in gedecktem Erdbeerrot, farblich passend zum abgenutzten Teppichboden.

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