Gorongosa-Nationalpark in Mosambik Der Gärtner von Eden

Im Bürgerkrieg gingen hungrige Soldaten im Gorongosa-Nationalpark auf die Jagd, Landminen zerrissen viele Tiere. Nun baut ein Millionär den Park wieder auf - und setzt auf Tourismus zum Schutz der Artenvielfalt.

Von Florian Sanktjohanser

Als die Elefantenkuh sich umdreht und auf den Geländewagen zutrampelt, erstarren die Touristen. Das mächtige Tier flappt mit den Ohren, richtet den Oberkörper auf, trompetet. "Die Matriarchin", flüstert José Montinho. "Sie deckt der Herde mit den Kälbern den Rücken." Der jungenhafte Safariguide blickt sich nach einem Fluchtweg um. Die Elefantin mustert den Wagen argwöhnisch, schnaubt, hebt drohend den Rüssel. Ein, zwei lange Minuten vergehen, keiner im Auto bewegt sich. Schließlich dreht sie ab und trottet zurück zu ihrer Herde, die vor der untergehenden Sonne in den Wald wandert.

Menschen in Autos bedeuten den Tod. Dieser Reflex sitzt immer noch tief in den Elefanten des Gorongosa-Nationalparks, 20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs in Mosambik. Die alten Tiere sind traumatisiert vom großen Schlachten, dem 95 Prozent der Elefanten im Park zum Opfer fielen. Und sie geben ihre Furcht und Aggression an die Jungen weiter. Es ist ein langer Weg zurück in die glorreiche Vergangenheit des Parks.

Der Gorongosa-Nationalpark im Herzen Mosambiks wurde 1960 von den portugiesischen Kolonialherren gegründet. In seiner Glanzzeit in den 1970er Jahren galt er als einer der schönsten Wildparks des südlichen Afrikas. Alte Fotos zeigen Zebras und Gnus in der Savanne, einen Fluss voller Hippos, Büffel- und Elefantenherden, große Löwenrudel. 20 000 Touristen kamen pro Jahr, sie wohnten in modernen Bungalows im Chitengo Camp, sonnten sich am Pool und gingen in VW-Bussen auf Pirschfahrt. Dann kam der Krieg.

Die antikommunistischen Rebellen der Renamo verschanzten sich in den Wäldern und schlugen hier eines ihrer Hauptquartiere auf, Casa Banana. Die hungrigen Soldaten schossen die Wildtiere, um ihr Fleisch zu essen. Das Elfenbein verkauften sie, um davon neue Waffen und Munition zu besorgen. Landminen zerrissen viele Tiere. 1985 eroberten die Truppen der sozialistischen Regierung das Lager. Doch das Schlachten der Tiere ging weiter.

Bauern, deren Felder vermint waren, flüchteten in den Nationalpark und jagten dort zusammen mit professionellen Wilderern. Als man 1994, zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs, die Bestände zählte, hatten von 3000 Zebras 65 das Gemetzel überlebt, von einst 2200 Elefanten blieben noch 108 übrig. Die 14.000 Büffel, die noch 1972 im Park ästen, waren komplett ausgerottet, ebenso die 5500 Gnus und die 3000 Flusspferde. Das letzte Nashorn starb bereits in den 1970ern.

"Als ich 2004 das erste Mal hierher kam, sah ich kaum Tiere", erzählt Greg Carr beim Abendessen im wieder aufgebauten Chitengo Camp, "vielleicht ein paar Warzenschweine." Der große Mäzen des Parks, geboren 1959 in Idaho als letztes von sieben Kindern, trägt Dreitagebart, Poloshirt und Kakihose. Auf seinem Konto liegen Hunderte Millionen Dollar. Carr hat ein Vermögen mit Telefon- und Internetfirmen gemacht. Als er 1998 seine Anteile verkauft hatte, gründete er ein Museum, einen Friedenspark und ein Forschungszentrum für Menschenrechte in Harvard. Dann fand er sein Lebensthema: den Kampf gegen das Artensterben.

In New York lernte Carr Mosambiks UN-Botschafter kennen, der ihn in sein Heimatland einlud. "Ich dachte: Welche Stärke hat Mosambik?", erzählt er. "Ich kam auf Ökotourismus." Carr flog alle Nationalparks des Landes ab. Als er über die Palmwälder, die Savannen, die Flüsse und Seen des Gorongosa schwebte, wusste er, dass er den richtigen Ort gefunden hatte. "Die Leute rieten mir ab", erinnert sich Carr, "sie sagten: Es ist alles zerstört. Aber die Mosambikaner lieben diesen Park, sie wollten ihn wieder aufbauen. Sie brauchten nur Geld."