Golf von Mexiko Ölpest kein Grund für Reisestorno - noch

Wer wegen des Ölteppichs seinen Strandurlaub in den USA absagen möchte, sollte die Stornoregeln kennen - sonst wird es teuer.

Noch ist der größer werdende Ölteppich im Golf von Mexiko kein hinreichender Grund, von seiner USA-Reise zurückzutreten. Laut Reiserechtler Professor Ernst Führich könnte etwa Angst vor höherer Gewalt nicht als Grund angeführt werden, jetzt einen Urlaub nach Florida gebührenfrei stornieren oder umbuchen zu dürfen. Individualreisende, die ihren Aufenthalt nicht über Reiseveranstalter gebucht haben, könnten bei einer Absage sowieso nur auf die Kulanz der jeweiligen Hoteliers hoffen, erklärte der Experte der Hochschule Kempten. Die großen Reiseveranstalter sehen derzeit keine Einschränkungen für ihre Gäste.

Der Ölteppich ist aus Sicht von US-Präsident Barack Obama zwar eine "massive und möglicherweise noch nie dagewesene Naturkatastrophe". Um als Pauschalurlauber eine Reise kostenlos stornieren zu dürfen, müsse es jedoch eine erhebliche Gefahr für die Erbringung der Reiseleistung oder für Leib und Leben des Reisenden geben, sagte Führich: "Beides kann ich im Moment noch nicht sehen." Wer jetzt seinen Sommerurlaub an den Stränden West-Floridas absagen möchte, müsse mit den normalen Stornoregeln der Veranstalter leben. Diese sähen in der Regel vor, dass Gäste bei einem Rückzieher bis einen Monat vor Reiseantritt ihre Anzahlung von 20 Prozent verlieren.

Dass USA-Reisen aufgrund des Ölteppichs kostenlos gekündigt werden könnten, hält Führich grundsätzlich allerdings für möglich: "Man muss nicht warten, bis die ganze Küste da vollgeschwemmt ist, sondern es reicht dazu eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 25 Prozent." Wann das an den Badezielen der Veranstalter der Fall sein wird, lasse sich im Moment allerdings noch nicht sagen. Und außerdem müsse es ja eine erhebliche Beeinträchtigung der Reiseleistung geben. Hier komme es auf die genauen Umstände im Einzelfall an: Viele Gäste könnten von den Veranstaltern darauf verwiesen werden, dass es neben den Stränden in den USA noch viele andere Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung gibt. Auch hier gebe es aber Grenzen, sagte Führich: "Wer absoluter Badefan ist, kann nicht dazu gezwungen werden, Golf zu spielen."

Führende deutsche Reiseveranstalter beobachten derweil die Entwicklung im Golf von Mexiko. "Unser Krisenmanagement hat das im Auge", sagte Antje Günther von Dertour in Frankfurt, dem größten Anbieter von USA-Reisen in Deutschland. "Bislang gibt es keine Einschränkungen für unsere Gäste", betonte Mathias Brandes vom Thomas-Cook-Konzern in Oberursel (Hessen), zu dem unter anderem Neckermann Reisen gehört. Bisher gebe es auch nur wenige Anfragen besorgter Touristen, erklärte Anja Braun von der Tui in Hannover. Für Urlauber sei es wichtig zu wissen, dass die touristischen Gebiete an Floridas Westküste wie Clearwater/St. Petersburg, Fort Myers und Naples alle mindestens 750 Kilometer von Pensacola in Nordwest-Florida entfernt sind, wo bereits ein Fischfangverbot ausgesprochen worden ist.

Bei Individualreisenden, die eine Hotelbuchung wieder zurückziehen wollen, gebe es keine kostenlose Stornierungsmöglichkeit, erläuterte Führich. "Der Reisende muss also Stornokosten zahlen wie vereinbart. Oder er versucht eine einvernehmliche Vertragsänderung". Die könnte so aussehen, dass sich der Hotelier kulant zeigt, wenn der Gast ihm verspricht, für einen späteren Zeitpunkt erneut zu buchen.

Der Reiserechtler hält solche Verhandlungen über Urlaubsreisen in den Sommermonaten derzeit allerdings noch für verfrüht. Die Erfahrung zeige: Je eher man mit solchen Ansinnen kommt, "desto mehr trifft man auf Unverständnis bei den Anbietern", so Führich.

Ursache des wachsenden Ölteppichs auf dem Golf von Mexiko ist die Bohrinsel Deepwater Horizon. Sie explodierte und sank am 22. April. Seitdem sprudeln pro Tag knapp 700 Tonnen Rohöl ins Meer. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi haben deswegen inzwischen den Notstand ausgerufen. Das Fremdenverkehrsamt von Louisiana wies zugleich aber darauf hin, dass die bei Touristen beliebte Stadt New Orleans rund 160 Kilometer von der Küstenlinie entfernt sei. Dort gehe man davon aus, "dass es durch den Ölteppich zu keinerlei negativen Auswirkungen für die Besucher kommen wird".