Glossar Das Wellness-ABC

Wie der Mensch sich am besten entspannt, ist eine Typfrage: Hier geht es dicht an dicht in einer heißer Quelle in China.

(Foto: China Out/AFP)

Verstehen Sie Wellness und ihre vielen, oft schrulligen Spielarten? Eine kleine Übersetzungshilfe für Anfänger.

Glossar von Dominik Prantl

Anti-Aging, das: breit angelegte, vor allem in Industrieländern verbreitete und kampagnenartige Bewegung gegen das biologische Altern. Dient als wichtiges Argument der Wellness-Industrie. Umfasst die Gesamtheit aller Maßnahmen von der Anpassung der Lebensführung bis zu chirurgischen Eingriffen. Basiert auf einem uralten Traum der Menschen, der bislang nur Hexen, Zauberern und anderen Tolkien-Wesen erfüllt wird - ganz ohne fernöstliche Selbstheilungstechniken und Testosterontherapien.

Bier-Wellness, die: Badeanwendung in Essenzen von Hopfen, Hefe und Malzschrot. Soll je nach Anbieter vor allem bei Männern wahlweise die Nerven stärken, gegen innere Unruhe wirken, bei Magenbeschwerden helfen, die Haut zart spülen oder den Stoffwechsel anregen. Wird vor allem von Männern als Auswuchs der Überflussgesellschaft kritisiert, da eine innere Anwendung bei schonenderem Umgang mit den Rohstoffen von vielen als noch effektvoller erachtet wird.

Auftanken

In Prag kann man ein Vollbad in einer nicht nur hier besonders beliebten Flüssigkeit nehmen. Und dabei so viel davon zapfen und trinken, wie man schafft. Von Margit Kohl mehr ...

Cleopatrabad, das: beharrlich mit C geschriebenes, hautstraffendes und eher auf weibliche Kundschaft abgestimmtes Cremebad. Eng mit der verwandt, da auch hier Lebensmittel - in diesem Fall Milch und Öl - in badewannengroße Behälter gekippt werden. Erhielt den Namen durch Kleopatra VII., wobei selbst die Julius-Cäsar-Geliebte trotz Eselsmilch- generierter Pfirsichhaut nicht einmal 40 Jahre alt wurde.

Danarium, das: Saunavariante aus Kleopatras Zeiten, die irgendwo zwischen Saunarium, Sudatorium und Caldarium liegt. Eignet sich wegen der moderaten Temperatur (65 Grad) und der mittleren Luftfeuchtigkeit (60 Prozent) für Herz-Kreislauf-Patienten, Saunamuffel und andere hitzephobe Wellnessjünger.

Elektrotherapie, die: ebenso wenig wie der brutal klingende Eiswickel eine Foltermethode des US-Geheimdienstes CIA, sondern eine Möglichkeit der physiotherapeutischen Behandlung akuter Muskel- oder Nervenbeschwerden durch Stimulation mit schwachen elektrischen Impulsen. Soll anders als CIA-Praktiken langfristig zur Schmerzlinderung führen.

Fußreflexzonenmassage, die: Behandlungsmethode, die auf der Annahme basiert, dass die Menschheit zwar ihresgleichen auf den Mond schickt, aber längst noch nicht alles über die Zusammenhänge im eigenen Körper weiß. Bei der F. dient die Fußsohle als kartenähnliches Spiegelbild des gesamtes Körpers, womit über die Haut gewissermaßen Zugriff auf Herz und Nieren genommen werden kann. Diverse Studien deuten darauf hin, dass die Fußsohle doch kein Spiegel ist.

Ginkgo, der: lebendes Fossil und letzter Überlebender aus der Ordnung der Ginkgoales. Diente schon in seiner Heimat China vor Hunderten Jahren als natürliches -Präparat. Soll unter anderem gegen Ohrensausen, Demenz und Durchblutungsstörungen helfen. Wird hoffentlich auch den Wellness-Wahn überleben.

Handtuch, das: rechteckiges, saugfähiges Tuch. Wichtigstes Wellness-Requisit. Teilt mit den Benutzern das Schicksal, dass es sich nach mehreren Saunagängen zum Waschlappen wandelt.

Indien, heiliges: 1. Staat in Südasien, 2. zum Wohlfühl-Paradies verklärtes Ursprungsland fernöstlicher - von der Wellness-Bewegung gerne adaptierter - Heilkunst und Meditationstechniken.

Jacuzzi, der: Gattungsname für Sprudelbecken (engl: Whirlpool).

Klangschale, die: polarisierende, vorzugsweise auf Festivals und in Eine-Welt-Läden beheimatete Bronzeschüssel, die mittels eines Klöppels in Vibration ver- und zu Massagetechniken eingesetzt werden kann. Gilt K.-Befürwortern als der beste Energielieferant und Spannungslöser, K-Kritikern als letzter Beweis, dass auch die ultraentspannten Heilkünstler nur unser Geld wollen.

Lomi-Lomi, das: auch Lomi-Lomi-Nui; ursprünglich hawaiianische, ganzheitliche Massagetechnik unter Verwendung von Duftölen und Hula-Musik. Wird in Mitteleuropa nur noch selten von schamanischen Heilern ausgeübt. Klingt dafür schön exotisch.

Volle Packung

Im Bregenzerwald kommt das Moor direkt aus dem Vorgarten auf die Haut. Das ist geruchlich etwas gewöhnungsbedürftig, soll aber gesund sein. Von Monika Maier-Albang mehr ...

Meridian, der: 1. halber Längenkreis auf der Erdoberfläche; 2. Marke der Bayerischen Oberlandbahn; 3. Leitbahn in der traditionellen chinesischen Medizin, die ein System von zwölf Hauptmeridianen als Energiesystem definiert hat. Kann durch Akupunktur und beeinflusst werden.

Nordic Walking, das: Langlaufen ohne Schnee und Ski. Tauchte mehrere Jahre meist in einem Satz mit Begriffen wie Wohlfühlen, Urlaub oder Sauna auf. Hat seinen Status als ständiger Wellness-Assoziierter inzwischen an andere trendige Bewegungslehren wie Yoga und Pilates abtreten müssen. Ist deshalb dorthin verschwunden, wo es herkam: in der Versenkung.

Oceanic Aqua Balancing, das: meditatives Bewegen im Wasser unter Anleitung. Wegen der nur leicht kryptischen Aneinanderreihung von Vokabeln aus mehreren Sprachen das Paradebeispiel eines gelungenen Wellness-Neologismus'.