Gefahren auf Reisen Vorsicht, Urlaub

Schön und schmerzhaft: Die Portugiesische Galeere in ganzer Pracht.

(Foto: iStockphoto)

Haie und Quallen lösen zuverlässig Alarm an Badestränden aus. Doch die wahren Gefahren lauern woanders.

Von Jochen Temsch

Jedes Jahr zur Urlaubszeit müssen die Deutschen erfahren, dass das allgemeine Lebensrisiko keine Auszeit macht und die Gefahren direkt am Rand der Sonnenliege lauern. So trüben aktuell die Portugiesischen Galeeren manchem Touristen die Freude an den Pfingstferien.

Die Sichtung eines toten und zweier lebender Exemplare der giftigen Nesseltiere hat diese Woche für ein kurzzeitiges Badeverbot an drei Stränden auf Mallorca ausgereicht. Bezeichnend ist, dass die Glibbertiere bereits im Winter vermehrt vor den Kanarischen Inseln aufgefallen waren, was dort aber niemanden besonders juckte. Die quallenartige Armada musste erst Kurs durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer und auf das liebste Urlaubsziel der Deutschen nehmen, um Schlagzeilen zu machen.

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Wie immer, wenn auf Mallorca irgendwer oder irgendwas die verdiente Urlaubssause ausbremst, rufen deutsche Boulevardmedien "Alarm!". Da wird bei Quallen nicht anders verfahren als bei harmlosen Riffhaien, die immer wieder mal dem Abfall nachschwimmen, der von Touristenbooten ins Meer gekippt wird, und dadurch unseligerweise in Ufernähe gelangen.

Die Hysterie, die sie dann auslösen, ist nicht gerechtfertigt. Weltweit gab es im vergangenen Jahr fünf tödliche Angriffe von Haien. Tausende Menschen sind dagegen durch Pferde und Bienen, bei Reitunfällen und durch allergische Schocks gestorben. Im Umgang mit allem, was im Ausland taucht und fleucht, wäre also entspannte Gelassenheit angebracht - schließlich ist es dies ja auch der Zustand, den jeder Urlauber anstrebt.

Die tatsächlichen Bedrohungen liegen ganz woanders, wie Auslandsreiseversicherer melden. Auf Platz eins ihrer Gefahren-Top-Ten steht der Durchfall, unter dem jeder dritte Urlauber leidet. Auf Platz zwei der Schnupfen und die Erkältung, die von Klimaanlagen herrühren. Dann folgen diverse Verletzungen wie Knochenbrüche, Platzwunden oder Verbrennungen, die sich oft auf die fatale Kombination von zu viel Alkohol und zu wenig UV-Schutz zurückführen lassen.

Sonne und Saufen, das sind für viele Touristen die beiden Grundvoraussetzungen für einen gelungenen Urlaub. Ordentlich abgefüllt und bestrahlt, muss nur noch ein typisches Urlaubsgefährt in Reichweite sein, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Leihräder, Mopeds, ja sogar Banana Boats - bananenförmige Gummiboote, auf denen mehrere Personen rittlings sitzen und sich von einem Motorboot ziehen lassen - tauchen häufig in den Unfallstatistiken auf.

Aber auch ohne Promille neigt der Urlauber in gelöster Stimmung zum Leichtsinn. Mancher Papi, der seine Kinder zu Hause ohne Helm nicht einmal Tretroller fahren lassen würde, leiht sich am Strand eine schwere Harley und knattert in Badelatschen und mit einem umgebundenen Totenkopftuch gegen die nächste Palme.

Der größte Feind des Urlaubers ist nicht der Hai und nicht die Qualle, sondern der Urlauber selbst. Die meisten Gefahren ließen sich durch den Gebrauch des gesunden Menschenverstandes minimieren. Aber ihr Hirn einschalten ist offenbar das Letzte, was viele Erholungssuchende wollen.

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