Gangster-Guide in Los Angeles "Es könnte lebensgefährlich werden"

In Los Angeles führt ein ehemaliges Gang-Mitglied Touristen in Viertel der Metropole, den man allein besser nicht betreten sollte. Ein Schnappschuss könnte hier teuer zu stehen kommen.

Eine Reportage aus South Central von Jonathan Fischer

Kein Problem, Alfred Lomas auf dem Hotelparkplatz zu erkennen: ein bulliger, untersetzter Typ mit tätowierten Flammen, Frauenkörpern und einem großen "F" auf den Armen. Das F, wird er später erzählen, steht für seine ehemalige Gang "Florencia".

Diese drei Herren waren einst Mitglieder einer Gang, aber nicht derselben: Max Maestas (links) gehörte zur "18th Street", Alfred Lomas (Mitte) zur "Florencia 13" und Melvin Johnson zu den "Crips". Gemeinsam werben sie vor der Graffiti-Mauer für die LA Gang Tours, die zeigen sollen, warum junge Menschen "wie in einem Gefängnis leben, in dem es nur um eines geht: zu töten oder getötet zu werden".

(Foto: Archivfoto: AFP)

"Ich hoffe, mein Auto stört Sie nicht", begrüßt der Tour-Guide seinen Kunden. Ein fester Händedruck. Und eine einladende Bewegung in Richtung eines rostigen Kleinwagens.

Nach der Lektüre der allmorgendlichen Meldungen der Los Angeles Times über die jüngst in Gang-Auseinandersetzungen verletzten oder getöteten Teenager, fühlt es sich etwas seltsam an, mit einem ehemaligen Gangster durch diese Viertel zu fahren. "Ich habe eine Vereinbarung mit vier Gangs ausgehandelt, dass sie meine Touristengruppen nicht behelligen", sagt Lomas, sobald der Sicherheitsgurt angelegt ist.

Immerhin verzichtet der Betreiber der "LA Gang Tours" - anders als bei seinen monatlichen Bustouren durch die Ghettos - darauf, eine Einverständniserklärung unterschreiben zu lassen, nach der man sich "freiwillig in potentiell lebensgefährliche Situationen begibt".

Dann geht es los, und so gefährlich, denkt man bisweilen, schaut Los Angeles South Central doch gar nicht aus: das Rasengrün zwischen den artig aneinandergereihten Häuschen, die nur wenige Meilen entfernten Wolkenkratzer von Downtown und die Silhouette der Hollywood-Hills.

Wer South Central aus Hip-Hop-Videos und einschlägigen Filmen wie "Boyz In The Hood", "Colours" oder "Menace II Society" kennt, der könnte Lomas' Führungen durch die No-Go-Areas seiner Stadt womöglich für eine makabre Alternative zu einem Hollywood-Stars-Ausflug halten.

Doch Lomas weist bei der Fahrt auf Gebäude und Zeichen, die man sonst wohl übersehen hätte: den weißen, mit Fensterschlitzen bewehrten Hochhauskomplex des größten Gefängnisses von LA, das betonierte Flussbett, in dem Graffiti-Künstler ihre überdimensionalen Buchstaben hinterlassen haben, einen Park, in dem die berüchtigte Gang MS 13 ihren Ursprung hat. Die ärgsten Slums meidet Lomas. "Das wäre ausbeuterisch, da reinzufahren", meint er.

Auf der Suche nach dem Hollywood-Moment

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