Frisch bezogen So hip, dass es wehtut

Küchenzeile im Zimmer, Yoga in der Lobby: Das Eden Locke in Edinburgh verbindet die Vorzüge möblierter Apartments mit einem Boutiquehotel. Und auch die Bar, die gleichzeitig die Rezeption ist, kann sich sehen lassen.

Von Evelyn Pschak

Sie machen schon mal solche Sachen hier: Stellen zwei blaue Barbierstühle in die Lobby, beauftragen einen DJ mit der richtigen Musik zum Schnitt und servieren dazu einen ginlastigen "Razor Sharp Cocktail" mit Thymiansirup und Pfirsichlikör. Profitiert haben davon beide, der Barbershop Ruffians und das Edinburgher Hotel Eden Locke. Die Friseure konnten sich unter internationales Hotelpublikum mischen. Und die Gäste bekamen etwas mit von der Szene der Stadt.

Dieser Austausch zwischen Hotelgästen und städtischem Unternehmertum soll zu einem Merkmal des Hotels werden. Betrieben wird das Eden Locke vom britischen Unternehmen Saco, das als Hauptgeschäft weltweit an mehr als 260 Standorten rund 80 000 möblierte Apartments an Geschäftsreisende, Pendler oder Wohnungssuchende vermietet. Diese Langzeitgäste erwarten von ihren "Serviced Apartments" eine alltagstaugliche Ausstattung mit Küche, Kochgeschirr und Waschmaschine. Zudem kosten Übernachtungen in solchen Apartments weniger als im Hotel, da weder Zimmerservice noch Bewirtung angeboten werden. Mit dem neuen Geschäftszweig der Briten, den Locke-Hotels, sollen nun Apartment-Annehmlichkeiten auf klassischen, wenn auch leicht abgespeckten Hotel-Service treffen. Frühstück etwa kann nicht mitgebucht, aber dennoch im extern betriebenen Café in der Lobby eingenommen werden; auch säubern die Reinigungskräfte die Zimmer nicht jeden Tag. Zudem soll den Hotelgästen ein kulturelles Wochenprogramm geboten werden. Ansprechen will das Unternehmen nicht nur längerfristig buchende Gäste, sondern auch Kurztrip-Touristen.

Als "Lifestyle Aparthotel" folgt das im Juni 2017 eröffnete Eden Locke eben dieser Maxime. Jamie Mackie, der Hoteldirektor, umreißt das Geschäftsprinzip so: "Man hat hier die guten Seiten eines Serviced Apartments mit den guten Seiten eines Boutiquehotels verbunden." Die Einrichtung der 72 Studio-Apartments ist beruhigend minimalistisch. Wenige, ausgesuchte Objekte in Eiscremefarben, gebeizte Holzdielen, helle Marmorflächen in der Küche. Die Küchenutensilien aus Goldmetall. Sogar ein Cocktailshaker steht auf der Anrichte, daneben fürs Frühstück Kaffee und eine Packung Chia-Kokos-Porridge, das man mit heißem Wasser aufgießen und anschließend am runden Marmortisch essen kann, den Blick hinausgerichtet auf den graubeigen Sandstein und die Schieferdächer Edinburghs im morgendlichen Nieselregen.

Das Eden Locke befindet sich in der George Street, einer Prachtstraße der New Town, die noch 250 Jahre nach ihrer Entstehung als repräsentativste Einkaufsmeile der Stadt gilt und deren Geschäftsvitrinen mit aufwendig verpackten Teesorten oder maritim bemaltem Porzellan dekoriert sind. Seit 1995 sind sowohl die verwinkelte Altstadt Edinburghs wie auch das als Meisterwerk georgianischer Stadtplanung geltende New-Town-Viertel Unesco-Weltkulturerbe. Der Philosoph der schottischen Aufklärung, David Hume, lebte im ersten Bauabschnitt der New Town, nachdem ihn die Stadtplaner überzeugen konnten, aus der Altstadt herzuziehen. Sie wussten, sein Beispiel würde weitere Honoratioren folgen lassen. In diesem Juni wird hier im früheren Hauptsitz der Royal Bank of Scotland "The Edinburgh Grand" eröffnen und ebenfalls 50 komplett ausgestattete Luxus-Apartments anbieten.

Um seinen Langzeithotelgästen ein Zentrum im eigenen Haus zu bieten, investiert das Eden Locke in die regelmäßige Bespielung der Lobby. Zweimal wöchentlich findet morgens im Eingangsbereich Yoga statt. An der Lobby-Bar, gleichzeitig Rezeptionstresen des Hotels, werden Gin- oder Kaffee-Meisterkurse angeboten. Dazu gibt es gemeinsame Lauftrainings von Hotelgästen und Personal.

Wer die Lobby samt Bar betritt, gerät an einen dieser durchästhetisierten Orte, die ihre Existenz überhaupt erst der Erfindung von Instagram zu verdanken scheinen. Eine junge Asiatin fotografiert ihren sicherlich längst erkalteten Cappuccino in verschiedenen Settings: Cappuccino zwischen Sitzkissen in grobem Strick. Cappuccino unter nackten Glühlampen. Cappuccino auf grünem Wandbord. "So hip it hurts" beschrieb eine britische Tageszeitung das Hotel.

Die Lobby-Bar "Hyde & Son" bietet aber nicht nur Milchkaffee mit perfekt gegossenem Motivmuster, sondern auch "Pour Over". Was man hier einfach "Darübergießen" nennt, bezeichnet man bei uns als Filterkaffee. An der Bar erzählt Mika Kennaugh, er sei eigentlich vor zweieinhalb Jahren nur für eine Urlaubswoche nach Edinburgh gereist. Inzwischen lebt er in der schottischen Hauptstadt und ist Manager des Hyde & Son. "Es gibt nicht so viele Orte in Edinburgh, an denen man nach 19 Uhr noch guten Kaffee bekommt", sagt der Südafrikaner und macht klar, dass er seine Bar zu den Ausnahmen zählt. Im Hyde & Son wird der Pour Over im Glaskolben serviert, und Kennaugh schwärmt vom "Aroma von schwarzer Johannisbeere".

Entworfen wurde das Eden Locke vom Architektenbüro Grzywinski+Pons. Die New Yorker verwendeten für die Einrichtung viel gebogenes Holz, geflochtene Korbstrukturen oder Zementeinfassungen. Grzywinski nennt sein Design "sophisticatedly tropical" und sagt, er wolle durch die Farbwahl von Pistazie und Goldtönen das warme, schottische Licht zelebrieren. Auf "tropischen Feinsinn" muss man erst mal kommen, wenn man ein Edinburgher Stadthotel einrichtet. So rahmen Pistazientöne die breite Holztäfelung der zwei Meter hohen Fenster, ihr zartes Grün lässt die George Street unter dem schottischen Regenguss fast frühlingshaft wirken. Ach, wenn man's genau bedenkt, ist das Design schlüssig: richtig viel Regen - das gibt es schließlich auch in den Tropen.

Eden Locke, 127 George Street, Edinburgh, Übernachtung ohne Frühstück ab 92 Euro, www.lockeliving.com; visitscotland.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.