Französisch-Polynesien: Tahiti Ganz einfach das süße Leben

Es braucht nicht viel, um auf Tahiti und ihren Inseln einen Traumurlaub zu verbringen. Abseits von großen Resorts bieten kleine Lodges und familiengeführte Pensionen einen besonderen Luxus.

Von Verena Wolff

Maurice muss sich immer wieder das Lachen verkneifen. Er ist Kapitän und Kulturbotschafter, Kokosnuss-Knacker und Koch in einer Person - auf einem Motu, einem kleinen, unbewohnten Eiland, unweit der Insel Moorea. "Bonjour" begrüßt er seine Gäste. Die meisten sprechen, wie er, französisch.

Sonne, Strand und ein Haus auf dem Wasser - auf Moorea schlägt das Urlauberherz höher.

(Foto: Foto: Verena Wolff)

Wenn es sein muss, kann jeder auf den Gesellschaftsinseln auch ein paar Brocken Englisch - allerdings nicht so fließend, wie das die Horden amerikanischer Touristen in Hawaii-Hemden und Tennisschuhen erwarten, die überwiegend per Kreuzfahrtschiff ankommen oder ihren Honeymoon in einem der Luxus-Resorts verbringen.

Maurice, der Kapitän, ist ein großer, kräftiger Mann mit charmantem Lächeln und zahlreichen Tattoos. Er lenkt ein kleines Motorboot von einem der Luxushotels Mooreas unweit der Hauptinsel Tahiti auf das hauseigene Motu. Allein ist man nicht auf der knapp halbstündigen Fahrt - immer wieder schnorcheln Urlauber durch das badewannenwarme Wasser an dem Boot vorbei, fahren andere kleine Kähne durch das nur wenige Meter tiefe Meer.

Schwimmen mit Stachelrochen

Die Touristen wollen sich eine der Attraktionen der Südsee um die zahlreichen Inseln nicht entgehen lassen: das Schwimmen mit Haien und Stachelrochen. Eine gefährliche Angelegenheit? "Non, c'est pas dangereux", sagt Maurice. Überhaupt nicht gefährlich sei das. Er kann über die Unsicherheit seiner Touristen nur den Kopf schütteln. Und grinsen. Die Haie sind neugierig, gleiten nah an Taucher und Boote heran - und drehen in letzter Sekunde wieder ab.

Ähnlich ist es mit den Rochen, die hier groß sind wie eine Tischplatte - und nach landläufiger Meinung mit einem gezielten Stich ihres Schwanzes tödlich. Man denkt an den australischen Abenteurer Steve Irwin, der sein Leben lang mit wilden Tieren arbeitete und schließlich vor wenigen Jahren am Stich eines Stachelrochens starb.

Maurice hat noch nie von Irwin gehört - und auch keine Bedenken, seine Gäste auf dem Motu mit den Kreaturen zum Schwimmen zu schicken.

So richtig allerdings traut sich niemand ran an die Rochen - auch nicht, als Maurice sie mit allerlei kleinen Fischen anlockt. Schnorcheln in den Korallen scheint den meisten Urlaubern die sicherere und farbenfrohere Alternative. Plastikschuhe angezogen, Schwimmbrille aufgesetzt - und los geht's. Man braucht zum Unterwasser-Sightseeing nur einen Bikini und einen Schnorchel - denn die Korallen liegen so nah unter der Wasseroberfläche, dass auch die simpelsten Schwimmkenntnisse ausreichen, um diese bezaubernde Welt in aller Stille genau zu betrachten. So einfach ist das in Französisch-Polynesien.

Schließlich ist das das Paradies - das ist zumindest die Meinung der meisten Polynesier, die auf den 148 Inseln auf fünf Archipelen leben.

Schöner als Britannien

Auch die ersten Entdecker wie der britische Kapitän Samuel Wallis sahen das so - obwohl sie in einer Welt angekommen waren, die so ganz anders war als das heimische, nasskalte Königreich. Wallis legte mit seiner HMS Dolphin im Jahr 1767 in Tahiti an - eigentlich auf der Suche nach dem mysteriösen Südkontinent, der terra australis incognita, nach dem zu dieser Zeit zahlreiche Europäer forschten.

Stattdessen fand er kräftige Männer in hölzernen Kajaks und schöne, dunkelhäutige, barbusige Schönheiten, die vahines genannt wurden. Und dazu eine Landschaft, wie er sie noch nie gesehen hatte.

Weiße Sandstrände, Lagunen, in denen das Wasser tatsächlich alle Schattierungen von türkis bis tiefblau zeigt; Korallen, um die herum ganze Völker verschiedenster Fische leben.

Unter einem Palmdach auf dem Motu hat Kapitän Maurice indes die Rollen gewechselt, wird Kulturbotschafter und erzählt von der Geschichte und den Bräuchen der Inseln. Wie man hier von und mit der reichen Natur lebt, in einem feuchtheißen Klima, das jedem Mitteleuropäer viel abverlangt. Wie man sich vor der strahlenden Sonne schützt und vor gemeinen Mückenstichen, wie man sich orientiert im teils wild erscheinenden Dschungel einheimischer Bäume und Pflanzen - und nicht zuletzt, wie man allein von dem überleben kann, was die Natur anbietet.

Die Kokosnuss, die unbekannte Frucht

Dazu gibt es auch gleich eine Freiluft-Präsentation: Wie kommt man, nur mit primitivem Werkzeug, an die Kokosnuss, an das Wasser, das sich in ihr sammelt und macht auch noch Kokosmilch? Der Kokosnuss-Knacker Maurice weiß es: Nuss vom Boden aufgehoben, das Äußere geschält und das Gesicht gesucht. Das Gesicht? Ja, sagt Maurice, grinst und deutet auf das Unterteil der Nuss. Und tatsächlich: von dort lacht ein Mund und schauen zwei Augen. Die Kokosnuss hat ein Gesicht. Diese Seite gilt es zu finden - denn von ihr aus wird die Nuss in zwei Teile geteilt. Ein kräftiger Hieb mit einem Stock und schon ist zumindest das Wasser in Reichweite.

Und dann hat Maurice noch ein an ein Waschbrett erinnerndes Werkzeug mitgebracht - ein Brett, an das auf der schmalen Seite ein rundes, mit Zacken versehenes Werkzeug geschraubt ist.

Was das sein soll, fragen sich seine Gäste auf dem Motu - Maurice macht kurzen Prozess, setzt sich auf das Holz und beginnt, die Nusshälften an den Zacken zu reiben. Das Fruchtfleisch fängt er in einem Tuch auf, drückt es schließlich aus: "et voilà, lait de coco", Kokosmilch. Die Urlauber sind begeistert - und Maurice ziemlich außer Atem. "Denken Sie nicht", sagt er, "dass wir das mit allen Nüssen so machen, die hier von den Bäumen fallen." Für die Rezepte der Inselgruppe wird schließlich viel von der süßen Milch gebraucht. "Wir haben schon Maschinen dafür", sagt Maurice - das Grinsen wird breiter.

Und damit die Kokosnuss nicht umsonst bearbeitet wurde, schlüpft Maurice gleich noch in die Rolle des Kochs. Frischen Thunfisch hat er, roh und klein geschnitten, dazu Tomaten, Zwiebeln, Gurken und Karotten. Den Fisch mariniert er mit Limettensaft und vermengt alles mit dem Gemüse. Kokosmilch, Pfeffer und Salz - mehr braucht es nicht für das liebste Gericht der Tahitianer: "Et voilà, poisson cru".

Sonne, Strand und üppige Natur

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