Von Jeanne Rubner

Die Sicherheits-Checks in den USA waren einst lax. Das hat sich seit dem 11. September drastisch verändert.

(SZ vom 26.09.01) - Wer unter 37 Jahren alt ist, mindestens drei Jahre Berufserfahrung oder einen College-Abschluss hat, einen amerikanischen Pass besitzt und bis zu 80.000 Dollar verdienen will, hat derzeit gute Chancen auf einen spannenden Job. So wirbt zumindest die US-Luftfahrtbehörde auf ihrer Homepage. Allerdings macht die FAA auch keinen Hehl aus möglichen Belastungen und Gefahren: unregelmäßig Arbeitszeiten, wenig Kontakt mit der Familie und auch Reisen in "unsichere Länder, in denen ein hohes Terror-Risiko gegen die USA besteht" könnten die zukünftigen "Federal Air Marshals" erwarten.

Neu auf US-Flughäfen: Nur noch Passagiere dürfen in den Sicherheitsbereich. (© Foto: Reuters)

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Wie viele dieser Luftpolizisten eingestellt werden sollen, hält die FAA aus Sicherheitsgründen streng geheim, ebenso das Training der Air Marshals. Sie werden, so heißt es im Washingtoner Hauptquartier, "anonym auf ausgesuchten Flügen" mitreisen.

Bewerber: Polizisten und Soldaten

Eine große Zahl hoch qualifizierter Sicherheitsfachleute wie Polizisten oder Soldaten habe sich bereits gemeldet, sagt FAA-Chefin Jane Garvey, und alle drei Tage würde eine neue Gruppe das Training beginnen.

Die Air Marshals werden möglicherweise nicht die einzigen sein, die in Zukunft Waffen an Bord einer Maschine tragen werden. Am Dienstag verlangte Amerikas größte Pilotenvereinigung vor einem Ausschuss des Kongresses, dass die Cockpit-Besatzung Pistolen tragen darf, damit sie sich im Ernstfall gegen eine Attacke von Terroristen wehren kann.

Waffen an Board - ja oder nein?

Garvey hält den Vorschlag der Air Line Pilots Association für bedenkenswert. Aber nicht alle Sicherheitsexperten sind begeistert. Denn bisher war die Philosophie der FAA, Waffen von Bord fern zu halten, auch weil ein Kugeleinschlag eine Maschine im schlimmsten Fall zum Absturz bringen kann.

Nach Auskunft der FAA tragen die Marshals aber Waffen, deren Munition zwar in die Weichteile des Körpers eindringen, aber nicht die Schädeldecke durchschlagen - folglich auch kein Risiko für die Flugzeugwände darstellen. Im Gespräch sind laut Garvey derzeit auch schusssichere Türen, die die Piloten im Cockpit schützen sollen.

Aufrüstung zu Lande und in der Luft

Während in der Luft erst allmählich aufgerüstet wird, haben US- Flughäfen in den letzten zwei Wochen ihre Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft. Schon wenige Tage nach den Anschlägen hat die FAA das vielerorts übliche Check in im Freien, dort wo die Autos vorfahren, verboten.

Auch dürfen nur noch, wie in Europa längst üblich, Passagiere mit einem Ticket die Sicherheitsschleusen passieren. Freunde und Verwandte am Gate abzuholen ist jetzt nicht mehr möglich.

Private Sicherheitsfirmen in der Kritik

Harsche Kritik ernteten die meist privaten Firmen, die für das Screening von Passagieren und Gepäck zuständig sind. Denn schon lange vor dem Anschlag hatten Fachleute bemängelt, dass das Personal schlecht ausgebildet und bezahlt sei - mit dem Ergebnis, dass die Screener im Durchschnitt nach weniger als einem Jahr ihren Job an den Sicherheitsschleusen quittieren. Ende September wird die FAA neue Richtlinien herausgeben, nach denen die Angestellten ausgebildet und auch überwacht werden sollen.

Wenig begeistert zeigt sich die US-Regierung angesichts von Forderungen, das bislang schlecht bezahlte Sicherheitspersonal zu Bundesbeamten zu machen. Denn dann müsste die Bush-Administration 28.000 Männer und Frauen einstellen, die Kosten würden sich nach Schätzungen des Verkehrsministeriums auf 1,8 Milliarden Dollar jährlich belaufen.

Computer findet Verdächtige

Bürgerrechts-Organisationen haben derweil die verschärften Sicherheitskontrollen teilweise kritisiert. Es sei zwar richtig, das Personal besser zu prüfen, zu bezahlen und zu überwachen, heißt es bei der American Civil Liberties Union. Doch die verschärfte Überprüfung der Passagiere - etwa durch Daumenabdruck oder das Scannen der Iris - lehnt die ACLU ab, weil es ein "nationales Erkennungssystem bedeuten würde".

Gegen ein Computerüberwachungssystem war die ACLU bereits vor ein paar Jahren Sturm gelaufen. Weit gehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte die FAA den Fluggesellschaften eine neue Software verordnet: Caps, kurz für Computer Assisted Passenger Screening Program, sucht Passagiere bereits vor dem Abflug nach bestimmten Kriterien aus. Die Verdächtigen müssen dann mit verschärften Kontrollen rechnen.

Barzahler im Visir

In welchem Umfang sie Caps nutzen und nach welchen Kriterien die Software potentielle Verbrecher aussondert, wollen Fluggesellschaften nicht kommentieren. Einem Bericht des Online-Magazins Wired zufolge spürt Caps aber Personen mit ausländischem, vor allem arabisch klingendem Nachnamen auf. Verdächtig ist auch, wer ein Ticket bar bezahlt oder nur den Hinflug gebucht hat.

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