Ein Kommentar von Martin Winter

Nun müssen sorgfältig die Lücken aufgespürt werden, durch die der Attentäter von Detroit auf den Flughäfen in Nigeria und in den Niederlanden geschlüpft ist. Gleichzeitig sollte man sich aber vor Hysterie hüten.

Was einige Fluggesellschaften ihren Passagieren derzeit zumuten, hat mit Sicherheit nichts, mit blindem Aktivismus aber viel zu tun. Wer Fluggäste eine Stunde vor der Landung in ihre Sitze zwingt, wer sie am Toilettengang hindert und auffordert, ihr Handgepäck wegzuschließen, der wird einen Terroristen kaum beeindrucken, dem es bereits gelungen ist, die Zutaten für eine Bombe an Bord zu bringen.

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Solche Maßnahmen gaukeln Schutz nur vor, münden in Wahrheit aber in plumpem Aktionismus. Stattdessen empfiehlt es sich, die Lektionen des nigerianische Terroristen nach dessen glücklicherweise fehlgeschlagenen Tat exakt auszuwerten. Die wichtigste Lehre: Die Bodenkontrollen müssen verbessert werden. Techniken zum Aufspüren von Sprengstoff gibt es, auch ohne dass ein Nacktscanner eingesetzt wird. Die Sicherheitslücke entsteht da, wo die Flugreisenden in Massen kontrolliert werden sollen. Selbst auf internationalen Flughäfen gibt es nur selten ausreichend viele Kontrollschleusen, um mit dem Ansturm der Reisenden in einer vertretbaren Zeit fertig zu werden.

Mehr Sicherheit gibt es also, wenn es mehr Kontrolleure und bessere technische Geräte gibt. Mehr Sicherheit gibt es nicht erst im Flugzeug. Die Passagiere dort als potentielle Terroristen zu behandeln und sie womöglich selbst auf der Toilette per Video zu überwachen, bringt nichts, verstößt aber gegen deren Menschenwürde. Die ist auch von Fluggesellschaften zu achten.

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(SZ vom 29.12.2009)