Nacktscanner von US-Flughäfen verbannt

Flugsicherheit in den USA /
Von Katja Schnitzler
/ Veröffentlicht am , im Reiseblog

So detailliert wollten die Passagiere auf Überwachungsmonitoren in US-Airports nicht zu sehen sein. In Zukunft müssen sie sich nicht mehr zur Schau stellen, ihr Körper wird dann nur noch als comicartiger Umriss gezeigt.

(Foto: Reuters)

"Nun, wie ich sehe, hat das Training im Fitnessstudio etwas gebracht", könnte der US-Sicherheitsbeamte den Vielflieger begrüßen, nachdem dieser sich im Körperscanner wieder mal virtuell vor ihm entblößt hat. Doch das würde selbst in den USA, dem Land der Smalltalk-Komplimente, kein Beamter tun. Denn entspannt und zum Plaudern bereit stellt sich kein Passagier in die Ganzkörper-Scanner, die seit 2007 auf US-Flughäfen eingesetzt werden. Zwar ist der Gebrauch freiwillig. Aber wer nicht von Strahlen auf gefährliche Gegenstände überprüft werden will, muss ein intensives Abtasten per Hand über sich ergehen lassen.

Statt nur leicht über die Kleidung zu streifen, wird dann vorschriftsmäßig mit festem Druck über den ganzen Körper gewischt. Das empfinden manche Passagiere als "Grapschen per Gesetz". Doch die Empörung richtet sich nicht nur gegen diese Verletzungen der Intimsphäre, sei es beim Durchleuchten oder beim Abtasten.

Die Passagiere fürchten auch gesundheitliche Risiken. Denn während in der EU der Einsatz von Röntgenscannern an Flughäfen verboten ist und derzeit Geräte mit risikoarmer Millimeterwellen-Technik getestet werden, die ähnlich wie eine Wärmebildkamera funktionieren, waren in den USA bislang beide Modelle erlaubt. Das soll sich nun ändern - allerdings nicht aus gesundheitlichen Gründen, wie die US-Transportsicherheitsbehörde (TSA) laut LA Times betont.

Vielmehr soll von Juni 2013 an auch in den USA auf Wunsch des Kongresses die Intimsphäre der Passagiere gewahrt bleiben. Die Scanner mit Millimeterwellen-Technik werden so ausgerüstet, dass sie die Körper nicht mehr im Detail, sondern als Piktogramme darstellen - wie in der EU.

Körperscanner am Flughafen Schiphol in den Niederlanden.

(Foto: dpa)

Doch der Betreiber der Röntgen-Scanner schafft die Software-Umrüstung nicht rechtzeitig, so dass die mehr als 170 Röntgen-Geräte auf 30 US-Airports bis Ende Mai abtransportiert werden. Die teuren Scanner einfach an Ort und Stelle lassen, bis die Software umgestellt wird, das will die TSA nicht. Dennoch: Der Abbau habe nichts mit der Aufregung um mögliche gesundheitlichen Gefahren durch die Röntgenstrahlung zu tun.

An US-Flughäfen dürfen aber nur Scanner mit Millimeterwellen-Technik stehenbleiben, deren Bildschirme schon jetzt Strichmännchen zeigen statt nackten Tatsachen. Ein Erfolg für die Gegner der Scanner, die sogar zum Flug-Boykott aufgerufen hatten, um auf die Folgen der Durchleuchtung - seien es psychische oder physische - aufmerksam zu machen.

Die TSA verspricht den Passagieren von Juni an einen weiteren Vorteil: Mit den neuen Geräten soll es beim Sicherheits-Check schneller gehen.

Die Röntgen-Scanner werden aber nicht verschrottet: Sie sollen künftig beim Militär und in Bundesbehörden für mehr Sicherheit sorgen - Strahlung hin oder her.