Flugreisen Wie viel Handgepäck darf mit ins Flugzeug?

Nur eine Handtasche als Handgepäck - das freut die Mitreisenden.

(Foto: dpa)

Eine Tasche oder zwei? Wie groß darf der Koffer sein? Und was passiert, wenn das Gepäckfach voll ist? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Handgepäck.

Von Eva Dignös

Mit Rollenkoffer, Laptoptasche und Rucksack stehen sie in der Warteschlange: Mitreisende mit großem Handgepäck verderben schon am Gate die Laune. An Bord geht der Spaß erst richtig los. Gedränge in den Gängen, die Trolleyrollen ragen aus dem Fach über den Sitzen, hektisch wird versucht, die Klappe doch zuzudrücken. Beim Aussteigen dasselbe Spiel in umgekehrter Reihenfolge: Schwere Koffer fallen den Passagieren fast auf die Köpfe, das eigene Täschchen liegt zerknautscht ganz hinten in der Ecke. Denn es sind immer die Handgepäckstücke der anderen, die zu groß sind. Oder?

Seit bei vielen Billig-Flugtarifen das aufgegebene Gepäck extra kostet, wächst die Versuchung, nur mit Handgepäck zu reisen: Das spart Geld und außerdem Zeit beim Einchecken und bei der Gepäckausgabe. Doch was darf eigentlich alles mit in die Kabine? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Handgepäck.

Wie groß darf das Handgepäck sein?

Auch wenn viele Kofferhersteller damit werben, dass ihre Trolleys als Handgepäck zugelassen sind: Es gibt keine einheitliche Norm. Die Fluggesellschaften legen die maximale Gepäckstückgröße selbst fest, Reisende informieren sich am besten vorab auf der Webseite der Fluggesellschaft. Lufthansa und Air Berlin zum Beispiel lassen 55 mal 40 mal 23 Zentimeter zu, ein paar Zentimeter weniger sind es mit 56 mal 35 mal 23 bei den US-Airlines Delta, United und American Airlines, Condor und Ryanair gestatten 55 mal 40 mal 20 Zentimeter. Also muss man die kleinste erlaubte Größe wählen, sollte man zwischendurch auf eine andere Linie umsteigen.

Griffe, Außentaschen und Räder zählen grundsätzlich mit. Oft steht im Flughafen vor den Check-in-Schaltern ein Metallrahmen, mit dem sich prüfen lässt, ob die eigene Tasche den Vorgaben entspricht. Manchmal ist auch eine Waage integriert, denn auch beim Gewicht gibt es Grenzen. Die meisten Fluggesellschaften erlauben zwischen sieben und zehn Kilogramm, manche setzen etwas vage voraus, dass der Passagier in der Lage sein muss, die Tasche ohne fremde Hilfe ins Gepäckfach zu wuchten.

Wie viele Gepäckstücke kann ein Passagier mit in die Kabine nehmen?

Auch das hängt von der Fluggesellschaft ab - und von der gebuchten Reiseklasse. In der Economy Class dürfen meist ein Gepäckstück und dazu noch eine Akten-, Laptop- oder Handtasche oder auch ein Kinderautositz mitgenommen werden. Ein günstiger Flugpreis ist allerdings oft mit zusätzlichen Gepräckbeschränkungen erkauft: Bei der US-Fluggesellschaft United Airlines dürfen Reisende mit einem Ticket im Basis-Tarif als Handgepäck nur noch einen "persönlichen Gegenstand" mit den Maximalmaßen 22 mal 25 mal 43 Zentimeter mitnehmen, der unter den Vordersitz passt.

In der Business und First Class erlauben viele Airlines zwei Handgepäckkoffer oder -taschen, manchmal dürfen diese dann auch ein paar Kilo schwerer sein.

Gepäck oder Leben?

Das Flugzeug brennt, trotzdem zerren Passagiere ihr Handgepäck aus den Fächern - so etwas Dummes würde man selbst nie machen. Wirklich? Von Katja Schnitzler mehr ...

Kontrollieren die Airlines Größe und Gewicht der Handgepäckstücke?

"Im Interesse des Komforts und der Sicherheit an Bord haben unsere Mitarbeiter am Gate stets ein Auge darauf, dass das Handgepäck im Rahmen bleibt", sagt eine Sprecherin der Lufthansa. In Zweifelsfällen prüften die Mitarbeiter auch nach, ob sich das Handgepäck im Rahmen des Erlaubten bewege. Die meisten Reisenden beherzigten aber die Bestimmungen.

Beim Ferienflieger Condor hat man das Handgepäck ebenfalls genau im Blick - auch wenn es den Passagieren nicht unbedingt auffällt: "Nur wenn es den vorgegebenen Maßen und Gewichten entspricht, wird es mit einem Handgepäckslabel versehen", erläutert ein Sprecher. Da dies am Check-in und im Falle von Umsteigegästen am Gate so zügig wie möglich geschehen müsse, "ist es für unsere Gäste sicherlich nicht immer offensichtlich, ob das Handgepäck überprüft wird".

Schatz, hast du an die Todeskralle gedacht?

Kaum zu glauben, was Passagiere in den USA alles ins Handgepäck packen. Da wirkt eine goldene Handgranate fast schon normal. mehr ...

Was passiert, wenn das Handgepäck zu groß oder zu schwer ist?

Dann muss das Gepäckstück in den Frachtraum. Ist beim Ticket auch Gepäck inklusive, entstehen keine zusätzlichen Kosten, solange das Gewicht des gesamten Gepäcks, also Handgepäck plus aufgegebene Koffer, die Freigepäckgrenze nicht überschreitet. Zahlen muss dagegen, wer einen Billigtarif ohne Koffer gebucht hatte, im Schnitt werden 30 bis 50 Euro fällig. Das Risiko, dass das Gepäck auf der Reise abhandenkommt, ist übrigens in den vergangenen Jahren gesunken. 2016 gingen nach Angaben des Lufttransport-IT-Unternehmen SITA von tausend Gepäckstücken nur 5,73 verloren. Tipps, damit Ihr Koffer ankommt, finden Sie hier.

Haben Passagiere einen Anspruch auf ein Gepäckfach?

Wo Tasche oder Trolley während des Flugs aufbewahrt werden, dürfen die Flugbegleiter entscheiden, einen Anspruch auf einen Platz im Gepäckfach über ihrem Sitz haben Reisende nicht. Airline-Mitarbeiter machen von diesem Recht vor allem dann Gebrauch, wenn es eng wird oder wenn ihnen ein Gepäckstück fürs Fach zu schwer erscheint. Dann muss es unter den Vordersitz, auch wenn das die Beinfreiheit einschränkt. Ist in den Fächern und unter den Sitzen gar kein freies Plätzchen mehr, kann es auch passieren, dass das Gepäck doch noch im Frachtraum landet, obwohl es den Vorgaben entspricht. Zahlen muss der Passagier dafür dann aber nicht.