Flugreisen Einkaufen im Flug

Vor dem Urlaub Kühlschrank ausgeräumt, zurückgekommen – und nichts zum Essen daheim. Das soll Fluggästen künftig nicht mehr passieren.

(Foto: blickwinkel/imago)

Sie sind auf dem Rückflug von einer Reise und haben nichts zu essen daheim? Kein Problem: Künftig können Passagiere direkt an Bord Nachschub für ihren Kühlschrank ordern.

Von Ingrid Brunner

Das Bordshopping zählt zu den wenig beachteten Ritualen während eines Langstreckenflugs - ähnlich wie die Security-Hinweise oder die Bitte, sitzen zu bleiben, bis das Flugzeug seine endgültige Parkposition erreicht hat. Doch nun könnte die Kauflust an Bord Schwung aufnehmen. Nicht Parfüms und Schmuck, sondern die nächste Lieferung für den heimischen Kühlschrank hat Lufthansa in einem soeben beendeten Pilotprojekt in Kooperation mit der Handelskette Rewe angeboten.

Der Bestellvorgang funktionierte wie bei Anbietern am Boden, etwa Frischeparadiesshop, Mytime oder Bringmeister. Nur dass die Passagiere sich für den Einkauf ins Flynet, das Intranet von Lufthansa, auf den eigenen Geräten einwählten. Die Nutzung des Intranets war kostenfrei. Über die Rewe-App bestellten sie dann Obst, Gemüse, Brot, Milchprodukte oder andere Lebensmittel. Getestet wurde auf Langstreckenflügen von den Flughäfen Frankfurt, München und Düsseldorf.

Sechs Wochen gab es das Angebot auf den Flügen von Deutschland ins Ausland, danach sechs Wochen auf den Heimflügen nach Deutschland. "Das Angebot wurde im Lufthansa Newsletter kommuniziert", sagt Sandra Kraft von der Lufthansa-Pressestelle. Die Lieferung wurde bei der Rückkehr an die Haustür gebracht. Ein erstes Resümee: "Wir sind zufrieden damit, wie der erste Test mit einem der großen Anbieter verlaufen ist", sagt Sandra Kraft, Lufthansa werde das Thema weiterentwickeln.

Nach einer Reise braucht fast jeder Lebensmittel. Läden an Flughäfen florieren

Nicht nur einsame Singles, sondern auch Familien und Geschäftsreisende steuern oft direkt nach der Ankunft einen Laden an, um sich mit den nötigsten Waren zu versorgen. Ist man endlich zu Hause, will man eben nicht gleich wieder los. Daraus haben Raststätten, Bahnhöfe und Flughäfen längst ein einträgliches Geschäft gemacht. Viele Mitreisende sieht man nach einem langen Flug im Flughafen-Supermarkt wieder, wie sie mit Einkaufswagen und Rollkoffern durch die Gänge manövrieren. Die Supermärkte am Terminal 1 und 2 des Flughafens München sind von 5.30 Uhr bis 24 Uhr geöffnet. Die Umsatzentwicklung bei den Airport-Supermärkten und Bäckerläden wachse kontinuierlich mit jährlichen Raten zwischen drei und fünf Prozent, sagt Philipp Ahrens von der Flughafen München GmbH.

Das ändert aber nichts daran, dass es Potenzial gibt für einen Lebensmittel-Bestellservice an Bord. Auch auf dem Boden bereitet sich der Handel auf den Online-Verkauf von Lebensmitteln vor. Ein Prozent des Umsatzes wird aktuell online erwirtschaftet. Der IT-Branchenverband Bitkom hat in einer Analyse aus dem Jahr 2016 ermittelt, dass von den Online-Shoppern 28 Prozent bereits auch mal Lebensmittel übers Internet bestellt haben. Insbesondere die demografische Entwicklung werde dafür sorgen, dass diese Art des Einkaufens an Bedeutung gewinnen werde, sagt Julia Miosga, Bereichsleiterin Handel & Logistik bei Bitkom. "Auch die Älteren sind schon hinreichend fit fürs Online-Shopping." Gerade in den letzten Tagen einer Kreuzfahrt oder eben auf einem langen Flug ist vor allem für diese Gruppe attraktiv, sich online erste Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen.

250 Online-Lebensmittelhändler hat der Verbraucherverband 2017 gezählt. "Vor allem bei der Frische sind die Verbraucher skeptisch, und zwar zu Recht", sagt Daniela Krehl, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung beim Verbraucherverband Bayern. Am häufigsten hapere es an der Kühlkette. Und Anbieter, die von einem großen Hauptlager in Deutschland aus liefern, haben - logisch - einen längeren Lieferweg und können weniger lokale und regionale Produkte anbieten. Deshalb hat etwa Amazon Fresh, das bereits in den Startlöchern steht, Verträge mit regionalen Partnern abgeschlossen. Auch mit der Biomarktkette Basic und mit Dallmayr - um besondere Zielgruppen zu erreichen.

Wo ist mein Koffer?

Der Albtraum jedes Flugreisenden: Man ist angekommen, das Gepäck aber nicht. Wie kann das passieren? Und ist Besserung in Sicht? Von Michael Neißendorfer mehr ...

Auch Spezial-Dienstleister können, besonders im Reisemarkt, noch Nischen auftun. Holiday Extras, ein Dienstleister für Angebote rund ums Reisen, hat in einer Umfrage unter circa 1000 Reisenden ermittelt, was diese sich während ihrer Abwesenheit wünschen, damit daheim alles rundläuft. Das Rennen machte mit 31 Prozent das Leeren des Briefkastens. 21 Prozent hätten gerne jemanden, der abends das Licht ein- und ausschaltet. Das waren wohl jene, die noch nie von Zeitschaltuhren gehört haben. Als Geschäftsmodell interessanter ist schon, dass 17 Prozent eine Hilfe für Arbeiten wie Rasenmähen oder das Entrümpeln des Kellers bezahlen würden, während sie im Süden in der Sonne liegen. Einen Besucherdienst für ältere oder kranke Angehörige würden neun Prozent engagieren. Immerhin 13 Prozent würden einen Einkaufsservice, wie ihn Lufthansa nun getestet hat, in Anspruch nehmen.

Der klassische Bordverkauf wird durch das neue Shoppingangebot übrigens nicht verdrängt werden. "Für uns ist der Bordshop ein wichtiger Kanal, damit Miles-and More-Kunden ihre Bonusmeilen einlösen können", sagt Max Löbig, Pressesprecher von Miles and More, einer Tochterfirma von Lufthansa. Geld verdient das Unternehmen aber in erster Linie mit neun Flughafenläden und dem Online-Handel.

Lufthansa jedenfalls denkt daran, das kostenfreie Online-Einkaufsangebot fortzuführen. "Die Klickzahlen gingen in die richtige Richtung", sagt die Lufthansa-Pressesprecherin Kraft. Sie sieht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern beim Online-Einkauf von Lebensmitteln noch ganz am Anfang. "Nutzer an Bord waren vorwiegend jene Personen, die auch schon zu Hause per Mausklick einkaufen", sagt sie. Deshalb will das Unternehmen mittels Ausschreibung den besten, schnellsten und günstigsten Partner für ein künftiges Online-Einkaufs-Portal ermitteln. Kann also sein, dass man sich die Schlepperei von Einkaufstüten zusätzlich zum Koffer auf dem Nachhauseweg bald ganz sparen kann.

Airlines wollen doch nur unser Bestes, oder?

British Airways löst den Streit um gekippte Rückenlehnen und Ryanair bewahrt Passagiere vor Ärger mit zu großem Handgepäck an Bord - dank einer neuen Zusatzgebühr. Von Katja Schnitzler mehr...