Flüge Papst: CO₂-Kompensation für Flugreisen ist Heuchelei

Papst Franziskus über CO2-Kompensation für Flugreisen: Das ist Heuchelei

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Papst Franziskus prangert die CO₂-Kompensation für Flugreisen als scheinheilig an. Mit dieser Logik könnten auch Rüstungskonzerne Krankenhäuser für jene Kinder einrichten, die ihren Bomben zum Opfer fielen.

Papst Franziskus hat die CO₂-Kompensation für Flugreisen als scheinheilig angeprangert. "Die Flugzeuge verschmutzen die Atmosphäre, aber mit einem Bruchteil der Summe des Ticketpreises werden dann Bäume gepflanzt, um den angerichteten Schaden zu kompensieren", sagte er im Vatikan. Wenn man diese Logik auf die Spitze treibe, werde es eines Tages so weit kommen, dass Rüstungskonzerne Krankenhäuser für jene Kinder einrichteten, die ihren Bomben zum Opfer fielen. "Das ist Heuchelei", so der Papst.

Es sei das größte ethische Problem des heutigen Kapitalismus, erklärte Franziskus weiter, dass er Abfälle produziere und dann versuche, sie zu verbergen oder zu behandeln, um sie unsichtbar zu machen. Er forderte ein Wirtschaftssystem, dass die Zahl der Opfer nicht nur verringere, sondern erst gar keine Opfer hervorbringe. Anlass der Äußerungen von Franziskus war eine Audienz für rund 1000 Unternehmer aus aller Welt, die sich dem sozialen Wirtschaften verschrieben haben.

Fliegen so beliebt wie nie

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2016 war Fliegen jedoch so beliebt wie nie. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) in Genf verzeichnete auf allen Airlines insgesamt 3,7 Milliarden Passagiere. Das war ein Plus von 6,3 Prozent. Dazu trug nach IATA-Angaben bei, dass der Preis pro Ticket im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 44 Dollar (aktuell 41 Euro) gefallen ist. Ein weiterer Faktor war demnach auch die Einrichtung von 700 neuen Routen. "Die Nachfrage nach Flugreisen wächst weiter", sagte IATA-Chef Alexandre de Juniac. Er forderte die Regierungen auf, mit der Luftfahrtindustrie zusammenzuarbeiten, damit die nötige Infrastruktur bereitgestellt werden könne. Unter dieser Voraussetzung gebe es ein großes Potenzial für Wachstum und neue Jobs - aber eben auch für klimaschädlichen CO₂-Ausstoß.

Fluggäste können Geld an sogenannte Kompensationsagenturen überweisen. Die Höhe der Summe richtet sich in der Regel nach Flugdistanz, Verbrauch und Sitzklasse. Die Agenturen investieren das Geld dann in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Kritiker sehen in dieser Praxis eine moderne Form des Ablasshandels, die zu vermehrten Flügen führe.