Manche Touristen nehmen herrenlose Tiere mit nach Hause - auch ohne Papiere. Das kann mehr kosten als der ganze Urlaub.
Wenn Touristen ein streunendes Tier am Urlaubsort so sehr ins Herz schließen, dass sie es nach Deutschland mitnehmen möchten, kann das teuer werden, warnt Marie-Luise Ludwig. Sie ist Fachgebietsleiterin vom Kontrollzentrum der Tierstation am Flughafen Frankfurt.
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SZ: Kommt es häufig vor, dass Reisende aus ihrem Urlaub ein Tier mitbringen?
Ludwig: Wir überwachen an der Grenzkontrollstelle nur Tiere aus Nicht-EU-Ländern, da behalten wir jeden Tag durchschnittlich ein Tier. Über Tiere aus EU-Ländern haben wir keine Zahlen. Es kommt aber insgesamt häufig vor, dass Urlauber vor allem Hunde, Katzen oder Vögel mitbringen. Einige Tierschutzorganisationen versuchen sogar, Touristen als Tierpaten anzuwerben, die Straßenhunde und Katzen auf Kosten der Organisation nach Deutschland mitbringen sollen, wo sich die Organisation dann weiter um ihre Schützlinge kümmert.
SZ: Was müssen Flugpassagiere beachten, wenn sie einen Streuner nach Deutschland mitbringen möchten?
Ludwig: Alle Tiere aus EU-Ländern benötigen einen EU-Heimtierausweis, in dem eine mindestens 21Tage alte Tollwutimpfung mit einem zugelassenen Impfstoff dokumentiert sein muss. Außerdem muss jedes Tier durch einen Mikrochip oder eine Tätowierung gekennzeichnet sein. Wenn Touristen also nur zwei Wochen Urlaub machen, können sie die geforderte Frist nicht einhalten.
SZ: Wird jeder Straßenhund aus Spanien am Flughafen kontrolliert?
Ludwig: Nein, das kann das Flughafenpersonal gar nicht leisten. Wer aus Mallorca kommt und sein Hündchen dabei hat, der wird höchstens mal in Stichproben gefragt, ob er den EU-Heimtierausweis besitzt. Wenn man mit einem Hund im Auto durch Europa fährt, wird der ja auch nur selten kontrolliert.
SZ: Macht man sich strafbar, wenn man ein Tier ohne Papiere einführt?
Ludwig: Wer für sein Tier nicht die richtigen Dokumente besitzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Aber bereits ohne Bußgeld ist der Reisende mit den hohen Gebühren, die für die Einfuhr anfallen, unserer Meinung nach genug gestraft.
SZ: Welche Kosten kommen auf den Tierhalter zu?
Ludwig: An Verwaltungsgebühren fallen insgesamt etwa 250 Euro an, hinzu kommen täglich bis zu 30 Euro für die Quarantänestation, in der jedes Tier ohne Papiere zunächst gebracht werden muss. Da wir nur für zehn Tiere Platz haben, vermitteln wir sie so schnell wie möglich an andere Quarantäne-Einrichtungen, was zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Euro kostet. Bei diesen Beträgen hat der Besitzer häufig längst sein Interesse an dem Tier verloren.
SZ: Was geschieht, wenn der Reisende diesen Betrag nicht aufbringen kann?
Ludwig: Der Besitzer darf das Tier nur zurückfliegen lassen, wenn es jemand am Zielflughafen in Empfang nehmen kann. Dann informiere ich die Fluggesellschaft darüber, dass sie illegal ein Tier transportiert hat und nehme sie in die Pflicht. Bei einem herrenlosen Straßenhund gibt es diese Möglichkeit natürlich nicht. Manchmal übernehmen dann Tierheime die Kosten und versuchen, die Tiere weiter zu vermitteln.
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(SZ vom 13.9.2007)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
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