Fernbusfahren im Selbstversuch Tag 3: Von Magdeburg nach Möckern

Tag 3: Von Magdeburg nach Möckern

Am Konrad-Adenauer-Platz steht zufällig auch der Busbahnhof Magdeburg, und in dessen Warteraum steht Detlef Damm am Kaffeeautomat und wundert sich, dass ich tatsächlich bei ihm bis Loburg mitkommen will: "Sie wissen aber, wo Sie da hinfahren?", fragt der Busfahrer, die Betonung liegt dabei auf dem "Wo". Eigentlich wollte ich ja sogar bis nach Neißeaue bei Görlitz, der östlichsten Gemeinde Deutschlands. Aber mein Plan, zumindest bis Dresden ein Teilstück auf einer internationalen Busverbindung zu fahren, geht nicht auf. "Mitfahren können Sie schon", hat die Servicemitarbeiterin von Berlin Linien Bus gesagt, als ich mich danach erkundigt habe. "Wir können Sie ja nicht mit Gewalt im Bus halten bei einem Zwischenhalt." Aber ich müsste den vollen Preis bis ins bulgarische Sofia bezahlen, 107 Euro. Das wäre Irrsinn. Bis Neißeaue sind es von Magdeburg aus noch mehr als 300 Kilometer. Deutschland ist breiter als gedacht.

Immerhin nimmt mich Detlef Damm noch bis nach Loburg mit, einem Stadtteil von Möckern, 40 Kilometer östlich von Magdeburg. Umgeben von Schneeäckern und wolkenverhangenem Himmel kann man sich bei der Fahrt durchs Jerichower Land ganz gut vorstellen, dass gleich rechts neben der Straße die niederländische Grenze liegt. Eine Phantasie, die aber nur bis zur Ortseinfahrt funktioniert. "Möckern ist die viertgrößte Stadt Deutschlands", erzählt Detlef Damm, "aber nur flächenmäßig." Auf der menschenleeren Hauptstraße im eingemeindeten Loburg reihen sich verlassene Geschäfte und Wohnhäuser mit zersprungenen, zugemauerten oder mit Matratzen verbarrikadierten Fenstern aneinander.

In Magdeburg wird jedes Jahr eine große Jobmesse veranstaltet, um junge Menschen vom Wegziehen abzubringen. Hier aber bekommt man das Gefühl, dass gar keine Jugendlichen mehr da sind, die man zum Dableiben überreden könnte. Eine Jahrgangsstufe der örtlichen Sekundarschule wurde schon gestrichen, weil die Mindeststärke für die Klasse nicht zusammenkam. Als mich Detlef Damm an den zugewucherten Gleisen des stillgelegten Bahnhofs absetzt, denke ich, dass die ganzen jungen Kreativen mal hier aus dem Bus steigen sollten statt in Berlin. Das wäre eine klassische Win-Win-Situation.