Wie auch das Tor des Himmlischen Friedens. Das ist angeblich ein paar hundert Jahre alt. Es soll unter der Herrschaft des Qing-Kaisers Shunzhi unter dem Namen Tian'anmen errichtet worden sein. Ganz falsch ist das nicht.
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Aber das Tor, ein ehrfurchtgebietender, 34 Meter hoher Prachtbau, der den südlichen Eingang zum Kaiserpalast markiert und die Verbindung von Himmel und Erde symbolisiert, wurde in den 1970er Jahren hinter Gerüsten versteckt und vollständig auseinandergenommen: Fundament, Säulen, Dach. Alles.
Damals hieß es, man renoviere das Tor. Heute weiß man: Es wurde einfach komplett neu erbaut - und zwar gleich mal ein bisschen schöner. Das Tor kann von Glück sagen, dass es nicht auch größer errichtet wurde. Wie beispielsweise die Altstadt von Peking, wo man die Wände erst mit Beton ummantelt hat, um dann die alten Mauertexturen wieder draufzumalen.
Eine staunenswerte Neuerfindung verbirgt sich auch hinter dem "Paulaner" im Kempinski Hotel Beijing Lufthansa Center. Dorthin flüchten nicht nur die deutschen, insbesondere die bayerischen Touristen, die mitten in Peking Sehnsucht nach bestimmten Speisekarten empfinden. Solche, die zum Beispiel darüber informieren: "The Weißwurst is served traditionally for its optimal taste with sweet mustard, salt-pretzel and Munich beer."
Weißwürste für die Haute-Volée
Die Haute-Volée, der Pekinger Jetset: Man lässt sich hier blicken - in Lederhosen und im Dirndl, wobei Stammgäste ihren Keferloher mit eingraviertem Namen und Nummer der Mitgliedschaft im "Paulaner Club" erhalten. Resi heißt die Bedienung aber nicht. Auf ihrem Schildchen steht: Monica Li.
Etwas außerhalb vom Zentrum, zwischen dem fünften und sechsten Ring, findet sich das Bauvorhaben Hot Spring Leisure City. Hier wird gerade eine Phantasie-Stadt in Windeseile zusammengetackert, samt Villen für je eine Million Euro und, wieder mal, größter Shopping Mall der Welt. Das Ganze wird rund um eine "jahrhundertealte" kaiserliche Residenz errichtet, die man auf einer künstlichen Insel dem Original nachempfunden hat.
Man hat sie kurzerhand neu erfunden, denn so lässt sich das hoheitliche Schlafgemach besser als Hotelsuite vermieten. Die 25 000 Dollar pro Übernachtung hätte sich der Vorbesitzer, ein Verwandter des Kaisers von China, auch gar nicht leisten können.
Das gilt auch für den Reisbauern, von dem es heißt, er habe all sein Geld verloren, weil man ihm falsches Saatgut angedreht hat. Da geht er in seiner Not nach Hause und will sich mit Gift umbringen. Zum Glück wirkt es nicht. Es ist gefälscht.
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(SZ vom 24.7.2008)
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