Wer wissen will, ob ihn im Ferienort am Mittelmeer, an der Atlantikküste oder im Voralpenland Algenblüte, Ölspuren oder Colibakterien erwarten, kann sich von der EU informieren lassen.
Wer früher zum Baden fahren wollte, der bekam von Conny Froboess den schlichten Rat, seine Badehose einzupacken, sein Schwesterlein an die Hand zu nehmen und dann nichts wie rauszufahren an den (Wann-)See.
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Heutzutage kann ein solcher Ausflug für den pflichtbewussten Badegast in richtige Arbeit ausarten. Dann nämlich, wenn er sich die Mühe machen will, herauszufinden, welche Ferienziele in Europa der strengen EU-Badewasser-Richtlinie genügen.
Pünktlich zur Sommerzeit hat die EU-Kommission ihren jährlichen Badewasser-Report veröffentlicht (nachzulesen mit Karte unter http://water.europa.eu/bathingwater). Er listet nicht weniger als 21.368 Badeplätze in Europa auf und teilt sie in "gute", "weniger gute" und "schlechte" Schwimmplätze ein.
Die Daten stammen von 2007, erlauben aber dennoch Rückschlüsse auf die laufende Saison. Wer also abschätzen will, ob ihn im Ferienort am Mittelmeer, an der Atlantikküste oder im Voralpenland Algenblüte, Ölspuren oder Colibakterien erwarten, der kann sich seit diesem Montag von seinem Computer aus haufenweise Statistiken und bunte Tabellen herunterladen.
Blaue Hütchen signalisieren unbeschwerte Badefreuden. Grüne Hütchen stehen für durchschnittliche Wasserqualität, die aber den Anforderungen entspricht. Die gute Nachricht vorweg: Blau und Grün sind die vorherrschenden Farben auf der Europa-Karte.
Rote Hütchen in Schleswig-Holstein
Rote Hütchen muss man wie Warnschilder lesen. Etliche davon tauchen rund um Binnengewässer in Schleswig-Holstein auf. Es gibt auch noch dunkle Hütchen. Sie geben an, wo Badestrände mitten in der Saison geschlossen wurden. In Italien war das 2007 immerhin 300 Mal der Fall, knapp sechs Prozent aller Badeplätze waren betroffen.
In Deutschland ist der Badespaß an Küsten und Binnengewässern laut aktuellem EU-Report meistens ungetrübt. Allerdings wurde die Qualität an 20 von 350 Stränden an Nord- und Ostsee beanstandet, das sind etwas mehr als noch im Jahr zuvor. Unter den 1589 Badestellen an deutschen Binnengewässern erreichten 4,2 Prozent (2006: 4,5 Prozent) nicht den EU-Standard.
Erstmals gab es auch Wasserdaten aus den neuesten EU-Mitgliedsstaaten Rumänien und Bulgarien. Während Bulgarien gute Werte erzielte, muss sich Rumänien für seine Tourismus-Werbung noch etwas einfallen lassen: Unter den gemeldeten 35 Badeplätzen trägt nur einer ein blaues Hütchen.
Umweltkommissar Stavros Dimas aber kann sich auf den Urlaub freuen. Das Wasser an der Küste nahe der Stadt Korinth, wo er baden will, sei "exzellent", freute sich der Grieche.
Die positive Seite der EU-Regelungswut
Dimas hat die Ergebnisse der paneuropäischen Wasserprüfung persönlich vorgestellt. Zeigt sich hier doch die berüchtigte europäische Regelungswut auch einmal von ihrer guten Seite. Schließlich ist es nur die ständige Nerverei aus Brüssel, die alle Jahre wieder Kontrolleure in inzwischen 27 Mitgliedsstaaten dazu zwingt, Inventur an Küsten und Seen zu machen und regelmäßige Hygieneberichte nach Brüssel zu schicken.
Einige Staaten versuchen allerdings, sich dieser lästigen Pflicht zu entziehen. Sie streichen einfach Badestellen von der Liste, bevor sie in Brüssel beanstandet werden können. Nicht nur wegen dieses Tricks raten Verbraucherschützer allen Badegästen, die genau wissen wollen, was um sie herum schwimmt, zumindest in Deutschland die aktuellen Wasserdaten beim jeweiligen Gesundheitsamt zu erfragen.
- Deutsche Küsten Getrübter Badespaß 02.06.2008
- Baden in Europa Nicht nur sauber, sondern rein 01.06.2007
- Ausgezeichnet Die besten Strände Italiens 12.06.2006
(SZ vom 3.6.2008)
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