Erhebung der Pilotenvereinigung Mängel an deutschen Flughäfen

Viele der kleinen Flughäfen in Deutschland haben nach Ansicht der Pilotenvereinigung Mängel. Der Frankfurter Airport kämpft indes mit einem anderen Problem.

Zehn deutsche Regionalflughäfen haben erhebliche Mängel. Das geht aus der alljährlichen Liste der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) hervor. Hauptgründe für Beanstandungen sind unter anderen schlechte oder fehlende Markierungen oder unzureichende Befeuerung von Start- und Landebahnen oder Rollwegen, wie ein Cockpit-Sprecher erklärte.

Auch der Regionalflughafen in Mannheim wurde beanstandet.

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Untersucht wurden insgesamt 32 Flughäfen, die regelmäßig von Verkehrsflugzeugen angeflogen werden. Beanstandet und deshalb mit Mängelsternen gekennzeichnet wurden die Flughäfen Altenburg, Heringsdorf, Mannheim, Lübeck, Memmingen, Hof, Zweibrücken, Lahr, Westerland und Rostock/Laage.

Mehr als Mindeststandard

"Die meisten deutschen Flughäfen halten die internationalen Sicherheitsstandards ein", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung, Jan Krawitz. Aber die Erfüllung eines Mindeststandards sei nicht ausreichend. Als komplett mängelfrei bezeichnet Cockpit nur die Flughäfen Berlin/Schönefeld, Leipzig und München. Als häufigste Ursachen für geringe Mängel werden unter anderem verkürzte Anflugbefeuerungen oder auch fehlender Anti-Schleuderbelag genannt.

Als besonders gefährlich werten es die Experten, wenn Start- und Landebahn auch als Rollweg benutzt werden. "Ein Flugzeug muss unserer Ansicht nach getrennt von dem startenden und landenden Verkehr zur aktiven Startbahn geführt werden", heißt es in der Mängelliste. Unkommandiertes Aufrollen oder Einfahren in den Bereich einer aktiven Start- und Landebahn müsse verhindert werden.

Ein Unfall ist schnell passiert

Dass ein Flughafen nicht viel Verkehr haben muss, um auch unter besten Sichtbedingungen einen beinahe katastrophalen Unfall zu produzieren, zeige ein Fall vom Mai vergangenen Jahres aus Zweibrücken. Aufgrund eines Missverständnisses zwischen Lotsen und Pilot sei ein Flugzeug auf die aktive Startbahn gerollt, "wo sich gerade ein Airbus A319 im Startlauf befand, der wegen der bereits hohen Geschwindigkeit nicht mehr abgebrochen werden konnte".

Das Passagierflugzeug überflog die zweite Maschine in gerade einmal 130 Metern Höhe. Die Pilotenvereinigung fordere deshalb, wie es auch eine Empfehlung der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO vorsehe, Signalanlagen an allen Kreuzungen zwischen Rollwegen und Startbahnen. Noch besser seien rote, schaltbare Stoppstreifen - sogenannte Stopbars.

Sechs der beanstandeten Flughäfen haben nach Angaben der Pilotenvereinigung bereits auf die Mängelliste reagiert und Verbesserungen geplant oder mit der Umsetzung begonnen. Bereits seit 31 Jahren untersucht Cockpit jährlich die deutschen Verkehrsflughäfen in einem Sicherheitscheck. Seit 1996 werden auch die Regionalflughäfen einbezogen.

"Das Sicherheitsniveau an deutschen Flughäfen gilt heute als hoch, und die VC pflegt mit den Flughäfen und zum Beispiel der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen einen kontinuierlichen, engen Dialog. Dennoch besteht ­ auch unter Einbeziehung immer neuer Erkenntnisse aus der Flugunfallforschung und -prävention ­ keinerlei Anlass, diese jährlichen Überprüfungen einzustellen", betonen die Piloten.

Wasser am Frankfurter Flughafen verunreinigt

Unterdessen teilte die Flughafenbetreibergesellschaft Fraport mit, dass das Trinkwasser am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main ist stellenweise mit gefährlichen Kolibakterien belastet sei. Die Verunreinigung wurde bei Kontrollmessungen vor allem im südlichen Teil des Flughafens festgestellt. Im Bereich der Passagierterminals und Flughafenhotels seien bislang keine Kolibakterien entdeckt worden.

Trotzdem empfahl Fraport, das Wasser zur Bereitung von Nahrungsmitteln am Flughafen bis auf weiteres nur abgekocht zu verwenden. Der Flughafen wird täglich von 100.000 bis 200.000 Menschen besucht. Die Ursache der Verunreinigung ist bislang unklar. Nach Angaben von Unternehmenssprecher Klaus Busch wird es voraussichtlich mehrere Tage dauern, bis geklärt ist, wie die Bakterien ins Leitungsnetz kommen konnten. Fraport ergriff nach eigenen Angaben erste Gegenmaßnahmen. So wurde der Chlorgehalt des Wassers erhöht. Die betroffenen Leitungsabschnitte sollen zudem gespült werden.

Waschen und Duschen im Bereich des Flughafens und seiner Hotels gilt den Angaben zufolge als unproblematisch. Kenner des Flughafens verwiesen darauf, dass auf dem Airport-Areal derzeit an zahllosen Stellen gebaut wird. Möglicherweise sei an einer der Baustellen durch Unachtsamkeit Schmutzwasser in das Trinkwassersystem gelangt.