Ende der Reise Please no Handgranaten

Klopapier, E-Gitarre, Smartphone. Die Liste der materiellen Segnungen, die aus den USA zu uns kommen, ist lang. Aber nichts ist so effizient wie manch geistiger Export. Deshalb fühlen sich die amerikanischen Touristen bei uns auch so wohl.

Von Hans Gasser

Ach, Amerika! Unter den zahllosen tollen Dingen, die es uns geschenkt hat, finden sich nicht nur die Zuckerwattemaschine, der Teddybär und die Klopapierrolle; in jüngerer Zeit kamen noch diverse unwichtige Erfindungen wie der Personal Computer, das Smartphone und Facebook dazu. Aber was uns wirklich vorangebracht hat, ist das uramerikanische Bekenntnis, nein, nicht "anything goes", sondern natürlich: "safety first". Dieser Glaubenssatz ist zu uns herübergeschwappt, viel schneller und effizienter als die rund zwei Millionen US-Touristen, die Deutschland pro Jahr besuchen. Für die musste man ja erst teure Werbung machen, Märkte bearbeiten, Flughäfen bauen.

Das Prinzip, dass Spaß zwar okay ist, aber in jedem Falle die Sicherheit Vorrang hat, das hat es mit großer Leichtigkeit nach Deutschland geschafft. Ist ja natürlich auch den Deutschen nicht ganz fremd, und wer weiß, vielleicht hat der Erfinder des Prinzips - wie so viele andere amerikanische Erfinder - ebenfalls deutsche Wurzeln.

Vor allem im Tourismus dürfen wir tagtäglich seine Segnungen erleben: Fluggastdatenspeicherung, Nacktscanner, Mineralwasserverbot im Handgepäck. Und bitte Nasenspray und Augentropfen in diese zuzippbaren Gefrierbeutel - und nur in diese! Es geschieht zu unserer Sicherheit.

Kein Wunder, dass sich amerikanische Gäste in good old Germany so dermaßen wohlfühlen und hier zur drittwichtigsten ausländischen Touristennation geworden sind. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) hat viele Daten über sie gesammelt, auch so eine Fertigkeit, die wir gekonnt übernommen haben. Wir wissen deshalb, dass US-Bürger am liebsten nach Bayern und am zweitliebsten nach Berlin reisen. Sie geben im Schnitt exakt 254 Euro pro Tag aus, Shopping ist neben Sightseeing eine ihrer liebsten Urlaubsbeschäftigungen. Als positiv fällt ihnen laut DZT an Deutschland auf, dass die Menschen Englisch sprechen, die Gastronomie hervorragend sei und die Germans bei Hygiene und Sicherheit weit vorne lägen.

So war es vielleicht nur eine kleine Prüfung, als jüngst ein amerikanischer Tourist zwei Handgranaten und ein wenig Munition als Fluggepäck aufgeben wollte. Hatte er auf Rügen gefunden, Zweiter Weltkrieg. Die Granaten waren mit Sand gefüllt, das sah man aber nicht sofort, weshalb das Terminal in Hamburg evakuiert wurde. Der Abenteuertourist wurde festgenommen, durfte aber kurze Zeit später locker ausreisen. Was wäre mit ihm wohl in den USA passiert? Richtig. Es gibt noch was zu tun!