Ende der Reise Karaoke auf Isländisch

Isländer beherzigen eine bewährte Strategie: Umarme den Feind, den du nicht besiegen kannst! Also nehmen sie auch die Touristen richtig in die Mangel.

Von Stefan Fischer

Touristen wollen manches gerne sein - bloß keine Touristen. Entweder wollen sie so sein wie zu Hause auch, lediglich ein kleines, manchmal sogar ein großes bisschen enthemmter. Oder aber sie wollen so sein wie die Einheimischen. Also genau dort essen und ausgehen und flanieren, wo die dauerhaften Bewohner bis vor ein paar Jahren noch glücklich unter sich waren. Sie kaschieren ihre Identität und eignen sich stattdessen eine fremde an in der irrigen Erwartung, auf diese Weise von all den mehr schlecht als recht Imitierten fröhlich akzeptiert zu werden.

Ein Irrtum, wie sich immer häufiger herausstellt. Am liebsten ist den meisten Einheimischen, wenn sie von Besuchern nur deren Geld sehen und die Urlauber ansonsten ihrer touristischen Wege gehen, die sich eben selten mit den alltäglichen Strecken der Bewohner kreuzen. An etlichen spanischen Stränden und in Neuschwanstein klappt das wunderbar. Andernorts müssen die Besuchten perfider vorgehen. Die Isländer zum Beispiel müssten sich selbst in Reservate zurückziehen, wollten sie die Gäste meiden. Denn auf einen der rund 340 000 Einwohner kommen aufs Jahr gerechnet inzwischen sieben Touristen.

Also beherzigen die Isländer eine von alters her bewährte Strategie: Umarme den Feind, den du nicht besiegen kannst! Und weil Isländer kräftige Leute sind, packen sie ordentlich zu und nehmen die Touristen richtig in die Mangel - stets mit gebührender Herzlichkeit. Ihr wollt so sein wie wir? Könnt ihr haben! Und was wäre geselliger und echter, als miteinander zu singen? Eine isländische Karaoke-Nummer, damit jeder hören kann, wie ganz und gar untouristisch die Touristen sich geben. Ausgedacht hat sich den Song, in dem es unter anderem um "bílaleigubíll" und "hringvegurinn" geht, die Tourismus-Agentur des Landes - die sich offenkundig auch für das Wohlergehen der Isländer zuständig fühlt. Denn egal, wie viel sie trinken, das wird bei den wenigsten Eindringlingen flutschen. Nächstes Jahr werden sie wieder heimisches Liedgut am Ballermann grölen.