Ende der Reise In Liebe verpestet

New York wäre ohne den Central Park ein Monster ohne Lunge.

(Foto: Mike Segar / Reuters)

Ohne Bäume wäre das Reisen ärmer. Aber darf ich das? In die Wüste Namibias oder die letzten Regenwälder fliegen, um Wald zu sehen?

Von Dominik Prantl

Es ist angesichts der geballten Ignoranz im Weißen Haus heutzutage ja kaum mehr zu glauben, dass sich republikanische US-Politiker irgendwann einmal auch nur für einen einzigen Baum in der Welt eingesetzt haben. Tatsächlich war es im Jahr 1926 allerdings Calvin Coolidge, ein Republikaner, der als Präsident den schon damals sehr alten und sehr großen General Grant Tree zum Weihnachtsbaum der Nation und damit für unfällbar erklärte. 30 Jahre später machte Dwight Eisenhower, ebenfalls Präsident und Republikaner, den heute mehr als 80 Meter hohen und nach seinem Volumen zweitgrößten Baum der Erde zur nationalen Gedenkstätte - die inzwischen auch als touristische Attraktion dient. Auf dem Bewertungsportal Tripadvisor hat der General Grant Tree Trail bei 593 Rezensionen eine Bewertung von 4,5 und ist damit die Nummer 4 von 42 Aktivitäten im Sequoia und Kings Canyon Nationalpark.

Ohne Bäume wäre der Tourismus nicht nur ärmer; er wäre erbärmlich. Das gilt keineswegs nur für jene Menschen, die im Bayerischen Wald gerne nach Luchsen suchen oder im Urlaub unbedingt eine Buche in die Berge pflanzen wollen. Die skandinavischen Wälder wären ohne Bäume eine witzlose Weite und New York ohne Central Park ein Monster ohne Lunge. In Malaysia rennen die Urlauber nicht in die langweiligen Monokulturen namens Ölplantagen, sondern in die letzten Überbleibsel des Regenwaldes. Selbst in der Wüste Namibias werden die berühmten Dünen am meisten dort besichtigt, wo sie von Bäumen unterbrochen werden. Und auch die meisten Strände erhalten ihr besonderes Flair erst durch jene Gewächse, die man vielleicht als Botaniker niemals zu den Bäumen zählt, aber als Urlauber allemal. Es heißt ja nicht umsonst Palmtree.

Nur stellt die große Liebe zum Baum den Reisenden wie so vieles vor ein Dilemma: Darf ich das? Mich samt Schadstoffausstoß bis ans Ende der Welt in den Wald fliegen lassen, ganz nach dem Motto: Lasst uns exotische Bäume bestaunen, solange sie sich noch verpesten lassen? Gäbe es nicht auch daheim schöne Exemplare, den Ahorn im Karwendel oder die Tausendjährige Eiche bei Eisholzried? Na ja, ehrlich gesagt sollte es doch auch schon reichen, dass wir neuerdings immer ganz brav Recyclingpapier kaufen.