Ende der Reise Immer mit der Ruhe

Wann kommt er endlich, der Weltuntergang? Egal, denn bis dahin gibt es rund um ihn viel zu erleben, von Ausstellungen bis zum apokalyptischen Festival.

Von Stefan Fischer

So viel Einsehen hatte sogar der gemeinhin nicht gerade zimperliche Weltgeist: Er kann nicht erst die Hochzeit des Jahres über die Bühne gehen lassen und dann nur zwei Tage später die Welt in den Abgrund stoßen. Insofern ist auch in diesem Jahr wieder der Weltuntergang ausgeblieben. Selbst das kann man dem Weltgeist natürlich als Perfidie auslegen: Somit können sich die Menschen länger fürchten. Speziell den Briten diente die Vorfreude auf die royale Trauung zur Realitätsflucht. Jetzt, wo die Hochzeitstorte gegessen ist (bis auf ein letztes Stück, das irgendwann für viel Geld versteigert werden wird, wie schon 2014 ein Stück der Torte Jahrgang 1986 von Diana und Charles), jetzt also fallen sie zurück in ihre alte Tristesse, ernüchtert und also in vollem Bewusstsein dessen, was da auf sie zukommt. Denn egal, wie viel verschimmeltes Backwerk man dereinst verkaufen wird: Die Folgen des nahenden Brexit wird man, das ist heute schon gewiss, damit nicht aufwiegen können. Wenn man so will, ist den Briten der Untergang ihrer Welt also sicher.

Doch auch die übrigen Menschen sollen sich bloß nicht in Sicherheit wiegen. Der nächste 21. Mai kommt bestimmt - aber ob danach noch etwas kommt? Der 21. Mai, das sei allen Nichthysterikern gesagt, ist der von führenden Esoterikern prophezeite Weltuntergangstag. Gut beraten ist, wer sich beizeiten wappnet. Man kann, einem alten Witz folgend, wahlweise nach Mecklenburg oder aber nach Louisiana reisen, weil dort alles immer erst Jahrzehnte später passiert. Und auch in der eher behäbigen Schweiz vertrauen sie darauf, dass zumindest bis 2022 alles beim Alten bleibt. So lange kann man im Naturhistorischen Museum in Bern noch eine Ausstellung über den Weltuntergang sehen.

Wer stattdessen beim Weltuntergang dabei sein und ihn in vollen Zügen genießen möchte, kann die Apokalypse schon einmal üben: In Kalifornien wird jeden Herbst ein langes Wasteland Weekend zelebriert, nach eigener Auskunft das weltgrößte postapokalyptische Festival. Wenn es dann so weit ist mit dem Untergang, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Vorsichtigen können aus der Distanz zuschauen. Ein Langstreckenflug eignet sich da oder eine unterirdische Bleibe etwa in einer Opalmine in Coober Pedy. Die Unerschrockenen werden unterdessen in Barcelona oder auf Mallorca sein. Und spätestens am 21. Mai 2024, der wieder in die Pfingstferien fällt, wird es endlich gelingen: mit Millionen Gleichgesinnten die Welt aus den Angeln zu heben. Bis dahin gilt, was die Band Geier Sturzflug im Neue-Deutsche-Welle-Hit gesungen hat: "Besuchen Sie Europa, solange es noch steht!"