Ende der Reise Der Mensch ist sich selbst ein Hai

Es gibt größere Gefahren als gefräßige Fische. Immer öfter sterben Touristen beim Versuch, ein Selfie zu schießen.

Von Stefan Fischer

"No sports", dieser angebliche Ausspruch Winston Churchills ist zwar nicht belegt. Aber einem klugen Mann traut man eben auch diese weise Erkenntnis zu. Churchill hat Großbritannien als Erster Lord der Admiralität, Munitionsminister und schließlich Premier durch beide Weltkriege bugsiert. Das macht man nicht, damit sich die Leute anschließend ihre Gesundheit in irgendwelchen Kreisligen ruinieren. Noch drastischer drückt sich die Ablehnung sportlicher Betätigung im Deutschen aus: "Sport ist Mord"!, sagen die, die wissen, dass Laufen, Kicken, Springen eben gerade nicht förderlich für die Gesundheit sind.

Wobei ein Missverständnis vorliegt, wenn es ums Abwägen der konkreten Bedrohung geht: Es sind gar nicht die als besonders mörderisch angesehenen Risikosportarten wie Klettern, Downhillfahren oder Gleitschirmfliegen, die am gefährlichsten sind. Sicher, wenn da etwas passiert, sind die Folgen gleich gravierend. Es passiert aber eben relativ selten etwas. Wohingegen in jeder Fußballmannschaft unentwegt zwei Spieler wegen Kreuzbandrissen fehlen, im Tennisteam immer einer passen muss wegen einer Gelenkreizung und Skifahrer sich ohnehin alle naslang ihre Haxn brechen oder Schultern auskugeln.

"Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um", heißt eine weitere hilfreiche Lebensmaxime. Nur wissen zu viele Menschen nicht, Gefahren tatsächlich auch richtig einzuschätzen. Da verzichten sie aufs Mountainbiken, gehen stattdessen bloß ein bisschen im Park bolzen und glauben, sie täten das Richtige. Auf Reisen machen sie es nicht besser. Die Angst vor Hai-Attacken schnürt die meisten Touristen enger ein als jedes All-inclusive-Bändchen am Handgelenk. Sie gehen nicht Surfen, sie schwimmen nicht zu weit hinaus, auch nicht in der Ägäis, weil man weiß ja nie.

Derweil übersehen sie die naheliegenden und zudem viel größeren Gefahren - zum Beispiel das Fotografieren! Und da reden wir nicht nur über verrenkte Hälse, überdehnte Ellbogen und verdrehte Kniegelenke: Weltweit kommen doppelt so viele Touristen zu Tode beim Versuch, ein Selfie zu schießen, wie durch gefräßige Fische. Zuletzt ist ein Japaner eine Treppe des Taj Mahal hinuntergefallen, andere stürzen von Brücken oder werden von Zügen überrollt. Weil sie nur Augen für Sehenswürdigkeiten haben, für Bauwerke also und für sich. Zu aller Sicherheit muss deshalb gelten: "No photos". Welcher berühmte Staatsmann hat das eigentlich dauernd gesagt?