Ende der Reise Berlin, Berlin, oh Air Berlin!

So sind die Menschen: Verschwindet etwas auf immer, klammern sie sich an die Erinnerung - und zahlen viel Geld für die Überbleibsel.

Von Hans Gasser

Bald ist wieder ITB. Anfang März wird die Welt, oder vielmehr jener Teil, der mit Tourismus sein Geld verdient, auf die weltgrößte Reisemesse in Berlin reisen. 10 000 Aussteller und mehr als 100 000 Fachbesucher werden erwartet! Da wird es manchen mit Wehmut erfüllen, dass er nicht mehr mit der doch irgendwie coolen Air Berlin auf dem praktischen, weil sternförmigen Flughafen Tegel landen kann. Ja, die Insolvenz, es ist eine traurige Geschichte.

Und doch gibt es ein wenig Trost, denn es schlägt die Stunde der Nostalgiker. Wie immer, wenn etwas auf immer verschwindet, klammern sich die Menschen an das, was bleibt. Vor einigen Wochen wurden unter großem Medienrummel Artefakte aus dem Fundus der rot-weißen Fluglinie für rekordverdächtige Summen versteigert. Da waren einem Bieter 100 Air-Berlin-Schokoherzen 352 Euro wert, ein doppelter Businessclass-Sitz ging für rund 3000 Euro weg und ein seltsames Bärenmaskottchen mit Fliegermütze und Air-Berlin-Uniform gar für 9200 Euro. Und nicht etwa nur unter deutschen oder gar Berliner Bietern. 40 000 Interessenten aus 30 verschiedenen Ländern hatten sich für die Auktion angemeldet - fast schon ITB-Niveau. Die Gläubiger durften sich über mehrere Hunderttausend Euro freuen.

Darum darf man gespannt sein, was die neue Versteigerungsrunde des eher immateriellen Air-Berlin-Nachlasses bringt. Jetzt geht es um die Namensrechte und Internetadressen, die einst der stolzen Fluglinie gehörten. Einen Kauf der Rechte an "Air Berlin" soll der Berliner Senat kurzzeitig erwogen haben, um den Namen der Stadt weiterhin durch die Lüfte zu tragen - indem man ihn vielleicht mal wieder einer anderen Fluglinie zur Verfügung stellt. Die Politiker sind allerdings ziemlich schnell davon abgekommen, der schlechte Service in den Monaten vor der Insolvenz sowie die weiterlaufenden Millionenbezüge des Ex-Air-Berlin-Chefs haben den Namen dann doch etwas verbrannt.

Aber es gibt auch jede Menge unverbrauchter Domains, die für die in Berlin zusammenkommenden Touristiker attraktiver sein könnten als zum Beispiel ichbineinairberliner.com: mallorca-shuttle.com wäre zu haben, auch we-fly-europe.com. Als Verkaufsschlager könnte sich die Domain jubelpreise.com erweisen. Wer diese Domain jetzt eintippt, darf noch einmal die Worte lesen, mit denen die Crew sich kürzlich verabschiedete: "Tschüss, auf Wiedersehen und bye-bye!" Hach!