Merkel kommt nach Peking und rügt gefälschte Markenprodukte. Ihre Landsleute gehen derweil auf den Fake-Märkten shoppen. Ist ja auch alles viel billiger hier.
Am Tag, an dem Angela Merkel ihre Koffer für China packt, ist wie immer Hochbetrieb im Pekinger Pearlmarket. Ein Paradies für Einkaufswütige. Auch für deutsche Touristen ein beliebter Ort, viele Reiseführer weisen auf ihn hin. Auf fünf Etagen wird so ziemlich alles angeboten, was man immer schon einmal haben wollte - bisher aber viel zu teuer war. Hier in Peking ist das anders. "Cheaper,Cheaper!", schallt es überall durch die Halle.
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(© Foto: Reuters)
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Im Pearlmarket muss man handeln können. Angeblich hilft es, wenn der Käufer eine Visitenkarte des ein oder anderen in Peking ansässigen deutschen Unternehmens zeigt.
Zwei Tage später ist die Bundeskanzlerin in Chinas Hauptstadt und rügt Fälschungen. Ein solcher Markt besteht aber fast nur aus Fakeprodukten.
"Come and look", ruft eine Verkäuferin. Sie wedelt mit einem Nokia Handy. "It's a fake", sage ich ihr ins Gesicht. Sie sieht mich böse an. "No, no", sagt sie. Aber da bin ich schon am nächsten Stand.
In einer Vitrine liegen fünf iPods. Sie sind schick, zum Anknipsen ans Hemd, und kleiner als eine Streichholzschachtel. Und sogar originalverpackt.
Umgerechnet 80 Euro soll ein Gerät kosten. Auf keinen Fall, sage ich - und nach etlichen zähen Verhandlungsrunden kosten zwei iPods gerade mal 24 Euro. Die sind nun aber wirklich mal echt, denke ich - und sehe erst im Hotel beim Auspacken, dass nur eines der Geräte einen Schriftzug auf der Rückseite hat.
In einem anderen Stockwerk des Pearlmarkets liegen Marken-Taschen. Es gibt Bags von Chloe und Cloe, von Hugo Boss, Chanel und von Canel. Eine deutsche Reisegruppe ist schon kräftig am Verhandeln. Besonders beliebt: Hermes- und Gucci-Taschen. Doch die Qualität der Fakes ist unterschiedlich.
"No leather", sage ich, ich bin ja nicht blöd. Eine Freundin hatte sich explizit eine Faketasche als Mitbringsel gewünscht.
"Come", zischelt mir einer zu. In einem Lager ein paar Straßen weiter gibt es die gesamte Taschen-Palette zu bestaunen: Von billigen Plastikteilen bis zu aufwendiger gemachten Modellen. Diese verkaufen wir sogar in den Gucci-Läden, meint die Verkäuferin. Fake ist eben nicht gleich Fake.
Die wichtigste Frage auf diesem Markt heißt: Sind das gefälschte Produkte oder handelt es sich vielleicht doch um echte Bestände aus den Fabriken? Sind die Winterjacken, die so echt aussehen, wasserdicht? Explodieren die Akkus in den Handys? Und: Sind die Bulgari-Manschettenknöpfe wenigstens aus echtem Silber?
Im Land der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten ist alles möglich. Fast alles.
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Ein soziales Gewissen ist ein größerer und vor allen Dingen weit überflüssigerer Luxus als eine echte Rolex. Zudem kann man an ihm noch nicht mal ablesen, was die Stunde geschlagen hat. Let's face it:
1. Es kann nicht allen gut gehen
2. Damit einigen besser geht, muss es anderen schlechter gehen.
3. Bevor ich zulasse, daß es mir nicht mehr besser geht, lasse ich lieber zu, daß es den anderen weiterhin schlechter geht.
Irgendwann mal waren die Ägypter ganz oben, irgendwann mal die Römer, dann irgendwann die Amerikaner und es wird nicht lange dauern, dann spätestens mithilfe ihrer Währungsreserven die Chinesen. Jeder der mal ganz oben war, hat es ganz sicher ausgekostet ohne sich großartig darum zu scheren, was mit den anderen passiert. Die Chinesen werden es höchstwahrscheinlich auch so halten. Im Augenblick geht es uns hier ganz gut und das wird sein ganz natürliches Ende finden, egal ob wir den Zustand jetzt genießen oder uns mit sozialem Gewissen abplagen. Typisch deutsche Tiefgründigkeit verdirbt nur den Spass... wir surfen auf einer großen Welle und es ist Zeit genug bis zum Riff übrig, also why worry?
Produktpiraterie aus China schadet der deutschen Wirtschaft. Diese Aussage gehört zu jener Sorte von Dummheiten, die man durch Weglassen des Kontextes erzielt.
Markenhersteller - oder Produzenten wie IKEA - nutzen ihre Macht gnadenlos aus, um den Lohn der chinesischen Arbeiterinnen immer noch weiter zu drücken, obwohl sie ohnehin schon unter Bedingungen arbeiten müssen, die von Sklaverei kaum mehr zu unterscheiden sind; siehe hierzu Macintosh mit seiner Produktion des ipod. Die chinesischen Unternehmer haben keine Chance, ihren Arbeiterinnen auch nur halbwegs anständige Löhne zu zahlen: Wenn Sie Ansprüche stellen, können wir auch nach Vietnam gehen. Dort hat man realistischere Vorstellungen! - Irgendwer muss ja auch die Mehrwertsteuererhöhung bezahlen, oder? Geiz ist geil! Kostet ja nur das Blut der anderen. Aber schlimm ist, was der westlichen Rendite schadet. Und moralisch verwerflich ist, was die deutsche Börse deprimiert.
Deswegen finden sich über diesen Neo-Kolonialismus des Westens so selten Schlagzeilen und Berichte in den Medien, wie? Denn sonst könnte man die Musik aus dem Sklaven-ipod vielleicht nicht mehr mit ruhigem Gewissen genießen? - Ach nein, da verwechsele ich Dummerchen etwas: Der Deutsche sorgt sich um seinen Bauch und wirft der chinesischen Arbeiterin vor, dass sie sich versklaven lässt, weil sie ihm damit den Arbeitsplatz wegnimmt. Das allein raubt ihm den Schlaf.
So ist auch der einzige Grund, der gegen eine offene Einführung der Sklaverei in China und Vietnam spricht, nur ein ökonomischer: Sklaven sind Eigentum und deshalb ist man an ihrem Erhalt interessiert. Quetscht man aber eine 16-jährige Chinesin aus und wirft die Hülle mit 25 weg, steht schon die nächste bereit. Eine Wahl hat die Arme kaum. Westliche Markenprodukte produziert von Wegwerfarbeiterinnen. Wie nannte man das früher? Vernichtung durch Arbeit?
Aber die Kanzlerin Merkel spricht ja jetzt in China über Menschenrechtsverletzungen ... Ein Grund zur Hoffnung? Oder verwechsele ich da jetzt schon wieder etwas?
Wo werden die Markenwaren hergestellt?
- vornehmlich in Billiglohnländern.
Wie hoch ist die Gewinnspanne bei Markenwaren?
- kann aus der Preisdifferenz von "echten" Fakes und der Markenware
zu Hause leicht ausgerechnet werden.
So gesehen ist die Aufregung der Markenhersteller nichts anderes
als dreiste Lobbyarbeit. Das Mitleid hält sich in Grenzen.
Wer hatte Mitleid mit den Arbeitnehmern, deren Arbeitsplätze von den Markenproduzenten in Billiglohnländer verlagert wurden?
Der Markenwahn der Bölkerung zeigt lediglich wie leicht sich die Menschen betupsen lassen.
Wer bezahlt denn freiwillig dem deutschen Arbeitnehmer einen xxx% Aufschlag gegenüber der globalen Konkurrenz, weil er ein Original mit Sozialversicherung ist?
Die nun jammernden "Wir lagern Produktion nach China aus weil es dort billiger ist"-Fraktion der Manager sicherlich nicht. P E C H
tach auch,
ward ihr alle schonmal laenger in china, ja?
-- also ich bins, seit 6 monaten und ich sach euch, das fake zeug, was die touris hier angeboten bekommen ist unter aller sau! kein grund sich aufzuregen. wirklich nicht. und so niedrig kann man beim verhandeln eigentlich garnicht einsteigen, dass sichr der deal lohnt -- abgesehen davon, dass es halt einfach schrott ist. Deshalb: wenn ich mir die echte rolex nicht leisten kann oder will nehm ich halt ne swatch -- ohne peinliche nachfragen von bekannten obs ne echte ist & ohne aerger.
die chinesen wissen meist einfsch nicht, was qualitaet ist & die margen sind halt beim mist verkloppen besser.
abgesehen davon sind konsumentenpreise in europa tatsaechlich auch fuer mich, single, mit sicher guter bezahlung echt der wahn!
anders siehts moeglicherweise bei investitionsguetern aus -- obwohl auch dort ernsthafte geschaeftsleute wissen sollten worauf sie sich einlassen.
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