Von Christina Maria Berr

Merkel kommt nach Peking und rügt gefälschte Markenprodukte. Ihre Landsleute gehen derweil auf den Fake-Märkten shoppen. Ist ja auch alles viel billiger hier.

Am Tag, an dem Angela Merkel ihre Koffer für China packt, ist wie immer Hochbetrieb im Pekinger Pearlmarket. Ein Paradies für Einkaufswütige. Auch für deutsche Touristen ein beliebter Ort, viele Reiseführer weisen auf ihn hin. Auf fünf Etagen wird so ziemlich alles angeboten, was man immer schon einmal haben wollte - bisher aber viel zu teuer war. Hier in Peking ist das anders. "Cheaper,Cheaper!", schallt es überall durch die Halle.

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(© Foto: Reuters)

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Im Pearlmarket muss man handeln können. Angeblich hilft es, wenn der Käufer eine Visitenkarte des ein oder anderen in Peking ansässigen deutschen Unternehmens zeigt.

Zwei Tage später ist die Bundeskanzlerin in Chinas Hauptstadt und rügt Fälschungen. Ein solcher Markt besteht aber fast nur aus Fakeprodukten.

"Come and look", ruft eine Verkäuferin. Sie wedelt mit einem Nokia Handy. "It's a fake", sage ich ihr ins Gesicht. Sie sieht mich böse an. "No, no", sagt sie. Aber da bin ich schon am nächsten Stand.

In einer Vitrine liegen fünf iPods. Sie sind schick, zum Anknipsen ans Hemd, und kleiner als eine Streichholzschachtel. Und sogar originalverpackt.

Umgerechnet 80 Euro soll ein Gerät kosten. Auf keinen Fall, sage ich - und nach etlichen zähen Verhandlungsrunden kosten zwei iPods gerade mal 24 Euro. Die sind nun aber wirklich mal echt, denke ich - und sehe erst im Hotel beim Auspacken, dass nur eines der Geräte einen Schriftzug auf der Rückseite hat.

In einem anderen Stockwerk des Pearlmarkets liegen Marken-Taschen. Es gibt Bags von Chloe und Cloe, von Hugo Boss, Chanel und von Canel. Eine deutsche Reisegruppe ist schon kräftig am Verhandeln. Besonders beliebt: Hermes- und Gucci-Taschen. Doch die Qualität der Fakes ist unterschiedlich.

"No leather", sage ich, ich bin ja nicht blöd. Eine Freundin hatte sich explizit eine Faketasche als Mitbringsel gewünscht.

"Come", zischelt mir einer zu. In einem Lager ein paar Straßen weiter gibt es die gesamte Taschen-Palette zu bestaunen: Von billigen Plastikteilen bis zu aufwendiger gemachten Modellen. Diese verkaufen wir sogar in den Gucci-Läden, meint die Verkäuferin. Fake ist eben nicht gleich Fake.

Die wichtigste Frage auf diesem Markt heißt: Sind das gefälschte Produkte oder handelt es sich vielleicht doch um echte Bestände aus den Fabriken? Sind die Winterjacken, die so echt aussehen, wasserdicht? Explodieren die Akkus in den Handys? Und: Sind die Bulgari-Manschettenknöpfe wenigstens aus echtem Silber?

Im Land der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten ist alles möglich. Fast alles.

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