Ein Desaster wie der Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik, die Nachrichten über einen möglichen Blitzschlag, verstärken die Unsicherheit bei jenen, die ohnehin mit dumpfer Beklommenheit einsteigen.
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Marc-Roman Trautmann kennt diese Reaktionen. Der Psychologe leitet das Deutsche Flugangst-Zentrum in Düsseldorf. Die Angst, sagt Trautmann, rührt nur selten daher, dass die Menschen irgendwann negative Erfahrungen mit dem Fliegen gemacht haben.
Die Hälfte der Betroffenen hat noch andere Lebensängste und ist empfänglich für Katastrophenmeldungen; Berichte von dramatischen Ereignissen verstärken eine tieferliegende Furcht. "Je mehr Informationen auf uns niederprasseln, desto stärker wächst der Vertrauensverlust", sagt der 41-Jährige.
In Trautmanns Seminare kommen auch Leute, die schon lange fliegen, aber sich erst spät trauen, etwas gegen die Angst zu unternehmen. Bei weniger problematischen Fällen reicht es manchmal, auf die Statistik zu verweisen: Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Flugzeug abzustürzen, liege bei 0,0000004 Prozent.
Anders gesagt: Tausend Personen müssten 30 Jahre lang ununterbrochen fliegen, bis einer dabei ums Leben kommt.
Angesichts der viel höheren Unfallzahlen im Straßenverkehr müsste das eine beeindruckende Zahl sein. "Das hilft aber auch nicht immer weiter", sagt Trautmann. "Gerade die Vielflieger haben oft ein Problem damit, dass sie selbst keinen Einfluss mehr haben, wenn sie angegurtet in ihrer Reihe verharren müssen."
Die Methode Schweizer Käse
Der Psychologie führt gerne ein Beispiel an, um den Sicherheitsstandard heutiger Flugzeuge zu demonstrieren - die Methode Schweizer Käse. "Wenn Sie fünf Scheiben übereinander legen, sehen Sie keine Löcher mehr, dann ist alles abgedeckt", sagt Trautmann seinen Seminarteilnehmern.
Bei großen Boeing- und Airbus-Maschinen lägen mindestens 40 Scheiben übereinander, um im Bild zu bleiben. "Es gibt nicht das eine Loch im System, bei einem Unfall müssen viele Faktoren zusammenkommen."
Trotzdem hat Trautmann "großen Respekt", wenn er ins Flugzeug steigt. Es ist der Respekt vor einer ungeheuer anspruchsvollen, nach Perfektion strebenden Sicherheitsleistung, bei der dennoch niemand absolute Sicherheit bieten kann.
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(SZ vom 3.6.2009)
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