Verspätete, manchmal überhitzte und fast immer überfüllte Züge: Angesichts dieser miserablen Leistung verzichtete die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr auf eine Erhöhung der Ticketpreise. Und wurde für ihre vermeintliche Einsicht gelobt. Doch die Großzügigkeit war nur vorgetäuscht - gierig holt sich das Unternehmen die entgangenen Gewinne nun mit einer saftigen Preissteigerung zurück.
Überraschend kam das nicht: Wie fast jedes Jahr will die Bahn auch in diesem Winter wieder ihre Preise erhöhen. Von Mitte Dezember an werden Tickets im Fernverkehr im Schnitt um knapp vier Prozent teurer. Und wie in jedem Jahr hat der Konzern gute Erklärungen dafür: Diesmal sind es die deutlich gestiegenen Energiepreise sowie höhere Personalkosten. Beides sind Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist, beides verteuert Bahnfahren. Und dennoch sind die Preiserhöhungen falsch.
Bild vergrößern
Von Mitte Dezember an müssen Zugreisende am Fahrkartenschalter tiefer in die Tasche greifen: Die Deutsche Bahn erhöht die Ticketpreise im Fernverkehr um durchschnittlich knapp vier Prozent. (© dapd)
Anzeige
Im vergangenen Jahr hatte der Konzern tatsächlich mal eine Ausnahme gemacht. Erstmals seit acht Jahren hatte er darauf verzichtet, die Tickets für den Fernverkehr zu verteuern. Begründet worden war das mit den diversen Problemen bei den ICE-Zügen. Sie waren häufig verspätet, manchmal überhitzt und fast immer überfüllt. Dass die Bahn damals den sonst üblichen Preisanstieg unterließ, war insofern nur konsequent.
Dennoch wurde der Verzicht allgemein gelobt, vermutlich, weil man so viel Einsicht bei der Bahn nicht gewohnt war. Jetzt aber, ein Jahr später, rückt der Konzern das Bild wieder gerade. Zwar mag die nun angekündigte Preiserhöhung um vier Prozent angesichts der allgemeinen Preissteigerungen moderat klingen, für die Bahn aber ist es ein eher happiger Schritt. 2009 etwa hatte sie die Tickets nur um 1,8 Prozent verteuert.
Wenn Tickets also künftig um vier Prozent teurer werden, drängt sich der Eindruck auf, dass die Bahn einfach das nachholt, worauf sie letztes Jahr angeblich so großzügig verzichtet hat. Und das, obwohl die Probleme mit den ICEs immer noch nicht gelöst sind.
Es war also kein Verzicht, es war nur ein Aufschub - und das Lob damit verfrüht.
- Thema
- Deutsche Bahn RSS
- Deutsche Bahn Zugtickets werden deutlich teurer 13.10.2011
- Pünktlichkeitsstatistik der Bahn Schluss mit Schweigen 20.09.2011
- Panne bei der Deutschen Bahn Heute mal kein Halt 08.07.2011
- Bahn: Zugführer vergisst den Halt Kunden bekommen Fahrpreis zurück 22.06.2011
- Reisen mit der Bahn: EU-Umfrage Ziemlich unzufrieden 16.06.2011
- Anschläge auf die Deutsche Bahn Brandsätze in der Brotbox 15.10.2011
- Anschäge in Berlin Geisterarmee der Brandstifter 13.10.2011
(SZ vom 14.10.2011/jobr)
Staatsbesuch in Israel
Träumen, planen, reisen
weniger mit der bahn fahren?nein ich denke das wäre nicht der weisheit letzter schluss, aber wir können unseren politkern dampf machen indem wir sie mails überhäufen und damit auf die immer noch schlechten leistungen der bahn sher deutlich hinweisen!
Der nächste schritt wäre, deren leistungsversprechen genauer anzusehen und bei fehlern auch ggf. die bahn zu verklagen, denn anscheinend verstehen die vorstände der bahn keine andere sprache....
aber der druck muss von den kunden, also wir, kommen
ist eine einzige Zumutung!
Verspätungen und überfüllte Nahverkehrszüge für total überhöhte Preise. Dies ist nur durch die Monopolstellung und das Gemauschel mit der Politik möglich.
Verkehrspolitik wird in Deutschland für die DB und nicht für den Bürger gemacht.
traurig aber wahr, der umweltvorteil (bei co2) der bahn ist nicht so groß; wenn einer allein mit einem 3 liter auto fährt, ist das schon vergleichbar oder günstiger; fahren mehr als die eine person im auto mit, dann ist das auto deutlich umweltfreundlicher; nur busse kommen besser weg.
nachdem ihr der eigentümer (wir, vertreten durch die gewählten politiker) nun auch noch mit gigalinern das geschäft abgraben will, muss die bahn schauen, wo sie bleibt.....
güterverkehr auf die schiene! kein lkw fernverkehr!
leider muss man eingestehen, das die bahn das inzwischen gar nicht mehr leisten könnte; aber dem näher sollten wir schon wieder kommen; schließlich engagiert man als fuhrunternehmer ja auch nicht die konkurrenz für eigene aufträge, sondern schaut, dass das geld im eigenen unternehmen bleibt.
... dass es mit Bussen im Fernverkehr künftig vernünftige Alternativen gibt. Ob sich dann die superteuren Neubaustrecken noch rechnen, wenn in den darüber fahrenden ICEs kaum mehr einer drin sitzt?
Paging