Eine der absurdesten Verfremdungen von Hotelzimmereinrichtung findet sich in den einheitlich ausgestatteten Zimmern einer deutschen Hotelgruppe. Eine diagonale Holzwand trennt den Nassbereich mit der offenen, alles überschwemmenden Dusche und dem verspiegelten Spucknapf vom nüchternen Wohnbereich, in dem beim ersten Anblick alles Nötige zu fehlen scheint: Wo ist der Schrank, in dem man etwas aufhängen kann, wo der Tisch, an dem man arbeiten könnte?

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Aus der Holzwand steht zwar eine eiförmige waagrechte Platte heraus, die aussieht wie ein Nabelbruch, doch die runde Ausbuchtung ist zum Arbeiten viel zu klein. Rätsel gibt auch ihr einziges Standbein auf: Es steht auf einer kreisförmig verlaufenden Schiene, die im Boden eingelassen ist und dem Gast, der genügend Geduld und mechanische Phantasie mitbringt, die Ahnung gibt, dass der Tisch vielleicht drehbar sei. Und tatsächlich kann man die Platte auf ihrem Fuß bewegen.

Bei der Drehung wird auch die anhängende Rückwand mit herausgedreht; sie eröffnet den Blick in den dahinter versteckten Schrank. Die Tischplatte fungiert also auch als Griff der Schranktür und umgekehrt: der Türgriff dient - höchst ungenügend - als Tisch. Die beiden Funktionen behindern sich massiv: Wenn der Tisch benutzt wird - man stelle mal eine Flasche Wein und zwei Gläser auf die winzige Fläche -, lässt sich der Schrank nicht öffnen; man muss also die einzige Ablagefläche im Raum jedes Mal frei räumen, wenn man an den Schrank will. Drastischer kann sich Gestaltung nicht selber aushebeln.

Darum am Ende unseres Ausflugs in die ach so beliebte Welt der Designhotels die Rätselfrage: Warum lassen sich so viele Menschen von anderen vorschreiben, was sie für schön und praktisch halten wollen?

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  1. O welche Wanne
  2. Schwere funktionale Mängel
  3. Lächerliche Selbstverständlichkeiten
  4. Nasszellen ohne Türen
  5. Gasflämmchen im Kaminloch
  6. Sie lesen jetzt Der Tisch öffnet den Schrank
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(SZ vom 12./13.06.2010)