Interview: Jochen Temsch

Daniel Brühl wirbt neuerdings fürs Wandern. Der Schauspieler über die eigenen Mickrigkeit angesichts der Berge und die Trittsicherheit in verschiedenen Lebenslagen.

Das Bergbauernmuseum im österreichischen Hochtal Wildschönau. Daniel Brühl ist etwas übernächtigt, aber voll bei der Sache. Am Vorabend hat er den Schnaps probiert, den die Einheimischen aus der weißen Stoppelrübe brennen. Mit seinem Wirt ist er dann morgens um sechs Uhr wandern gegangen. Die roten Stiefel trägt er sogar noch beim Interview. Dazu ein aufgekrempeltes, kariertes Hemd und Jeans. Daniel Brühl ist ein Stadtmensch - in Barcelona geboren, in Köln aufgewachsen, jetzt lebt er in Berlin. In den Bergen hat er immer wieder Filme gedreht, zuletzt "Die kommenden Tage". Jetzt macht er auch Tourismuswerbung.

Cast member Bruehl arrives for the German premiere of director Quentin Tarantino's new movie 'Inglourious Basterds' in Berlin Bild vergrößern

Daniel Brühl, Jahrgang 1978, Berliner mit spanischen Wurzeln, ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands. Seinen Durchbruch hatte er 2001 in Hans Weingartners "Das weiße Rauschen", der internationale ERfolg kam 2003 mit "Good Bye Lenin!". (© Reuters)

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SZ: Herr Brühl, so oft kommen Sie wohl nicht über den Prenzlauer Berg hinaus, oder?

Brühl: Ich muss schon zugeben, dass ich mich die meiste Zeit des Jahres in großen Städten aufhalte. Aber allein in den vergangenen vier Monaten war ich sechs, sieben Mal wandern, in Island zum Beispiel und in Spanien. Mein Vater ist ein leidenschaftlicher Wanderer. Er hat mich schon als Kind mit in die Berge genommen. Im Urlaub waren wir meistens in Frankreich, in Spanien, in den Nationalparks der Pyrenäen unterwegs.

SZ: Was haben Sie davon behalten?

Brühl: Das gemeinsame Erlebnis. Ich mag es einfach, neben jemandem herzugehen, in einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Eindrücke prasseln auf einen ein, über die man viel reden muss. Dann gibt es wieder Phasen, in denen man gar nicht mehr redet, in denen jeder abdriftet und seinen Gedanken nachhängt.

SZ: Wandern ist also ein Männerding zwischen Vater und Sohn oder Kumpels?

Brühl: Nein, ich bin auch mit Freundinnen gewandert. Überall, wo wir waren: im Dschungel, in Lateinamerika, irgendwelche Vulkane hoch, oder in Australien - einfach den Rucksack gepackt und losgezogen. Aber ich muss auch sagen, dass das alles nichts mit irgendwelchen Höchstleistungen zu tun hat.

SZ: Dann geht es Ihnen nicht so wie etwa Ihrer amerikanischen Kollegin Jessica Biel, die am Kilimandscharo war und soeben verkündet hat, jetzt das Basislager des Everest in Angriff zu nehmen?

Brühl: Nein, nein. Man muss da eine Grenze ziehen. Ich kann natürlich nicht so tun, als wäre ich Reinhold Messner. Die Faszination für solche extremeren Sachen kann ich allerdings verstehen. Es ist aber auch eine Frage der Fitness und der Zeit, die man hat, sich auf so eine Unternehmung vorzubereiten.

SZ: Wie sieht es mit Klettern aus?

Brühl: Ich habe neulich einen Koch, der klettert, in Barcelona kennengelernt. Der hat mir angeboten, mir am Montserrat im Hinterland der Stadt zu zeigen, wie man die Felsen hochgeht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich Schiss hätte. Aber wenn man es mit jemandem macht, dem man vertraut, und sich langsam herantastet, kann es sicher toll sein. Ich setze es mal auf meine Liste.

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