Am nächsten Tag sind wir bereits eine eingeschworene Gemeinschaft, die Ankunft des zweiten Bootes wird mit Argwohn beobachtet. Aber gut, man begrüßt sich förmlich, nimmt Gepäck mit an Bord und hofft, dass die anderen auf ihrem Paddelboot bleiben. So fließt der zweite Tag dahin. Mit der Schwimmweste an lässt es sich gemächlich kühl dahintreiben. Wer will schon bei 40 Grad auf dem Boot sitzen?

Am Morgen nach einem Fluss-Camping geht es weiter. (© Foto: Hübner)

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Schwimmend geht es an Island in the Sky vorbei, den wohl markantesten Plateaus und Felsnadeln im Park. Als man im Park noch Uran abbaute, das war immerhin bis Anfang der achtziger Jahre, diente der Ort als Flugzeuglandebahn, um Minenarbeiter ein- und auszufliegen. Wenn man Island in the Sky aus der Nähe sieht, glaubt man es erst recht nicht.

Schwimmweste ist Pflicht

Kurz danach ist der harmlose Teil der Reise vorbei. Nach dem Zusammenfluss mit dem Green River, der von Osten in den Colorado mündet, ist es Vorschrift die Schwimmwesten ständig zu tragen. Ein kleines Schild am Ufer trägt die Aufschrift "Danger! Rapids below". Doch bis zum zweiten Nachtlager tut sich nicht mehr viel.

Umsonst geschwitzt.

Auf der Fahrt sind sich die Insassen der Boote dann doch noch ein wenig näher gekommen. Aus Norwegen stammt die klassische Kleinfamilie. Tim und Christina, ein Paar aus Sacramento. Und Uli mit Sohn Felix. Steuerberater. Brian heißt ihr Steuermann. Schwarzbraun gebrannter, ständig Kautabak kauender und dabei redender Draufgängertyp. Mitte zwanzig erst und schon hat er sämtliche Rafting-Flüsse in Mittelamerika befahren. Noch nie gekentert, berichtet er stolz beim Gemüseschneiden für den Vorspeisenteller.

Zusammen laufen Toby und Brian "in der Küche" an diesem Abend zu Höchstform auf: Es gibt italienische Pasta mit Frischkäse gefüllt, dazu wird frisch gebackenes Knoblauchbrot gereicht. Vor uns rauscht der Colorado vorbei. Später an diesem Abend wird der Mond hinter der sichtbaren Kante des Canyons versinken und mit seinem gelblich weißen Licht den Sandstein gespenstisch beleuchten. Dann wird nur noch das zeitlose, immerwährende Geräusch des Flusses zu hören sein, wenn alle in ihren Zelten liegen und schlafen.

Aufstieg in einem Seitencanyon

In der Wüste schürt die Nacht die Sehnsucht und der Tag verspricht Qualen. Ganz besonders gilt die zweite Regel für Wanderungen. Toby hat so einen viel versprechenden Vorschlag gemacht: einen Seiten-Canyon hinaufzusteigen und den Fluss von oben zu bewundern. Dabei hat er allerdings verschwiegen, dass man dazu das Geschick einer Bergziege benötigt. Von oben sieht der Colorado dann aus wie eine zahme, braune Schlange, die sich durch die Felslandschaft windet.

Das Dramatische sind jetzt die Sandsteinschichten selbst. Unter dem Druck der Jahrmillionen gedehnt, verschoben, geborsten. Ein von den Launen der Natur gequältes Colorado-Plateau offenbart sich aus dieser Perspektive. Zumal in der hitzeflirrenden, trockenen Luft nichts den Blick in die Ferne verschleiert. "Ich will ja nicht drängen, aber wir wollen doch heute noch raften." Toby, wie er leibt und lebt, immer den Gelassenen spielen, aber trotzdem ist Zug dahinter.

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