Da ist George, stolze 82, mit schlohweißem Haar und Muhammed-Ali-Nase, die an den Seiten ganz schön ausgefranst ist. Die Geschwister Scott und Carol, ursprünglich aus Chicago. Der Reporter und seine Fotografin. Und natürlich Toby, Bootsführer, Geschichtslexikon und Sternekoch in einem. Toby ist dieser Typ, den nie etwas aus der Ruhe bringt. Beendet jeden Satz mit einem kurzen heiseren Lacher. Das verleiht seinen Aussagen etwas Unausweichliches - womit sich auch die innere Ruhe erklärt.

Aufstieg in einen Seitencanyon (© Foto: Hübner)

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Schnell noch das Boot vorgestellt: Es ist ein so genanntes J-rig, eine Konstruktion aus drei zu einem Floß verketteten luftgefüllten Schläuchen, die irgendwie an überdimensionierte Bananen erinnern. Hinter einem blau gestrichenen Holzkasten, der Proviant und Gepäck beherbergt, liegt Tobys Reich. Das Schöne: Ein kleiner Außenbordmotor erspart die Paddelei. 100 Meilen auf dem Fluss, das hätte anstrengend werden können.

So treiben wir auf der Strömung dahin, durch ein gewaltiges Stück Erdgeschichte, das der Colorado mit stoischer Gelassenheit - so wirkt er jetzt - im Laufe der Jahrmillionen im Sandstein freigelegt hat. "Der Fluss ist ein Weg durch die Zeit", sagt Toby kurz nachdem wir die Grenze des Canyonlands Nationalpark passiert haben.

Links, vielleicht 60 Meter über dem Fluss, zieht sich eine waagrechte, weiße Linie durch den rotbraunen Stein. "Wir nennen sie die 'weiße Linie', wir sind hier erdgeschichtlich im Perm, vor etwa 280 Millionen Jahren. Am Ende der Reise werden wir bei 450 Millionen Jahren sein." Dann zählt Toby die Formationen auf: Navajo, Kayenta-, Kaibabsandstein.

Profan klingende Namen, um den Dimensionen der Natur gerecht zu werden, für den Menschen Werkzeug um unvorstellbare Ausmaße an Zeit zu zerstückeln, zu kategorisieren und in fassbare Formen zu zwängen.

Tatsächlich regiert hier draußen nicht der Mensch. Er ist nur einen Wimpernschlag lang Zeuge dieser Landschaft, dann wird er auf dem großen Strom der Zeit davongetragen. Bis heute ist die Ecke im Südosten Utahs eine der am wenigsten erschlossenen und unzugänglichsten Regionen der USA geblieben.

Überhaupt wurde sie erst vor mehr als etwas 100 Jahren von Weißen erkundet. Der Geologe John Wesley Powell machte sich mit neun Mann und vier Booten im Jahr 1869 auf die gefährliche Reise. "Was sollen wir finden?" schrieb Powell in seinen Notizen. Nach drei Monaten, als sie das Ende des Grand Canyons erreichten, hatte er eine Antwort: Ein bizarres Land aus nacktem Stein mit kathedralenartigen Felsen, hunderte oder tausende Fuß hoch und Canyon-Wänden, die den mächtigen Colorado zur Bedeutungslosigkeit degradieren. Vier Mann verloren bei der Expedition ihr Leben.

Ein Hauch von Abenteuer

Der Hauch des Abenteuers ist immer noch präsent, doch so gefährlich wie damals ist es nicht mehr. Nur ein Mann ist in den letzten Jahren ertrunken und das auch nur, weil er die Schwimmweste nicht richtig angelegt hatte. Das haben die Behörden nach der Entdeckung der Leiche herausgefunden, erzählt Toby, als er seine "Freiluftküche" aufbaut.

Indian Creek nennt sich die Sandbank, auf der wir unser erstes Nachtlager aufschlagen. Gezwängt zwischen die Sandsteinwände, die auch nach dem Sonnenuntergang noch eine Hitze wie ein Brutkasten abstrahlen. Das lässt sich nur mit eiskaltem Dosenbier ertragen. Wir sitzen auf Campingstühlen am Ufer, essen Hähnchen-Cordon-Bleu. Reden, scharren mit den Füßen im Sand und trinken noch mehr Bier. Suchen Sternenbilder am Nachthimmel.

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