Busreisen Billige Zeiträuber

Dieses Konsortium dürfte nun im Fernbusmarkt der größte Konkurrent werden und hat große Pläne. Einen Bestandsschutz sieht der Entwurf nun nicht vor - aber bei Strecken, wo es bereits Betreiber gibt, können diese binnen eines Monats auf andere Gebote reagieren und ihr Angebot nachbessern.

Die Lieblinge der Deutschen

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Die Allianz pro Schiene kritisiert besonders, dass Strecken bereits nach drei Monaten wieder eingestellt werden können. Außerdem seien die Fahrgastrechte nicht ausreichend. "Über die Fernbus-Liberalisierung versucht die Politik, sich aus ihrer Pflicht zum Ausbau der Schieneninfrastruktur zu stehlen", sagt Geschäftsführer Dirk Flege. Zudem sei das Unfallrisiko im Bus 27 Mal höher als bei der Bahn.

Es geht vor allem um ein neues Angebot für das Billig-Segment, etwa für Schüler, Studenten und Geringverdiener. Während der Normalpreis im ICE von Berlin nach Hamburg derzeit bei 70 Euro liegt, werden für die gleiche Strecke im Bus nur 27 Euro fällig, hat die Stiftung Warentest ermittelt. An dem Betreiber BerlinLinienBus ist die DB Mobility Logistics AG beteiligt. Zwar ist die Busreise billiger, aber dafür verlängert sich die Reisezeit deutlich. "Wer nicht unter Zeitdruck steht, kann mit dem Fernbus seine Reisekasse schonen", lautet die Analyse der Warentester.

Für die Strecke von Berlin nach Hamburg braucht ein Reisebus fast doppelt so lange wie der ICE - vor allem zu Stauzeiten.

Während es im innereuropäischen Verkehr zahlreiche Fernbuslinien etwa von Köln nach Paris oder Warschau gibt und von Deutschland pro Jahr drei Millionen Fahrgäste starten, hinkt der Wettbewerb auf innerdeutschen Strecken. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Juni 2010 solche Verbindungen begrüßt, wenn der Preis erheblich günstiger ist als das Parallelangebot der Bahn. Die Busbranche erhofft sich ein Konjunkturprogramm, ging doch in den letzten Jahren die Zahl der Busunternehmen von 6500 auf 5000 zurück.

Im derzeitigen Fernliniennetz werden nach Angaben des Verkehrsexperten Heinrich Strößenreuther deutlich weniger als 50 Millionen Euro Umsatz erzielt. Angesichts steigender Spritpreise sieht er hier große Potenziale. Der Fernbusmarkt erfordere aber 1500 bis 2500 neue Busse. Kosten: 500 Millionen Euro. Strößenreuther beziffert den möglichen Marktanteil im Fernverkehr auf 5 Prozent.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) schielt besonders auf die vielen privaten Mitfahrgelegenheiten, der Bahn werde man nur maximal zwei Prozent der Fahrgäste abjagen. Wolfgang Steinbrück, Präsident des BDO, betont: "Die Nachfrage ist da. Ich gehe davon aus, dass wir eine Million an Fahrgästen schaffen können."